Noch prägt ein niedriger DDR-Bau die Wustrower Straße 18 in Neu-Hohenschönhausen. Hinter der unscheinbaren Fassade befindet sich mit der Berliner Tiertafel eine wichtige soziale Anlaufstelle. Doch das landeseigene Grundstück gehört zu einem Gebiet, das Berlin grundlegend verändern will.

Die Berliner Tiertafel kann die Räume an der Wustrower Straße 18 vorerst weiter nutzen. Einen konkreten Zeitplan für Abriss und Wohnungsneubau gibt es bislang nicht. / © Foto: Bürgerbüro Martin Pätzold MdA
© Titelbild: Bürgerbüro Martin Pätzold MdA
In Neu-Hohenschönhausen stehen die Zeichen rund um den Prerower Platz auf Veränderung. Während wenige Meter entfernt Hochhäuser, Wohnungen und ein neues Kultur- und Bildungszentrum geplant werden, wirkt die Wustrower Straße 18 wie ein Überbleibsel aus einer anderen Phase des Stadtteils. Doch der Bau wird weiterhin genutzt. Dauerhaft erhalten will das Land ihn allerdings nicht.
- Bezirk: Lichtenberg
- Adresse: Wustrower Straße 18, 13051 Berlin
- Eigentümer: Land Berlin; Grundstück im Sondervermögen SODA, verwaltet durch die BIM
- Aktuelle Nutzung: unter anderem Berliner Tiertafel im Erdgeschoss
- Projektstatus: Abriss und höhere bauliche Nutzung zu Wohnzwecken vorgesehen
Die Wustrower Straße 18 fällt im Umfeld schon durch ihre geringe Höhe auf. Während ringsum Wohnhochhäuser das Bild bestimmen, besteht der ältere Gewerbe- und Dienstleistungsbau lediglich aus wenigen Geschossen. Bereits 2018 stand er nach Angaben des Bezirksamts fast vollständig leer. Damals prüfte die BIM noch, ob sich eine Sanierung und weitere gewerbliche Vermietung wirtschaftlich darstellen ließen. Inzwischen hat sich diese Perspektive grundlegend verändert.
Wustrower Straße 18: Vom Sanierungsfall zum Baugrundstück
Das Grundstück ist nur ein kleiner Baustein eines deutlich größeren Vorhabens. Schon im städtebaulichen Wettbewerb für das Urbane Zentrum Neu-Hohenschönhausen wurde der Bestandsbau zur Disposition gestellt. Der BIM-Kennzahlenreport bezifferte das betreffende Grundstück auf rund 1.820 Quadratmeter. Der Siegerentwurf von 2021 sah bereits den Abbruch und einen Neubau an dieser Stelle vor.
Inzwischen liegen konkretere Gründe dafür vor, warum eine Sanierung nicht mehr verfolgt wird. Nach Angaben aus einer Schriftlichen Anfrage des Abgeordneten Danny Freymark (CDU) bestehen Mängel unter anderem an Elektrik, Brandschutz, Aufzug, Heizung und Fassade sowie bei der energetischen Qualität. Deshalb soll das Gebäude nicht dauerhaft erhalten werden. Stattdessen verfolgt das Land eine höhere bauliche Ausnutzung des Grundstücks mit Wohnungsbau. Konkrete Kosten für Abriss und Neubau lagen dem Senat zuletzt noch nicht vor.
Berliner Tiertafel nutzt den DDR-Bau weiterhin
Damit stellt sich zugleich die Frage nach der Zukunft der Berliner Tiertafel. Der Verein zog 2019 nach Hohenschönhausen und nutzt Räume im Erdgeschoss. Die Bedeutung des Standorts ist seitdem gewachsen. Eine Senatsantwort aus dem Jahr 2022 hielt etwa fest, dass sich die Zahl der Nutzenden nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine ungefähr verdoppelt hatte.
Auch 2026 ist die Einrichtung dort aktiv. Im Sommer meldete die Tiertafel einen Bedarf von rund acht Tonnen Hunde- und Katzenfutter für die Versorgung während der Sommerpause. Nach eigenen Angaben musste der Verein wegen fehlender Spenden bereits Futter für mehr als 10.000 Euro monatlich zukaufen. Die Wustrower Straße 18 diente weiterhin als Annahme- und Ausgabestelle.
Der Senat setzt deshalb vorerst auf weitere Zwischennutzung: Die Erdgeschossflächen sollen bis zur Umsetzung der Neubaupläne befristet für das soziale Angebot zur Verfügung stehen. Weitere leerstehende Gebäudeteile will das Land wegen des Zustands dagegen nicht mehr für Zwischennutzungen herrichten.
Grundstück könnte an landeseigene Wohnungsbaugesellschaft gehen
Interessant ist vor allem ein bislang weniger beachteter Schritt: Für die Wustrower Straße 18 läuft bereits ein Prozess, mit dem die Voraussetzungen für eine mögliche Übertragung an ein landeseigenes Wohnungsbauunternehmen geschaffen werden sollen. Welche Gesellschaft das Grundstück übernehmen könnte, geht aus den veröffentlichten Angaben nicht hervor. Ebenso fehlen bislang eine konkrete Wohnungszahl und ein Zeitplan.
Damit unterscheidet sich der aktuelle Stand von früheren Überlegungen zum Grundstück. Noch im Frühjahr 2026 brachte die BSW-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung die Wustrower Straße 18 als möglichen Standort für einen Mehrgenerationen-Nachbarschaftstreff ins Spiel. Die vorhandenen Nutzungen sollten dabei erhalten bleiben. Die inzwischen bekannten Planungen des Landes zielen dagegen auf Abriss und Wohnungsneubau.
Wustrower Straße 18: Wohnungsbau statt DDR-Bau
Quellen: Bürgerbüro Martin Pätzold MdA, Abgeordnetenhaus von Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26572, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, Berliner Tiertafel e. V., Bezirksamt Lichtenberg von Berlin
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2 Kommentare
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Schade, das Teil war eigentlich ein schöner Moderner, sauber durchdekliniert…
Eigentlich traurig das diese DDR Architektur nun zunehmend verschwindet.
Das in unmittelbarer Nähe befindliche Polizeirevier wird ja wohl auch demnächst grundlegend saniert.