In Friedrichshain haben die Abrissarbeiten am ehemaligen SEZ begonnen, wodurch eine langjährige Debatte erneut aufflammt. Während das Bezirksamt einen sofortigen Baustopp verhängen wollte, verteidigt Bausenator Christian Gaebler das Vorgehen der WBM ausdrücklich. Die politische Auseinandersetzung zeigt, wie stark der geplante Wohnungsbau und der Umgang mit Berlins DDR-Erbe weiterhin polarisieren.

Visualisierung Nutzungsgemischtes Wohnquartier auf dem Gelände des ehemaligen SEZ

Die WBM plant auf dem Gelände des ehemaligen SEZ ein weitläufiges Wohnquartier mit mehreren Neubauten, in denen unterschiedliche Wohnungsgrößen sowie barrierefreie Angebote vorgesehen sind. Das Konzept integriert Grünflächen, einen zentralen Parkbereich und Elemente des früheren Areals wie Kletterstrukturen und Wasserflächen. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Am ehemaligen Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Friedrichshain haben die Abrissarbeiten begonnen. Hinter Bauzäunen fallen bereits erste Wände, während Polizei und Sicherheitspersonal das Areal sichern. Viele Menschen beobachten die Situation aufmerksam, da das SEZ über Jahrzehnte ein prägendes Freizeitgebäude in der DDR gewesen ist. Die Pläne das Erholungszentrum abzureißen und Wohnungen auf dem Gelände zu errichten, haben zahlreiche Debatten ausgelöst. Kritikerinnen und Kritiker weisen darauf hin, dass mögliche Erhaltungsoptionen nicht ausreichend geprüft worden seien und dass der Verlust eines architektonischen Zeitzeugen bedauert werde.

Das Landesdenkmalamt hatte dem Gebäude keinen Denkmalschutz gewährt, da Umbauten, Vandalismus und Wasserschäden den ursprünglichen Zustand stark verändert hätten. Dadurch erhielt die Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM) eine klare Grundlage für weitere Planungen, was jedoch nicht alle politischen Akteure überzeugt. Besonders die Linke fordert eine intensivere Prüfung von Alternativen und kritisiert das Tempo der laufenden Maßnahmen.

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Bausenators Christian Gaebler verteidigt das Vorgehen der WBM

Bausenator Christian Gaebler (SPD) äußerte im Abgeordnetenhaus, dass er keinen Anlass sehe, die Arbeiten am SEZ zu stoppen. Er verwies nachdrücklich darauf, dass laut Bauordnung keine Genehmigung für den Abriss eines Nicht-Wohngebäudes erforderlich sei. Diese Rechtsauffassung teile auch seine Verwaltung, weshalb die Voraussetzungen aus seiner Sicht eindeutig seien. Deshalb unterstütze er die WBM, die sich seit sieben Jahren um die Entwicklung des Areals bemühe und damit bezahlbaren Wohnraum schaffen wolle.

Darüber hinaus übte Gaebler deutliche Kritik an der Linken. Nach seiner Auffassung fordere sie bei zahlreichen Projekten immer neue Debatten und trage so wiederholt zur Verzögerung von Bauvorhaben bei. Er hob hervor, dass die Stadt dringend zusätzlichen Wohnraum benötige und dass fortwährende Moratorien die Situation weiter verschärften. Berlin müsse jetzt handeln und dürfe die Umsetzung wichtiger Projekte nicht ständig erneut infrage stellen.

Zukünftige Entwicklung des SEZ-Areals in Berlin-Friedrichshain: Neues Wohnquartier und städtebauliche Ziele

Parallel zum Abriss verfolgt die WBM ein Konzept, das ein neues Quartier mit rund 550 Wohnungen vorsieht, von denen etwa die Hälfte sozial gefördert werden soll. Ergänzend sind Gewerbeflächen geplant, die Wohnen, Arbeiten und Freizeit verbinden. Eine Machbarkeitsstudie sowie ein städtebaulicher Wettbewerb überzeugten den Senat davon, dass ein vollständiger Abriss sinnvoll sei, da die veränderte Bausubstanz kaum Raum für einen Erhalt lasse.

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Mit dem fallenden SEZ endet gleichzeitig die Geschichte eines der bekanntesten DDR-Freizeitgebäude der Stadt, während sich Berlin der Entwicklung eines neuen, dichten Quartiers zuwendet. Dadurch verbindet das Projekt historischen Wandel mit dem Anspruch, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen und die Landsberger Allee städtebaulich neu zu ordnen.

Quellen: WBM, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stefan Forster GmbH, Der Tagesspiegel

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2 Kommentare

  1. Uwe Werner Schierhorn 5. Dezember 2025 at 21:25 - Reply

    TEILERHALT IST ABRISS AUF RATEN!!!
    Es ist ein Segen, dass das SEZ im Schatten der Ölkrise geplant und gebaut wurde! Die Forderung der energetischen Planung bestand darin, dass ein Großteil der Wärme der Schwimmbecken von den Eisbahnen stammen musste. Das nennt sich Kälte-Wärme-Kopplung. Die im SEZ integrierte Kälte-Wärme-Kopplung besitzt bei gleichen Bedingungen eine Arbeitszahl von 7,0, während die Kältemaschine 3,0 und die hochgelobte Wärmepumpe logischerweise nur 4,0 besitzt. Es werden also beide Seiten, die kalte und die warme genutzt. Läßt man die Schwimmhalle stehen und reißt die Eishallen ab, wie im Offenen Brief gefordert, so entfällt dieser Vorteil. Außerdem müsste diese fehlende Wärme zusätzlich und teuer eingekauft werden, was Abrissargumente befeuert. Deshalb ist SEZ eine architektonische, kulturelle, sportliche und energetische Einheit, die es als G a n z e s zu bewahren gilt. Und in all diesen Punkten ein Vorzeigeobjekt. Vorzeigeobjekte reißt man nicht ab!
    TEILERHALT IST ABRISS AUF RATEN!!!

  2. Böhme 11. Dezember 2025 at 23:11 - Reply

    Genau, und deswegen: Reißt die Bude endlich zur Gänze ab!

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