Der Europaplatz am Berliner Hauptbahnhof steht vor seiner ersten umfassenden Umgestaltung seit fast zwei Jahrzehnten. Ab 2026 soll der nördliche Vorplatz neu geordnet, grüner und barrierefreier werden. Doch die Neuplanung wirft auch Fragen zum Verkehrskonzept rund um den wichtigsten Bahnhof der Hauptstadt auf.

Draufsicht: Deutlich grüner und besser strukturiert soll sich der Europaplatz auf der nördlichen Seite des Hauptbahnhofs in den kommenden Jahren präsentieren. Doch bislang weiß niemand, wo die Taxen künftig halten sollen. / © Visualisierung: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

© Visualisierungen: Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

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Der Europaplatz am Berliner Hauptbahnhof soll nach zwei Jahrzehnten provisorischer Nutzung ein neues Gesicht erhalten. Die Senatsverwaltung plant, den nördlichen Vorplatz ab Anfang 2026 grundlegend umzugestalten. Ziel ist ein geordneter, barrierefreier und atmosphärischer Raum, der das Hauptstadttor funktional und städtebaulich aufwertet.

Der Baubeginn ist zwischen Januar und Sommer 2026 vorgesehen. Das Vorhaben folgt einem Wettbewerb, den das Büro Rehwaldt Landschaftsarchitekten bereits 2023 gewonnen hat. Die laufenden Baustellen für die S21-S-Bahnlinie und das geplante Hochhaus auf der Fläche bleiben jedoch bestimmende Randbedingungen.

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Berlin-Hauptbahnhof: Europaplatz Süd soll vom Provisorium zum Stadtplatz werden

Seit 2006 prägt ein hastig asphaltierter Platzraum die nördliche Seite des Hauptbahnhofs. Der Europaplatz Süd gilt seit Jahren als gestalterisches Provisorium und wird stark von Verkehrsflächen, Taxen und unklaren Wegebeziehungen dominiert. Die Senatsverwaltung stuft den Zustand als „unbefriedigend“ ein, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

Die Umgestaltung soll nun eine durchgehende, stufenlose Platzoberfläche schaffen. Helle Zuschlagstoffe und ein geschliffener Asphaltbelag sollen den Aufenthaltsbereich optisch aufwerten und besser erkennbar machen. Der neue Platz soll das Ankommen strukturieren und die Orientierung erleichtern.

Baumpflanzung und Regenwasserspeicher prägen den neuen Europaplatz Süd in Moabit

Ein prägendes neues Gestaltungselement wird der „Grüne Schirm“, eine unregelmäßige Baumpflanzung gegenüber dem Bahnhofsgebäude. Sie soll gleichzeitig Schatten spenden, den Raum gliedern und eine Abschirmung zur Invalidenstraße bilden. Dadurch entsteht ein Bereich, der erstmals Aufenthaltsqualität bietet.

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Zudem wird Regenwasser künftig über Schlitzrinnen gesammelt und in einer Speicherrigole unter dem Baumbestand zurückgehalten. Von dort kann es den Baumwurzeln direkt zugeführt werden, wodurch im Sommer ein kühlender Effekt entsteht und die Kanalisation entlastet wird.

Hauptbahnhof Berlin: Verkehrsführung auf der Nordseite bleibt ungelöst

Weiterhin ungelöst bleibt die Frage, wie der Verkehr auf der Nordseite des Hauptbahnhofs organisiert werden soll. Vorgesehen ist, Taxis dauerhaft vom Europaplatz fernzuhalten und auf die Südseite zu verlagern. Die bisherigen Versuche scheiterten allerdings: Fahrer wichen 2023 auf die Busspur der Invalidenstraße aus, was den Linienbetrieb erheblich störte.

Die Verkehrsverwaltung arbeitet derzeit an einem neuen Verkehrskonzept, dessen abgestimmte Fassung bis Jahresende vorliegen soll. Auch Flächen für Fahrräder, Sharing-Angebote und Busse müssen neu geordnet werden. Die Verwaltung spricht von einer „nicht optimalen“ Situation, die Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern immer wieder sichtbar mache.

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Europaplatz Ost in Moabit: Mobilitätshub mit Fahrradparkhaus und reservierter Hochhausfläche

Am östlichen Rand des Europaplatzes soll ein Gebäude mit begrüntem Dach entstehen. Dort werden ein Fahrradparkhaus, eine Jelbi-Station und ein öffentliches WC vorgesehen. Damit sollen wichtige Mobilitätsangebote besser gebündelt werden.

Gleichzeitig bleibt eine Fläche für ein mögliches Hochhaus der Deutschen Bahn reserviert. Ob der Turm tatsächlich realisiert wird, ist jedoch unklar und hängt unter anderem vom Fortschritt der S21-Bauarbeiten ab. Der Wettbewerb für den nördlichen Europaplatz wurde zudem verschoben, sodass sich die vollständige Neugestaltung des gesamten Bahnhofsumfelds bis Ende der 2020er-Jahre hinziehen dürfte.

Quellen: Deutsche Bahn, Der Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Rehwaldt Landschaftsarchitekten, IVAS Ingenieurbüro für Verkehrsanlagen und -systeme

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11 Kommentare

  1. Pavel 24. November 2025 at 16:19 - Reply

    Dass der Taxisstand am Europaplatz es überhaupt noch in jede Berichterstattung schafft, ist der Beweis, dass die Taxilobby gute Arbeite leistet und die Politik (in Person von Frau Schreiner) eingegnickt ist. Das ändert aber nichts daran, dass die Taxis auf dem Europaplatz (jedenfalls auf dem südlichen Teil) nichts verloren haben. Die gehören auf den Washingtonplatz. Zwischen dem Bahnhofseingang und dem Taxistand bzw. der Taxistraße liegen vielleicht 10 Meter. Das heißt man kommt aus dem Bahnhof und wenn man nicht aufpasst, wird man von einem nervösen Taxifahrer angefahren. Dass überhaupt jemals jemand dachte, dass könnte ein sinnvolles Platz für den Taxisstand sein, ist hanebüchen.

    Ansonsten kann man sich echt nur an den Kopf fassen, dass es in Berlin offenbar Jahrzehnte braucht, um einen einfachen Stadtplatz vor dem zentralen Hauptbahnhof, an dem täglich, weiß wer, wie viele Berliner, Geschäftsreisende und Touristen ein- und aussteigen. Das gilt ja nicht nur, für den Europlatz, sondern auch für die viel zu schmale Straßenbahnhaltestelle, die viel zu engen Bürgersteige und schlechte Verkehrsführung.

    • Böhme 24. November 2025 at 23:47 - Reply

      Da capo!

  2. […] Weiter auf ENTWICKLUNGSSTADT … […]

  3. Anwohnerin Leipziger 25. November 2025 at 17:34 - Reply

    Immerhin wird der Platz endlich neugestartet. Gut finde ich die Begrünung für Aufenthaltsqualität und Mikroklima. Auch die Regenwassernutzung spart Ressourcen und entlastet die Kanalisation.
    Die Verweigerungshaltung der Taxifahrer ist mir unverständlich. Das führt letztendlich nur zu Zwangsmaßnahmen und jede Menge Stress für alle. Insbesondere kritisch empfinde ich die gefährdete Sicherheit der potentiellen Kunden und Fußgängern in der aktuellen Situation. Hoffentlich wird hier bald eine Lösung gefunden.

  4. Julian 26. November 2025 at 08:31 - Reply

    Ich finde es schade, dass bei solchen Planungen offensichtlich nie an die Nutzer des Objekts gedacht wird. Ein Tourist der im Norden aus dem Bahnhof geht sollte die möglichkeit haben, dort ein Taxi zu finden. Das Taxi ist wichtiger Bestandteil des Verkehrssystems vor allem für Touristen. Warum sollte man überhaupt versuchen als Stadt das zu verhindern? Viele Leute nutzen heute Uber und Bolt. Diese Anbieter nutzen aktuell sehr häufig die Bushaltestelle zum be- und entladen von Gästen. Auch hier sollte man eine sinnvolle Lösung in Form von Haltebuchten mit planen, anstatt es verbieten zu wollen.

    • Pavel 26. November 2025 at 15:26 - Reply

      1. Könnte man im Bahnhof entsprechende Schilder aufhängen, die die Nutzer zum Taxistand am Washingtonplatz leiten. Gibt ja genug Bahnhöfe und Flughäfen auf der ganzen Welt, bei denen es nicht an jedem Ausgang einen Taxistand gibt und die Touristen trotzdem nicht verloren gehen. Ist jetzt auch keine Raketenwissenschaft. Klappt für den ÖPNV und Mietwagenstationen ja auch bestens.

      2. Kann es gerne am Europaplatz einen Taxistand geben. Aber nicht da wo er jetzt ist. Da wo jetzt der Busbahnhof auf dem nördlichen Teil könnte gerne eine Taxistand eingerichtet werden. Der Busbahnhof ist derzeit überdimensioniert. Noch ein paar Schilder, da mit auch ortsunkundige Touristen sofort sehen, dass sie über die Straße müssen, um zum Taxi zukommen. Fertig. Bin mir allerdings recht sicher, dass dann auf einmal die Taxifahrer den angeblich ach so schlimmen Taxisstand am Washingtonplatz gerne nutzen.

      3. Es sollte definitiv dafür gesorgt werden, dass Uber und Co nicht auf den Bushaltestellen ein- und ausladen. Die können auch gerne Platz am Europaplatz Nord (da wo jetzt der Busbahnhof ist oder um den Washingtonplatz herum bekommen.

      Eins ist jedenfalls klar, unmittelbar vor dem nördlichen Bahnhofsausgang (Europaplatz süd) hat eine Taxistand nichts verloren.

  5. Sergio 26. November 2025 at 09:45 - Reply

    Warum werden Bus und Straßenbahnsysteme nicht zusammengeführt und alle an derselben Haltestelle gehalten?

    • Pavel 26. November 2025 at 15:29 - Reply

      Wäre eine sinnvolle Idee gewesen. Da man allerdings die Straßenbahnhaltestelle viel zu klein geplant hat. Platzt die jetzt schon aus allen Nähten und könnten nicht auch noch mehrere Busse aufnehmen. Weitsicht der a la Berlinerverwaltung.

  6. Felix 1. Dezember 2025 at 09:47 - Reply

    Tja, da kommen jetzt ein paar Grundprobleme zusammen, die mit dem Design des Bahnhofs und der ganzen Verkehrsführung in den 90ern zusammenhängen. Dass diese Masse von Autoverkehr hier mitten durch die Stadt geprügelt wird, war einfach falsch. Und dass der Bahnhof selbst von innen so unübersichtlich und orientierungsfeindlich ist, heißt eben auch, dass jeder, der es irgendwie nach draußen geschafft hat, dann auch direkt ein Taxi will. Vielleicht kann man mit Beschilderung etwas retten, um die Leute richtig zu lenken. Grundsätzlich freue ich mich sehr auf die Neugestaltung. Hoffentlich kommt auch wirklich das Fahrradparkhaus. Aber die Invalidenstraße ist schlicht kaputt, daran kommt man nicht vorbei, und das wird die Situation dort weiter prägen.

  7. Erhan Güzel 8. Februar 2026 at 10:15 - Reply

    Ich bin wirklich bestürzt über den beschlossenen Plan zur Neugestaltung des Berliner Hauptbahnhofs, der keinen Taxistand mehr vorsieht. Für viele Geschäftsreisende, Touristen, Familien oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität sind Taxis eine unverzichtbare, sichere und direkte Verbindung zum endgültigen Ziel – besonders mit Gepäck oder nach langen Reisen.

    Dass Kund:innen künftig etwa 10 Minuten zur anderen Seite des Bahnhofs laufen müssen, ist nicht nur unpraktisch, sondern wirkt lebensfremd und planerisch rücksichtslos. In einer Zeit, in der intermodale Vernetzung und barrierefreie Übergänge wichtiger denn je sind, wird hier ein bewährter Service an den Rand gedrängt.

    Die Kritik richtet sich nicht gegen die Weiterentwicklung des Bahnhofs oder gegen andere Verkehrsträger. Aber eine moderne Verkehrspolitik sollte alle Mobilitätsbedürfnisse integrieren – inklusive des Taxis als flexible, persönliche und oft notwendige Ergänzung zum ÖPNV.

    Es geht nicht um „Taxifeindlichkeit“, sondern um pragmatische Stadtplanung, die die Bedürfnisse aller Reisenden im Blick behält. Ich hoffe auf eine Nachbesserung, die die Taxinutzung nicht zu einem Hindernislauf macht, sondern sichere, kurze Wege für alle ermöglicht.

  8. Peter 2. März 2026 at 20:33 - Reply

    Es ist schon ziemlich toxisch, auf die Idee zu kommen, direkt am Hauptportal des Berliner Hauptbahnhofs eine sogenannte grüne Wohlfühloase mit Bänken und Bäumen zu errichten. An einem Ort, an dem pausenlos Autos vorbeifahren, an dem es laut ist und an dem Menschen ankommen, die oft bereits genervt sind – nicht zuletzt wegen der chronischen Unpünktlichkeit der Bahn. Ganz ehrlich: Als ob sich dort irgendjemand freiwillig auf eine Bank setzt, um entspannt seinen Kaffee zu genießen.

    Davon abgesehen ist ein Hauptbahnhof in erster Linie eines: ein Verkehrsknotenpunkt. Er muss funktionieren. Menschen wollen von A nach B kommen. Nationale und internationale Gäste steigen hier aus, oft mit Koffern, Kindern, Gepäck und Zeitdruck. Genau dort die Taxi-Halte am Hauptportal abzuschaffen, ist realitätsfern. Erklär das mal einer älteren Person oder einem Berlin-Besucher, warum plötzlich kein Taxi mehr bereitsteht.

    Was denken sich die Verantwortlichen eigentlich? Dass alle mit E-Rollern, schwerem Gepäck und Kindern quer durch die Stadt fahren? Dass das die Lösung ist? Das ist weder sozial noch praktikabel.

    Hinzu kommt ein weiterer, völlig absehbarer Punkt, über den kaum gesprochen wird: Solche Aufenthaltsflächen an genau dieser Stelle werden zwangsläufig zu dauerhaften Treffpunkten für Obdachlose. Nicht, weil diese Menschen „schuld“ wären, sondern weil es Orte sind, an denen man sich aufhalten kann. Das Ergebnis ist am Ende weder eine Wohlfühloase noch ein funktionierender Verkehrsraum, sondern ein weiterer Bereich, der für Reisende unübersichtlich und unangenehm wird.

    Der Hauptbahnhof ist kein Park, kein Aufenthaltsort und keine Spielwiese für stadtplanerische Experimente, sondern eine zentrale Infrastruktur, die auf Effizienz, Erreichbarkeit und Funktionalität ausgelegt sein muss. Was hier passiert, ist längst mehr als eine Fehlplanung – es ist zum Symbol und Sinnbild einer Politik geworden, die den Eindruck vermittelt, der Gesellschaft bewusst den größtmöglichen Schaden zuzufügen und den Menschen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Ideologisch getrieben, praxisfern und vollkommen losgelöst vom Alltag derjenigen, die diesen Bahnhof täglich nutzen. Und genau das macht diese Entscheidung so problematisch.

    Weitere Aspekte könnten genannt werden, werden jedoch bewusst ausgelassen, um den Text nicht zu verlängern.

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