Im Marienfelder Greizer Viertel modernisiert die landeseigene DEGEWO seit 2022 mehrere Wohngebäude aus den 1960er Jahren. Geplant sind neue Wohnungen durch Dachaufstockungen, energetische Sanierungen und eine aufgewertete Freiraumgestaltung. Doch viele Mieterinnen und Mieter beklagen erhebliche Mängel, Bauverzögerungen und unzumutbare Zustände.

Im Rahmen des vierten Bauabschnitts werden die Gebäude um ein zusätzliches Dachgeschoss erweitert, die Fassade energetisch saniert, Fenster ausgetauscht und die Stränge modernisiert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Seit Frühjahr 2022 saniert die DEGEWO im Marienfelder Greizer Viertel mehrere Wohnhäuser aus den 1960er Jahren. Die Maßnahmen umfassen eine energetische Ertüchtigung der Fassaden, den Austausch von Fenstern, die Modernisierung von Balkonen und Hauseingängen sowie eine Dachgeschossaufstockung. So sollen insgesamt 30 neue Wohnungen sowie zwei Wohngemeinschaften für pflegebedürftige Menschen entstehen, davon 15 barrierefrei. Die Fertigstellung ist für 2026 vorgesehen.
Geplant ist zudem eine Aufwertung der Außenbereiche mit Mietergärten, Spielflächen und neuen Wegen. Auch Abstellräume und barrierefreie Zugänge sollen realisiert werden. Der energetische Standard KfW 55 wird angestrebt. Ein Bauschild vor Ort zeigt die ursprüngliche angestrebte Fertigstellung für Juli 2025, welche auf März 2026 verlängert wurde.
DEGEWO-Projekt in der Kritik: Verzögerungen und Baupfusch belasten das Greizer Viertel
Doch trotz ambitionierter Planungen verläuft die Umsetzung holprig. Wie mehrere Medien berichten, kommt es seit Baubeginn zu massiven Verzögerungen und Baufehlern. Der Berliner Mieterverein dokumentierte unter anderem Schimmelschäden, undichte Dächer und schlecht verputzte Fensterrahmen. Eine Mieterin berichtete dem Mieterverein, dass Wasser über Wochen an den Wänden hinablief und ein Trocknungsgerät ihre Küche blockiere.
Verantwortlich für die Verzögerungen sei unter anderem die Insolvenz eines Bauunternehmens. Die DEGEWO verwies darauf, dass eine neue Firma die Mängel beseitige. Als Entschädigung wurde den Bewohnerinnen und Bewohnern eine Mietminderung von 20 Prozent im November 2023 gewährt.
Baustellenalltag im Greizer Viertel: Zwischen sichtbaren Fortschritten und provisorischen Zuständen
Ein Besuch vor Ort bestätigt ein gemischtes Bild. Zwar wurden bereits Hauseingänge modernisiert und Fahrradstellplätze installiert, doch das Quartier wirkt weiterhin wie eine Großbaustelle. Überall stehen Baugeräte und Materialien, Sandberge dominieren das Bild. Der Spielplatz wirkt unfertig, ein großer Kran überragt das Viertel. Vorgärten wurden zwar begrünt, doch das Ergebnis erscheint auch drei Jahre nach Beginn der Modernisierungsarbeiten vielerorts provisorisch.
Mieterinnen und Mieter, die seit über einem Jahr auf der Baustelle wohnen, berichten von ständiger Lärmbelastung und unklarer Kommunikation. Einigen wurde der Zugang zur Wohnung erschwert, andere mussten vorübergehend in Umsetzwohnungen ziehen.
Fortschritte sichtbar, doch Gesamtfertigstellung steht noch aus: Fertigstellung voraussichtlich bis 2026
Auch das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg wurde mit den Vorwürfen konfrontiert. Eine Kleine Anfrage der Links-Fraktion im Bezirksparlament ergab, dass mehrere Beschwerden über Rissbildungen und Mängel bei der Bauaufsicht eingingen. Diese prüfte die Baustelle mehrfach, sah jedoch keinen Grund für ein ordnungsbehördliches Eingreifen. Ein statisches Gutachten liege vor und bescheinige die Sicherheit des Baus, wie die Links-Fraktion Tempelhof-Schöneberg berichtete.
Trotzdem fühlen sich viele Mieterinnen und Mieter alleingelassen. Sie kritisieren fehlende Kommunikation und mangelnde Unterstützung durch die Behörden. Ob die Sanierung bis 2026 abgeschlossen werden kann, bleibt angesichts des bisherigen Verlaufs offen.
Quellen: Berliner Mieterverein, DEGEWO, Die Linke
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