Zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke in Berlin-Charlottenburg prüfte Berlin vor Jahren eine Überdeckelung der A100. Eine Machbarkeitsstudie liegt vor, doch die Umsetzung bleibt offen.
Knobelsdorffbrücke
Kaiserdammbrücke
© Titelbild: Wikimedia Commons, Roy Zuo, CC BY-SA 4.0
Seit der Sperrung der Ringbahnbrücke und den damit verbundenen Bauarbeiten am Autobahndreieck Funkturm ist der Westen von Berlin von massiven Verkehrsproblemen geprägt. Auf der A100 kommt es regelmäßig zu Stau, Stop-and-Go-Verkehr und überfüllten Umleitungsstrecken. Eine Entlastung ist derzeit nicht in Sicht.
Zwar sollen Ringbahn- und Westendbrücke bis 2027 fertiggestellt werden, doch parallel laufen bereits die Vorbereitungen einen Ersatzneubau der Rudolf-Wissell-Brücke sowie weitere Eingriffe im Zuge der A111. Auch die Brücken im Bereich Kaiserdamm und Knobelsdorffstraße sind inzwischen als erneuerungsbedürftig benannt worden.
Vor diesem Hintergrund rückt ein Infrastrukturvorhaben wieder in den Fokus, das bereits vor Jahren untersucht wurde, bislang jedoch ohne politische Entscheidung geblieben ist.

In Charlottenburg soll die neue Ringbahnbrücke bis Sommer 2027 fertig werden. Weitere Projekte in der Umgebung sind bereits in Planung. / © Visualisierung: Deges
Machbarkeitsstudie zur Überdeckelung der A100 in Charlottenburg
Die Überlegung, die A100 zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke zu überdeckeln, wurde bereits 2019 im Auftrag des Landes untersucht. Ziel war es zu prüfen, ob sich der stark trennende Verkehrskorridor technisch überbauen und städtebaulich neu fassen lässt. Die technische Machbarkeitsstudie wurde von der DEGES erstellt und 2021 abgeschlossen.
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Lage: A 100 zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke
- Länge: rund 300 Meter
- Breite: rund 100 Meter
- Kostenschätzung: bis zu 470 Millionen Euro Gesamtkosten
Grundlage war ein Beschluss des Abgeordnetenhauses. Berlin wollte wissen, ob ein solcher Deckel technisch machbar wäre, wie der Verkehr während der Bauzeit laufen könnte, welche Anforderungen Lärm- und Brandschutz stellen und welche Kosten entstehen würden. Städtebauliche Konzepte für die Fläche auf dem Deckel gehörten ausdrücklich nicht zur Studie.
Untersucht wurden zwei Lösungen: eine vollständige Überdeckelung von Autobahn und Bahngleisen sowie eine Variante, bei der nur die Autobahn überdeckelt und die Bahntrasse mit Lärmschutzbauwerken versehen würde.
Dach über A100 im Berliner Westen: Kosten als Problem
Als Vorzugsvariante ergab sich ein vierfeldriges Rahmenbauwerk. Dabei würden A100 Richtung Süd, Fernbahn, S-Bahn und A100 Richtung Nord jeweils in eigenen Tunnelröhren geführt. Die Stützweiten lagen in großen Teilen bei rund 20 Metern. An der Anschlussstelle Kaiserdamm wären zusätzlich Spannbetonfelder mit bis zu 25,50 Metern nötig.
Die Kosten wurden auf rund 280 Millionen Euro für die Herstellung geschätzt, hinzu kommen etwa 2 Millionen Euro jährliche Unterhaltungskosten. Über 70 Jahre und mit weiteren Teilinvestitionen kalkulierte Berlin schließlich mit Gesamtkosten von rund 470 Millionen Euro für das Land. Fast 40 Prozent der Gesamtkosten entfallen damit auf Unterhaltung, spätere Erneuerungen und den langfristigen Betrieb.

Aktuell führen bereits laufende Arbeiten im Bereich der Kaiserdammbrücke an der A100 zu zusätzlichen Verkehrsbehinderungen und Umleitungen. / © Foto: Wikimedia Commons, Roy Zuo, CC BY-SA 4.0
Warum die A100-Überdeckelung bisher nicht umgesetzt wurde
Der aktuelle Stand ist nüchtern: Wie eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT erklärt, ist die Machbarkeitsstudie zwar abgeschlossen, muss jedoch noch im Abgeordnetenhaus behandelt werden.
Sie sei bislang nicht auf die Tagesordnung gesetzt worden, könnte dort aber in absehbarer Zeit aufgerufen werden. Das Parlament sei informiert, im Anschluss würden sich Fachgremien mit den Ergebnissen befassen, bevor über das weitere Vorgehen entschieden werde.
Dach über Autobahn: Hamburg und Frankfurt machen es vor
Während in Berlin noch über die Überdeckelung diskutiert wird, sind entsprechende Projekte in anderen Städten weiter fortgeschritten oder in Umsetzung. In Hamburg sind die A7-Deckel in Schnelsen und Stellingen bereits für den Verkehr freigegeben und werden als Grün- und Kleingartenflächen genutzt. In Altona entsteht ein weiterer Deckel. Frankfurt plant eine Einhausung der A 661 zwischen Bornheim und Seckbach über rund 1,1 Kilometer. Diese Beispiele zeigen, dass Überdeckelungen technisch realisierbar sind, jedoch regelmäßig mit langen Planungs- und Umsetzungszeiträumen sowie hohen Kosten verbunden bleiben.
Die Überdeckelung der A100 zwischen Knobelsdorffbrücke und Kaiserdammbrücke ist technisch geprüft und grundsätzlich umsetzbar. Vor dem Hintergrund der aktuellen Großbaustellensituation im Westen von Berlin sowie der noch ausstehenden politischen Befassung bleibt jedoch abzuwarten, wann und in welchem Umfang aus der Studie ein konkretes Bauvorhaben wird.

Eine Visualisierung für den A7-Deckel in Hamburg. Ob auch in Berlin Teile der Autobahn überdeckelt werden, bleibt vorerst abzuwarten. / © Visualisierung: moka-studio ; Entwurf: arbos Landschaftsarchitekten GmbH
Quellen: DEGES, Senatskanzlei Berlin, Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19/18498, Hamburg.de, Autobahn GmbH, Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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2 Kommentare
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Am Bahnhof Schönhauser Allee könnte man so etwas über die Gleise in Richtung Westen bis zur Seelower/Rhinower Straße oder gleich besser bis zur Schönfließer/Sonnenburger Straße auch mal in Betracht ziehen. Der Effekt wäre vieleicht sogar noch größer. Gar nicht zu reden davon, dass da noch ein ganzes Quartier raufpssen würde.
Vermutlich leichter zu verkaufen als die A100 komplett abzureißen, so wie es in Seoul umgesetzt wurde. Aber ja, es muss dringend was gemacht werden. Die A100 im Berliner Westen ist wirklich ein Schandfleck und durchzieht ganze Kieze mit ihrem Lärm, den Abgasen, dem Feinstaub und der Hitze. Eine Überdecklung wurde vermutlich die Akzeptanz der Anwohner erhöhen und zudem auch zusätzliche Fläche für Wohnraum und Grünanlagen in bester Citylage ermöglichen. Im Berliner Westen gibt es entlang der Stadtautobahnen A100 und A103 ja nicht mal rudimentäre Lärmschutzwende und man hört den Lärm auch noch mehrere Kilometer entfernt.
Die direkt anliegenden Wohnhäuser sind ja quasi nicht bewohnbar.