Vom Sporthotel in Hohenschönhausen bis zum SEZ in Friedrichshain: Mehrere prägende DDR-Gebäude verschwinden aus dem Berliner Stadtbild. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt, welche Abrissprojekte bereits laufen, und wo sich die Neubaupläne noch verzögern.

Ehemaliges DDR-Sporthotel
DDR-Vertragsarbeitersiedlung Gehrenseestraße
Sport- und Erholungszentrum SEZ
Ehemalige DDR-Kaserne Hessenwinkel
Ehemaliges DDR-Wohnhaus Mollstraße 4
Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Berlin verliert mehrere markante Gebäude aus der DDR-Zeit. Einige stehen seit Jahrzehnten leer, andere waren bis zuletzt Teil des öffentlichen Lebens. An ihre Stelle sollen Wohnungen, Hochhäuser, ein Hotel und neue Sportanlagen treten.

Doch nicht überall steht fest, wann die alten Bauten tatsächlich verschwinden und wann die geplanten Neubauten beginnen können. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt einen Überblick.

DDR-Sporthotel in Hohenschönhausen soll Hochhaus weichen

Das Bild zeigt die stark beschädigte Fassade des ehemaligen DDR-Sporthotels in Hohenschönhausen mit zahlreichen Graffiti, zerbrochenen Fenstern und hohem Bewuchs.

Zerstörte Fenster, Graffiti und verwilderte Außenflächen prägen das Gelände des früheren DDR-Sporthotels. Der Gebäudekomplex soll einem neuen Wohnquartier in Hohenschönhausen weichen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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  • Bezirk: Lichtenberg
  • Adresse: Weißenseer Weg 51–53 / Ecke Konrad-Wolf-Straße, 13053 Berlin
  • Projektstatus: Bebauungsplanverfahren läuft
  • Geplanter Baubeginn: 2027 angestrebt

Das ehemalige Sporthotel neben dem Sportforum gehört zu den auffälligsten DDR-Ruinen im Berliner Osten. Der Komplex aus Hotel und Kongresszentrum steht seit Jahren leer. Beschädigte Fenster, Graffiti und verwilderte Freiflächen prägen das Grundstück. Nach einem Eigentümerwechsel im Mai 2026 soll der Bestand vollständig verschwinden. Allerdings liegt noch keine genehmigte Hochbauplanung vor. Der Bezirk bearbeitet zunächst den Bebauungsplan 11-9a.

Der aktuelle städtebauliche Entwurf sieht mehrere fünf- bis siebengeschossige Gebäude vor. Staffelgeschosse sind ebenfalls möglich. Am Kreuzungsbereich soll ein Hochhaus mit bis zu 16 Vollgeschossen entstehen. Die jüngste Senatsantwort nennt rund 570 Wohnungen.

Die Visualisierung zeigt die geplante Neubebauung am ehemaligen DDR-Sporthotel in Hohenschönhausen mit mehreren Wohngebäuden, begrünten Freiflächen und einem bis zu 16-geschossigen Hochhaus.

Die Visualisierung zeigt das geplante Quartier auf dem Gelände des ehemaligen DDR-Sporthotels in Hohenschönhausen. Nach aktuellem Stand sind fünf- bis siebengeschossige Gebäude sowie ein Punkthochhaus mit bis zu 16 Vollgeschossen vorgesehen. / © Visualisierung: Periskop Development GmbH

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Bevor der Abriss des DDR-Sporthotels und der Bau des geplanten Hochhauses beginnen können, muss der Bebauungsplan mehrere Verfahrensschritte durchlaufen. Dazu gehören die Behördenbeteiligung, die öffentliche Auslegung, die rechtliche Prüfung und ein Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung. Einen verbindlichen Zeitplan nennt die Verwaltung nicht.

Gehrenseestraße: DDR-Vertragsarbeitersiedlung wird abgerissen

Verlassener DDR-Plattenbau an der Gehrenseestraße in Berlin mit großflächigem Graffiti, offenen Fenstern und dichter Vegetation vor dem geplanten Abriss.

Die leerstehenden DDR-Plattenbauten an der Gehrenseestraße sind seit Jahren dem Verfall ausgesetzt. Nach dem Abriss soll auf dem Gelände ein neues Quartier mit mehr als 1.000 Wohnungen und mehreren Hochpunkten entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Bezirk: Lichtenberg
  • Adresse: Gehrenseestraße / Wollenberger Straße, 13053 Berlin
  • Projektstatus: Teilabriss läuft
  • Geplanter Baubeginn: Oktober 2028 für den HOWOGE-Bauabschnitt

Zwischen Gehrenseestraße und Wollenberger Straße stehen neun sechsgeschossige DDR-Plattenbauten. Der Komplex entstand zwischen 1977 und 1980 zunächst für Arbeiter, die an den großen Neubaugebieten im Berliner Osten beteiligt waren. Ab 1982 lebten dort Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter aus Vietnam, Mosambik, Angola und Kuba. Rund 1.000 kleine Wohneinheiten verteilten sich auf die Gebäude. Küchen und Sanitärbereiche nutzten viele Bewohner gemeinsam.

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Nach der Wiedervereinigung nutzte Berlin die Häuser unter anderem zur Unterbringung von Geflüchteten. Im Jahr 2003 endeten die letzten Mietverhältnisse. Anschließend wurden die Gebäude entkernt und blieben mehr als zwei Jahrzehnte ungenutzt. Mehrere Eigentümerwechsel und gescheiterte Planungen verzögerten eine Neubebauung. Inzwischen läuft am östlichen Rand der Abriss der ehemaligen DDR-Vertragsarbeitersiedlung an der Gehrenseestraße. Zunächst schafft er Platz für einen Schulneubau.

Eine Architekturvisualisierung zeigt einen grünen Platz mit Wasserspiel, Bäumen und Fußwegen im geplanten Wohnquartier am Lost Place in Hohenschönhausen.

Zwischen den geplanten Wohnungen sieht der Entwurf öffentliche Wege, große Bäume, Sitzbereiche und Flächen für Spiel und Begegnung vor. / © Visualisierung: MLA+ Architekten

Auf dem mehr als sechs Hektar großen Gelände planen die landeseigene HOWOGE und ein privater Projektpartner ein Hof- und Hochhausquartier mit mehr als 1.000 Wohnungen..

SEZ in Friedrichshain: Abriss bleibt trotz erster Arbeiten umstritten

Das leerstehende ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain mit Graffiti und sichtbaren Verfallsspuren vor dem geplanten Abriss und der Entwicklung eines neuen Stadtquartiers.

Das ehemalige Sport- und Erholungszentrum (SEZ) in Berlin-Friedrichshain steht seit Jahren weitgehend leer. Nach dem geplanten Abriss sollen auf dem Gelände Wohnungen, eine Schule, Sportflächen und öffentliche Freiräume entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
  • Adresse: Landsberger Allee 77, 10249 Berlin
  • Projektstatus: Abrissplanung und Neubauvorbereitung
  • Beginn vorbereitender Arbeiten: November 2025

Das Sport- und Erholungszentrum eröffnete 1981 und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Freizeitbauten der DDR. Zum Angebot gehörten Schwimmhallen, ein Wellenbad, Saunen, eine Eisbahn, Bowling, Sportflächen und Veranstaltungsräume. Nach der Wiedervereinigung ließ sich der stark subventionierte Betrieb nicht im bisherigen Umfang fortführen. Das Bad schloss 2002. Ein privater Eigentümer nutzte später nur Teile des Komplexes. Nach langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzungen erhielt das Land Berlin das Grundstück zurück.

Im November 2025 begannen auf dem Gelände erste Rückbau- und Vorbereitungsarbeiten. Die WBM plante den eigentlichen Abriss in mehreren Abschnitten ab März 2026. Das Bezirksamt stoppte weitere Arbeiten zunächst aus artenschutzrechtlichen Gründen. Damit bleibt der konkrete weitere Ablauf des Abrisses am ehemaligen SEZ in Friedrichshain von behördlichen Entscheidungen und den erforderlichen Schutzmaßnahmen abhängig.

Visualisierung der geplanten Neugestaltung des SEZ-Areals an der Danziger Straße in Berlin-Friedrichshain. Mehrere schlanke Hochhäuser ragen über einem niedrigeren Gebäudesockel mit begrünten Freiflächen empor.

Eine Visualisierung zeigt die geplante Neubebauung des SEZ-Areals in Berlin-Friedrichshain. Vorgesehen sind mehrere Hochhäuser sowie ein gemischt genutzter Gebäudekomplex an der Danziger Straße. / © Bild: studio adhoc GmbH

Eine Machbarkeitsstudie der WBM hält auf dem Grundstück bis zu 680 Wohnungen für möglich. Etwa die Hälfte soll öffentlich gefördert entstehen. Hinzu kommen eine Schule, eine Sporthalle, Gewerbeflächen und ein sogenannter Historien-Parcours. Vier markante Stahlstützen des SEZ sollen nach den bisherigen Planungen erhalten bleiben.

DDR-Kaserne Hessenwinkel soll neuem Wohnquartier weichen

Ein verlassener Plattenbau der DDR-Kaserne Hessenwinkel steht zwischen dichtem Wald und Sträuchern in Berlin-Rahnsdorf.

Zwischen Birken, Kiefern und dichtem Unterholz steht ein lang gestreckter Bau der Kaserne Hessenwinkel. Die Bestandsgebäude sollen nach aktueller Planung Neubauten weichen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Bezirk: Treptow-Köpenick
  • Adresse: Fürstenwalder Allee 356 und Fahlenbergstraße 1–11, 12589 Berlin
  • Projektstatus: Vorhabenbezogenes Bebauungsplanverfahren läuft
  • Möglicher Baubeginn: 2030

Die ehemalige Kaserne liegt abgeschirmt hinter Bäumen und Erdwällen an der Fürstenwalder Allee. Mehrgeschossige Unterkunftsbauten, Verwaltungsgebäude und kleinere Funktionshäuser bilden bis heute die Struktur des früheren Militärgeländes.

Nach 1990 dienten Teile der Kaserne zeitweise als Unterkunft für Asylsuchende und Russlanddeutsche. Seit dem Jahr 2000 steht das Gelände leer. Feuchtigkeit, fehlende Leitungen und schadstoffbelastete Bauteile haben die Gebäude stark beschädigt.

Auf dem Gelände der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel soll ein Wohnquartier mit rund 450 Wohnungen entstehen. Geplant sind außerdem eine Kita mit 60 Plätzen, eine öffentlich zugängliche Grünfläche, weitere Frei- und Ausgleichsflächen sowie eine Quartiersgarage. Mindestens die Hälfte der neuen Wohnfläche soll mietpreis- und belegungsgebunden entstehen. Der Bezirk nennt einen möglichen Realisierungsbeginn ab etwa 2030.

Mollstraße 4: DDR-Wohnhaus ist bereits vollständig verschwunden

Bagger auf dem geräumten Grundstück der Mollstraße 4 in Berlin-Mitte nach dem Abriss des ehemaligen DDR-Gebäudes. Auf dem Areal nahe dem Alexanderplatz soll ein neues Hotel entstehen.

Nach dem Abriss des ehemaligen DDR-Gebäudes in der Mollstraße 4 bereitet ein Bagger das Grundstück für den geplanten Hotelneubau nahe dem Alexanderplatz vor. / © Foto: Entwicklungsstadt

  • Bezirk: Mitte
  • Adresse: Mollstraße 4, 10178 Berlin
  • Projektstatus: Abriss abgeschlossen, Hotelneubau in Vorbereitung
  • Abriss: 2025 abgeschlossen
  • Geplanter Baubeginn: Mitte 2026

Nur wenige Gehminuten vom Alexanderplatz entfernt stand bis 2025 ein neungeschossiges Gebäude aus den 1970er-Jahren. Es enthielt ursprünglich mehr als 200 Einzimmerwohnungen mit Balkon, Bad und Küchenzeile. Später nutzte die Mercure-Hotelgruppe den Bau. Nach der Schließung im Jahr 2019 stand das Haus mehrere Jahre leer. Während dieser Zeit verschlechterte sich der Zustand deutlich.

Das Bild zeigt den geplanten Neubau eines Voco Hotels in Berlin an der Mollstraße nahe dem Alexanderplatz.

In der Mollstraße entsteht mit dem Voco Hotel ein großer Hotel-Neubau in unmittelbarer Nähe zum Alexanderplatz in Berlin. / © Visualisierung: voco Hotel Berlin Alexanderplatz

Vertreter der CDU und der Grünen im Bezirk Mitte hatten eine Sanierung und die erneute Nutzung als Wohnhaus gefordert. Der Eigentümer verfolgte jedoch andere Pläne. Zunächst war ein Bürogebäude im Gespräch, später fiel die Entscheidung für ein Hotel. Der Abriss des DDR-Gebäudes in der Mollstraße 4 war im Herbst 2025 abgeschlossen. Geplant ist nun ein Hotel der IHG-Marke Voco mit 440 Zimmern.

Jahnsportpark: DDR-Stadion wird durch inklusiven Neubau ersetzt

Der Friedrich Ludwig Jahnsportpark nach der Sprengung der Flutlichtmasten im Februar 2026.

Vom ehemaligen DDR-Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind nur noch gewaltige Trümmerberge übrig. Auf dem Gelände entsteht ein neues inklusives und barrierefreies Stadion. / © Foto: KarachoBerlin / Volker Gehrmann

  • Bezirk: Pankow
  • Adresse: Cantianstraße 24, 10437 Berlin
  • Projektstatus: Abriss und Neubau laufen abschnittsweise
  • Abrissbeginn: Oktober 2024
  • Geplante Fertigstellung: Ende 2027

Das große Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark entstand Anfang der 1950er-Jahre. Seine bis zum Abriss sichtbare Form erhielt es jedoch erst durch den Umbau von 1986 und 1987. Das sogenannte Cantianstadion war über Jahrzehnte Spielstätte des BFC Dynamo und Austragungsort großer Fußball-, Leichtathletik- und Kulturveranstaltungen. Zuletzt ließ es sich wegen seines baulichen Zustands nur noch eingeschränkt nutzen.

Der Abriss begann im Oktober 2024. Kurz darauf stoppte das Verwaltungsgericht Teile der Arbeiten, weil die vorgesehenen Schutzmaßnahmen für Brutstätten des Haussperlings zunächst nicht ausreichten. Nachdem der Senat zusätzliche Ersatzquartiere und Schutzmaßnahmen zugesagt hatte, durfte der Rückbau Anfang 2025 weitergehen. Die Haupttribüne und weitere Stadionteile verschwanden anschließend schrittweise.

Die Darstellung zeigt das neue Stadion im Jahnsportpark Berlin bei Abendlicht mit beleuchteter Fassade, Vorplatz und Menschen im öffentlichen Raum.

Die Visualisierung zeigt die geplante Außenansicht des Jahnsportpark Neubaus mit umlaufender Fassade, Beleuchtung und öffentlichem Platz vor dem Stadion. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

Das Land Berlin will den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark zu einer inklusiven Sportanlage umbauen. Geplant ist ein vollständig barrierefreies Stadion, das Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt nutzen können. Weitere Bauabschnitte betreffen Sportflächen, Wege, Freiräume und ergänzende Gebäude. Die offizielle Projektseite nennt Ende 2027 als Ziel für den laufenden Bauabschnitt. Der weitere Umbau des gesamten Sportparks erfolgt jedoch in mehreren Stufen.

DDR-Abriss in Berlin: Bei mehreren Projekten bleiben Termine offen

Die sechs Standorte unterscheiden sich deutlich. In der Mollstraße ist der DDR-Bau bereits vollständig verschwunden. An der Gehrenseestraße und im Jahnsportpark laufen Abrissarbeiten. Beim SEZ verzögern Artenschutzfragen den vorgesehenen Ablauf. Am Sporthotel und an der Kaserne Hessenwinkel fehlen dagegen noch die planungsrechtlichen Grundlagen für den eigentlichen Rückbau.

Gemeinsam ist den Projekten, dass der Abriss nur den ersten Teil einer meist langwierigen Entwicklung bildet. Bebauungspläne, Baugenehmigungen, Schadstoffsanierungen, Artenschutz und die Finanzierung können die Zeitpläne verändern. Sicher ist bislang vor allem, dass Wohnungen und Hochhäuser viele dieser ehemaligen DDR-Bauten ersetzen sollen.

 

Quellen: Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus von Berlin, Drucksache 19/26561; Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen; Bezirksamt Lichtenberg; Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg; Bezirksamt Treptow-Köpenick; WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte; HOWOGE Wohnungsbaugesellschaft; STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft; Landesdenkmalamt Berlin; LABORGH Investment; Periskop Development; rbb24

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