Mit der geplanten Sanierung der Urania könnte Daniel Libeskind erstmals seit Jahren wieder ein größeres Projekt in Berlin realisieren. Der Architekt zählt zu den bekanntesten Gestaltern der Gegenwart und hat die Hauptstadt mit einigen wenigen, aber prägenden Bauwerken nachhaltig beeinflusst. Die aktuelle Debatte um die Urania lenkt den Blick erneut auf sein Berliner Werk.

Mit dem 2007 fertiggestellten Glashof ergänzte Daniel Libeskind das historische Kollegienhaus um einen transparenten Veranstaltungsraum. Die gläserne Konstruktion verbindet Alt und Neu und erweitert das Museum um Flächen für Veranstaltungen, Vorträge und kulturelle Begegnungen. / © Foto: Wikimedia Commons, GodeNehler, CC BY-SA 4.0
© Titekbild: Wikimedia Commons, Marek Śliwecki, CC BY-SA 4.0
Die Verbindung zwischen Daniel Libeskind und Berlin reicht bis in die 1980er Jahre zurück. Bereits 1987 gewann der Architekt im Rahmen der Internationalen Bauausstellung den Wettbewerb für den Entwurf „City Edge“. Das Projekt entstand noch vor dem Fall der Berliner Mauer und setzte sich mit den räumlichen und gesellschaftlichen Brüchen der geteilten Stadt auseinander.
Obwohl der Entwurf nie umgesetzt wurde, gilt er als wichtiger Meilenstein in Libeskinds Karriere. Die radikale Formensprache und der bewusste Umgang mit Geschichte machten ihn international bekannt.
Liebeskind baut in Kreuzberg: Das Jüdische Museum als Durchbruch
Seinen internationalen Durchbruch erreichte Libeskind mit dem Jüdischen Museum in Berlin-Kreuzberg. Das 2001 eröffnete Gebäude zählt bis heute zu den bekanntesten Museumsbauten Europas. Mit seinem markanten Grundriss, den Leerräumen im Inneren und den verschiedenen Wegführungen thematisiert das Haus die Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland sowie die Folgen des Holocaust.
In den folgenden Jahren arbeitete Libeskind mehrfach am Standort weiter. 2007 entstand der Glashof als Erweiterung des historischen Innenhofs. 2012 folgte die Akademie des Jüdischen Museums auf dem Gelände des ehemaligen Blumengroßmarkts. Beide Projekte knüpfen gestalterisch und inhaltlich an das Museum an und vertiefen dessen kulturellen und wissenschaftlichen Anspruch.

Das Jüdische Museum Berlin zählt zu den bedeutendsten Museumsbauten der deutschen Nachkriegszeit. Der Erweiterungsbau prägt mit seiner Formensprache bis heute das Stadtbild. / © Foto: Wikimedia Commons, Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0

Die Innenräume des Jüdischen Museums spiegeln Libeskinds architektonische Grundidee wider, Geschichte nicht nur auszustellen, sondern räumlich erfahrbar zu machen. Schräg verlaufende Wände, ungewöhnliche Perspektiven und gezielt eingesetzte Lichtöffnungen erzeugen eine intensive räumliche Wirkung und zählen zu den prägenden Merkmalen seines Werks. / © Foto: Wikimedia Commons, GodeNehler, CC BY-SA 4.0

Mit ihren markanten, schräg geneigten Baukörpern greift die 2012 eröffnete Akademie des Jüdischen Museums Berlin zentrale Motive des benachbarten Museums auf. / © Foto: Wikimedia Commons, Tanweer Morshed, CC BY-SA 4.0
Neubau an der Chausseestraße: Das „Sapphire“ als ungewöhnliches Wohnhaus
Mit dem „Sapphire“ in Berlin-Mitte realisierte Libeskind 2017 sein erstes Wohngebäude in der Hauptstadt. Auf einem vergleichsweise kleinen Grundstück an der Chausseestraße entstanden 73 Wohnungen sowie Gewerbeflächen. Charakteristisch sind die schrägen Fensteröffnungen und die auffällige Keramikfassade.
Das Gebäude hebt sich deutlich von seiner Umgebung ab und zeigt eine andere Seite des Architekten. Während viele seiner bekannten Werke kulturelle oder historische Themen behandeln, steht beim „Sapphire“ die Wohnnutzung im Vordergrund. Dennoch verweist auch dieser Standort auf ein Kapitel Berliner Geschichte, da sich dort einst eine jüdische Eisenfabrik befand.

Mit dem „Sapphire“ realisierte Daniel Libeskind sein erstes Wohngebäude in Berlin. Das Wohnhaus an der Chausseestraße umfasst 73 Wohnungen und fällt durch seine schräg geschnittenen Fenster sowie die dreidimensionale Keramikfassade auf. / © Foto: IMAGO, Schöning
Zukunft der Urania in Schöneberg: Libeskinds mögliches Comeback
Nun könnte mit der Urania ein weiteres Berliner Projekt hinzukommen. Gemeinsam mit rw+ Architekten gewann Libeskind den Wettbewerb für die Sanierung und Neuordnung des Bildungs- und Kulturzentrums. Geplant sind eine bessere Erschließung, technische Modernisierungen sowie eine stärkere Öffnung des Hauses.
Besonders bemerkenswert ist dabei die historische Dimension des Standorts. Das Grundstück war einst Sitz des jüdischen Logenhauses B’nai B’rith und wurde während der NS-Zeit enteignet. Damit greift das Projekt erneut Themen auf, die Libeskinds Werk seit Jahrzehnten prägen.
Ob die Pläne umgesetzt werden können, hängt allerdings noch von der Finanzierung durch das Land Berlin ab. Sollte die Entscheidung positiv ausfallen, könnte die Urania zu seinem ersten größeren Berliner Projekt seit dem „Sapphire“ werden.

Der Wettbewerbsentwurf sieht vor, die Urania baulich zu öffnen, barriereärmer zu gestalten und technisch zu modernisieren. Ob das Projekt umgesetzt werden kann, hängt jedoch noch von einer Finanzierungszusage des Landes Berlin ab. / © Foto: Wikimedia Commons, UraniaeV, CC BY-SA 4.0
Urania Berlin
Sapphire
Jüdisches Museum
Quellen: Studio Libeskind, Wikipedia, Jüdisches Museum Berlin
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Ich sehe Libeskind’s „Werk“ differenziert. Nicht jedes überzeugt. Im klassischen Blockrand, wünsche ich mir eigentlich auch klassische Architektur um das geschundene Stadtbild Berlins zu heilen.
Was ich mir aber tatsächlich vorstellen könnte: Einen Libeskind Wolkenkratzer am Alex. Seltsam, dass er hierfür bisher nicht vorgeschlagen wurde – die nun enstehenden Hochhäuser sind ja eher uninspirierend.