Mit dem „ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik“ wird 2026 erneut ein Projekt in Berlin mit dem DAM-Preis für Architektur ausgezeichnet. Der Umbau eines ehemaligen Güterbahnhofs baut den Bestand weiter und interpretiert ihn neu. Das Projekt zeigt, wie Architektur als langfristiger Prozess verstanden und umgesetzt werden kann.

Das „ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik“ in Berlin gewinnt den DAM-Preis 2026. Im Projekt wurde eine ehemalige Güterhalle eines Bahnhofsgebäudes aufgestockt und weiter ausgebaut, wobei der Bestand erhalten und durch neue Bauteile ergänzt wurde. / © Foto: Peter Grundmann
© Titelbild: Zentrum für Kunst und Urbanistik, Berlin / Foto: Peter Grundmann
Der DAM-Preis für Architektur wurde im Jahr 2026 zum zehnten Mal vergeben. Eine Fachjury sichtete insgesamt 106 eingereichte Projekte und stellte daraus eine Shortlist mit 23 Bauten zusammen. Fünf Projekte erreichten schließlich die Finalrunde. Ausgezeichnet wurde nun das „ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik“ in Moabit nach Plänen von Peter Grundmann Architekten.
Bereits der Einzug in das Finale zeigte, welche Rolle das Projekt im aktuellen Architekturdiskurs einnimmt. Während viele der nominierten Arbeiten Neubauten waren, setzt das „ZK/U“ konsequent auf den Weiterbau eines bestehenden Gebäudes. Damit rückt ein Ansatz in den Fokus, der Architektur nicht als abgeschlossenen Zustand versteht, sondern als fortlaufenden Prozess.
Umbau des „ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik“ in Berlin: Vom Güterbahnhof zum offenen Kulturort
Das „ZK/U Zentrum für Kunst und Urbanistik“ nutzt seit 2012 ein ehemaliges Güterbahnhofsgebäude in Moabit. Seitdem entwickelte sich der Ort zu einer Plattform für Kunst, Stadtforschung und kulturellen Austausch. Zum Programm gehören Ausstellungen, Musikveranstaltungen, Vorträge, Filmabende sowie nachbarschaftliche Formate wie ein Kiezmarkt.
Mit der wachsenden Zahl an Nutzungen und Akteurinnen und Akteuren stieß das Gebäude jedoch schnell an seine räumlichen Grenzen. Deshalb fiel 2016 die Entscheidung für eine bauliche Erweiterung. Da das Areal vollständig von einem Park umgeben ist, sollte keine zusätzliche Freifläche bebaut werden. Stattdessen setzte das Konzept auf eine Aufstockung der bestehenden, unbeheizten Lagerhalle.
Erweiterung einer ehemaligen Güterhalle in Moabit: Alt und Neu im direkten Zusammenspiel
Für die Erweiterung entfernte man das vorhandene Dach, während die Wände und Decken des unterkellerten Bestands erhalten blieben. Der Neubau umhüllt die bestehenden Ziegelwände, die roh und ungedämmt sichtbar bleiben. Auf diese Weise bleiben alte und neue Bauteile klar ablesbar und treten räumlich in Beziehung zueinander.
Im Keller und im Erdgeschoss befinden sich heute große Veranstaltungsräume. Auf der Südseite steht die Glasfassade in einem Abstand von 1,80 Metern zur Ziegelwand und bildet eine Galerie. Auf der Nordseite ist die Fassade rund sechs Meter zurückgesetzt und schafft zusätzlichen Raum. Zwei Außentreppen führen in das Obergeschoss, das von Laubengängen umgeben ist. Alle Bereiche sind sowohl von innen als auch von außen erreichbar. Das Dach dient als großzügige Terrasse.
Nach dem Spore Haus: DAM-Preis geht auch 2026 an ein Berliner Bauprojekt
Der Bau ist konstruktiv klar aufgebaut und setzt auf Materialien, die sich bei einem möglichen späteren Rückbau weitgehend voneinander trennen lassen. Damit unterscheidet sich das Projekt von vielen zeitgenössischen Konstruktionen, die auf dauerhaft verklebte Materialverbünde setzen. Gerade vor dem Hintergrund von Ressourcenverbrauch und Klimafragen gewinnt dieser Ansatz an Relevanz.
Vergeben wird der DAM-Preis vom Deutsches Architekturmuseum. Bereits im Vorjahr ging die Auszeichnung mit dem Spore Haus nach Berlin. Dass nun erneut ein Projekt aus der Hauptstadt prämiert wird, unterstreicht die Bedeutung Berlins als Ort für eine Architektur, die kulturelle Nutzung, gesellschaftliche Offenheit und einen bewussten Umgang mit dem Bestand miteinander verbindet.
Quellen: Deutsches Architekturmuseum (DAM), Peter Grundmann Architekten
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