Vier Kirchenbauten aus der Spätphase der DDR stehen nun unter Denkmalschutz. Sie entstanden in einem besonderen politischen und finanziellen Kontext und prägen bis heute das Stadtbild in Ost-Berlin.

Die zwischen 1984 und 1987 errichtete Kirche „Von der Verklärung des Herrn“ (Marzahn) entstand im Kontext der Großsiedlung Marzahn und zeichnet sich durch eine Stahlskelettkonstruktion, verklinkerte Fassaden und einen 29 Meter hohen, halboffenen Kirchturm aus. / © Foto: Wikimedia Commons, Angela M. Arnold, Berlinderivative work: Rabanus Flavus, CC BY-SA 3.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Singlespeedfahrer, CC0
Das Landesdenkmalamt Berlin hat drei sogenannte „Limex-Kirchen“ sowie das evangelische Gemeindezentrum „Am Fennpfuhl“ in die Berliner Denkmalliste aufgenommen und rückt damit ein bislang wenig beachtetes Kapitel der Baugeschichte stärker in den Fokus.
Die Gebäude entstanden in den 1980er Jahren im Ostteil der Stadt und stehen exemplarisch für die Kirchenbauprogramme dieser Zeit. Am 5. Mai 2026 stellt das Landesdenkmalamt die neuen Denkmale im Rahmen der Veranstaltung „Jung aber Denkmal“ in der Urania Berlin vor.
Kirchenbau zwischen DDR und Bundesrepublik: Finanzierungssystem und politische Rahmenbedingungen
Die Kirchen entstanden im Rahmen von Sonderbauprogrammen, die seit den 1970er Jahren umgesetzt wurden, wobei ein komplexes Finanzierungssystem eine zentrale Rolle spielte. Über das staatliche Außenhandelsunternehmen Limex flossen Devisen aus dem Westen in die DDR.
Auf westdeutscher Seite beteiligten sich unter anderem das Bonifatiuswerk und die Diakonie mit Mitteln aus Kirchensteuern sowie staatlicher Förderung. Während anfangs vor allem bestehende Kirchen saniert wurden, verlagerte sich der Fokus Ende der 1970er Jahre zunehmend auf Neubauten in den wachsenden Großsiedlungen am Stadtrand. Für die DDR brachte das Programm damit sowohl dringend benötigte Devisen als auch eine schrittweise Annäherung an die Kirchen.

Neu unter Denkmalschutz: das Gemeindezentrum „Am Fennpfuhl“ (Lichtenberg). / © Foto: Wikimedia Commons, Angela Monika Arnold, CC BY-SA 2.0 DE
Moderne Kirchen als bewusste Gegenakzente in Großsiedlungen: Architektur und städtebauliche Wirkung:
Architekten der Bauakademie sowie freischaffende Planer wie Horst Göbel entwarfen die Kirchenbauten in enger Zusammenarbeit mit kirchlichen Bauabteilungen und entwickelten dabei eigenständige architektonische Konzepte. Charakteristisch sind eine moderne Formensprache, differenzierte Grundrisse und eine bewusste Abkehr von standardisierten Bauformen.
Künstlerische Ausstattungen etwa von Friedrich Press und Werner Nickel verleihen den Gebäuden darüber hinaus einen besonderen Charakter. Andreas Roth vom Erzbistum Berlin betonte, dass die Unterschutzstellung nicht nur die architektonische Qualität würdige, sondern auch die historische Bedeutung hervorhebe. Das Bauprogramm habe dazu beigetragen, kirchliches Leben trotz politischer Grenzen aufrechtzuerhalten.
Kirche „Maria, Königin des Friedens“
Heilig-Kreuz-Kirche (Hohenschönhausen)
Quellen: Landesdenkmalamt Berlin, Hauptstadtportal, Wikipedia
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