Das Berlin-Mitte-Festival in der Parochialkirche bietet eindrucksvolle Einblicke in die Geschichte der Berliner Altstadt und Ausblicke auf ihre mögliche Zukunft. Führungen, Ausstellungen und Diskussionen zeigen, wie das Zentrum Berlins einst aussah und wieder aussehen könnte. Das Festival findet noch bis zum Samstagabend statt.

In der Parochialkirche dreht sich beim Berlin-Mitte-Festival alles um die verlorene Altstadt und ihre mögliche Rekonstruktion. Die Stiftung Mitte Berlin zeigt mit Ausstellungen, Stadtführungen und Vorträgen ihre Vision für das Herz der Stadt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Wer sich en detail darüber informieren möchte, wie die historische Berliner Altstadt – das heutige Gebiet zwischen Petriplatz, Klosterstraße, rotem Rathaus, Stralauer Straße und Alexanderstraße – vor dem Beginn der 1930er Jahre einmal aussah, der ist beim derzeit stattfindenden Berlin-Mitte-Festival genau richtig.

Die Veranstaltung, maßgeblich organisiert von der Stiftung Mitte Berlin, und mitgetragen von zahlreichen weiteren Initiativen und Vereinen, findet am Freitag und Samstag in der Parochialkirche am U-Bahnhof Klosterstraße statt.

Klosterviertel: „Berlin-Mitte-Festival“ in der historischen Parochialkirche

Zahlreiche Führungen, Vorträge, Filmbeiträge und Diskussionsrunden zur Geschichte des heute nur noch rudimentär erfahrbaren Stadtquartiers unweit von Molkenmarkt und Alexanderplatz geben den Besucherinnen und Besuchern einen intensiven und vielschichtigen Einblick in die Geschichte des für Berlin so bedeutenden Ortes. Die Veranstaltungslocation, die historische Parochialkirche, könnte dafür nicht besser gewählt sein.

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Die Parochialkirche ist einer der ersten Kirchenneubauten nach der Reformation in Berlin. Bis zu ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war sie – vor allem wegen ihres markanten Turms und des berühmten Glockenspiels mit seinen 37 Glocken – eine der bekanntesten Kirchen der Stadt.

Parochialkirche in Berlin-Mitte: Fertigstellung 1714, Zerstörung 1944

Die Grundsteinlegung erfolgte am 15. August 1695, kurz darauf verstarb Baumeister Johann Arnold Nering, der neben Schlüter als einer der bekanntesten Barock-Baumeister der Stadt gilt. Landbaumeister Martin Grünberg setzte die Arbeit fort. Der Sakralbau wurde nach fast 20-jähriger Bauzeit fertiggestellt. Während des Zweiten Weltkriegs, im Mai 1944, wurde die Kirche von Brandbomben getroffen. Der Turm stürzte in das Kirchenschiff, das gesamte Inventar verbrannte, fast alle Glocken schmolzen.

1946 richtete sich die Gemeinde im Turm einen Andacht-Saal ein, in dem bis 1990 Gottesdienste gefeiert wurden. Von 1987 bis 2003 wurde die Kirche dann mit Unterstützung der Landesdenkmalamtes, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Landeskirche umfassend saniert. Der berühmte Kirchturm konnte bis 2016 allerdings nicht wiederaufbebaut werden.

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Wiederaufbau des Glockenturms nach 72 Jahren

Vor etwa neun Jahren, 72 Jahre nach seiner Zerstörung, wurde der Turm der Parochialkirche wieder aufgebaut und gehört heute zu den sehenswertesten architektonischen Bauwerken der alten und neuen Berliner Mitte.

Auch die einstmals 37 Glocken im Turm wurden wieder hergestellt und werden heute rege genutzt. Täglich erklingt ein beeindruckendes  Glockenspiel im Klosterviertel, welches weithin hörbar ist. Der inzwischen ebenfalls sanierte Parochial-Kirchhof und die unter der Kirche befindliche Gruft zählen zu den beeindruckendsten Zeugnissen religiöser Kultur in der Stadt.

Die Klosterruine an der Littenstraße ist offen und kann besichtigt werden

Neben der Parochialkirche ist auch die Klosterruine offen und kann besichtigt werden. Eine Möglichkeit, die von den Gästen des Festivals schon am Freitagvormittag intensiv genutzt worden ist, auch wenn das unbeständige Wetter den Architekturinteressierten die ein oder andere Herausforderung bescherte.

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Was das Festival im Besonderen ausmacht, ist die Tatsache, dass die Macher nicht nur in die Vergangenheit schauen, sondern vor allem in die Zukunft. Denn die Stiftung Mitte Berlin, allen voran Vorstandsmitglied Dr. Benedikt Goebel (der auch vor Ort anzutreffen ist), setzt seit mehreren Jahren viel daran, einen Teil der historischen Berliner Altstadt neu zu beleben und zu rekonstruieren.

„Stiftung Mitte Berlin: Für das Herz der Stadt“

Die Stiftung, ursprünglich gegründet von der mittlerweile verstorbenen Unternehmerin Marie-Luise Schwarz-Schilling verfolgt das Ziel, die Berliner Altstadt in ihrem Zustand vor 1933 möglichst umfassend wiederzugewinnen und Plätze, Gebäude sowie Denkmäler zu rekonstruieren. Dabei wolle sie sowohl politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger als auch die Berliner Bevölkerung für diese gemeinsame Aufgabe gewinnen.

Unter dem Namen „Stiftung Mitte Berlin – Für das Herz der Stadt“ betont sie zudem den Anspruch, über die Hauptstadt hinaus für die ideelle Mitte Deutschlands im Herzen Europas zu wirken.

Die Verantwortlichen zeigen, wie die rekonstruierte Berliner Altstadt künftig aussehen soll

Wie das Ganze aussehen soll, haben die Verantwortlichen in mehreren anschaulichen Visualisierungen sichtbar gemacht, die auch im bemerkenswerten Kirchenschiff der Parochialkirche ausgestellt sind, und die auf Wunsch auch ausführlich erläutert werden.

Wer es am Freitag nicht mehr zum Festival geschafft hat, hat am Samstag noch einmal die Gelegenheit, die ausgestellten Exponate anzusehen und angebotene Führungen über das bemerkenswerte Gelände rund um die Parochialkirche mitzumachen.

Berlin-Mitte: Ausstellungen, Stadtführungen und Vorträge prägen das Programm

Auf dem Programm des Festivals stehen sechs Ausstellungen, die unterschiedliche Zugänge zur Stadtgeschichte bieten. Gezeigt werden historische Fotografien, digitale Rekonstruktionen und Handzeichnungen. Studierende der University of Notre Dame präsentieren eigene Entwürfe für das Klosterviertel und den Molkenmarkt.

Darüber hinaus gibt es acht thematische Stadtführungen, die Besucherinnen und Besucher durch das Klosterviertel, das Nikolaiviertel oder den Historischen Hafen führen. Ergänzt wird das Programm durch Vorträge, etwa von der Denkmalpflegerin Martina Abri oder dem Philosophen Wilhelm Schmid. Musik und kulinarische Angebote runden das Fest ab und sollen zum Austausch zwischen Bürgerinnen, Fachleuten und Kulturschaffenden beitragen.

Bedeutung der Berliner Mitte laut Stiftung: Ort zwischen Vergangenheit und Zukunft

Die Vorsitzende der Stiftung, Alexandra Schwarz-Schilling, betonte, dass die Mitte ein Ort sei, an dem sich die Stadt selbst erkenne. Wenn heute über Nachhaltigkeit, Baukultur und Rückbau der autogerechten Stadt gesprochen werde, dann gehe es nicht nur um Gebäude, sondern auch um das Fundament der Stadtgesellschaft.

Die Stiftung versteht die Berliner Mitte als ein Projekt von gesamtstädtischer Bedeutung. Sie will eine belebte Innenstadt fördern, die aus mehr besteht als Verkehrstrassen und leerstehenden Flächen. Beispiele aus Dresden, Frankfurt oder Potsdam dienen dabei als Referenz für eine Rückkehr zu kleinteiligeren und nutzungsgemischten Stadtstrukturen.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Quellen: Stiftung Mitte Berlin, Landesdenkmalamt Berlin, Deutsche Stiftung Denkmalschutz 

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