Auf dem ehemaligen Flughafengelände Tegel ist mit dem „CRCLR HUT“ ein Pavillon entstanden, der den Anspruch einer vollständig zirkulären Bauweise verfolgt. Das Projekt verdeutlicht, wie modulare Holzbausysteme die Bauwende in Berlin unterstützen könnten.

Innenraum aus modularen Holzsteinen: Der CRCLR HUT in Tegel zeigt, wie sich aus vier einfachen Bauelementen ein stabiler und zugleich vollständig rückbaubarer Innenraum errichten lässt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Im September 2024 wurde der „CRCLR HUT“ auf dem Gelände der Urban Tech Republic in Berlin TXL eröffnet. Nach nur zwei Wochen Bauzeit stand ein Pavillon, der als erstes Holzbauprojekt auf dem ehemaligen Flughafengelände gilt. Entwickelt wurde das Gebäude von TRIQBRIQ in Zusammenarbeit mit dem Architekturbüro Beta Realities, während die Tegel Projekt GmbH im Auftrag des Landes Berlin die Gesamtentwicklung des Areals verantwortet.
Der Pavillon wird als sichtbares Zeichen für den Anspruch verstanden, in Tegel neue Standards im nachhaltigen Bauen zu etablieren. Mit dem Schumacher Quartier und der geplanten „FUTR HUT“ als Kompetenzzentrum für urbanes Bauen will Berlin die Transformation des Areals zu einem Innovationsstandort vorantreiben. Der „CRCLR HUT“ fungiert dabei als erster realisierter Baustein.
Bauweise des Pavillons mit modularen Holzbausteinen: Vier Elemente, viele Möglichkeiten
Das TRIQBRIQ-System basiert auf mikro-modularen Holzsteinen, den sogenannten „BRIQs“. Diese werden aus Industrieholz, Kalamitätsholz oder auch minderwertigen Holzarten gefertigt. Durch die kleinteilige Bauweise lässt sich Material nutzen, das in konventionellen Bauweisen kaum bis keine Verwendung fände. Auf der Baustelle werden die Elemente im Verband aufeinander gesteckt und mit Holzdübeln fixiert.
Die Konstruktion beruht auf nur vier unterschiedlichen Elementen: halber Block, ganzer Block, Sturz und Säule. Diese Bausteine lassen sich beliebig kombinieren, was eine hohe Flexibilität ermöglicht. Gleichzeitig erlaubt die Steckweise den vollständigen Rückbau. Die Projektpartner betonten, dass der „CRCLR HUT“ nach seiner Nutzung abgebaut und an anderer Stelle erneut errichtet werden kann.
Wiederverwendbarkeit und Recycling im Bau: Materialien im Kreislauf halten die sonst entsorgt werden
Ein zentrales Ziel des Projekts ist die konsequente Wiederverwendung von Materialien. Nach Angaben der beteiligten Architekten können über 90 Prozent der eingesetzten Baustoffe erneut genutzt werden. Selbst Fenster und Bodenplatten sind so konzipiert, dass sie ausgebaut und an anderer Stelle wieder eingebaut werden können. Dieses Prinzip soll langfristig helfen, Abfälle und Emissionen erheblich zu reduzieren.
Die Entwickler verwiesen zudem darauf, dass „Glapor“ als Alternative zum Beton bei der Bodenplatte eingesetzt wurde. Damit will man zeigen, dass selbst zentrale Bauteile eines Gebäudes ohne klassische Betonlösungen auskommen können. Die Kombination aus modularem Holz und alternativen Materialien stärkt den Anspruch einer Bauweise, die vollständig auf Zirkularität setzt.
Erfahrungen aus Braunschweig: Ein Supermarkt aus Holzblöcken als Vorreiterprojekt
Neben dem Pavillon in Berlin wurde das System bereits in größerem Maßstab angewandt. In Braunschweig entstand im Mai 2025 ein Edeka-Supermarkt, der aus über 11.000 dieser Holzsteine gebaut wurde. Auch dort lag der Fokus auf Recycling und Wiederverwendbarkeit. Rund 50 Prozent der CO2-Emissionen konnten nach Angaben der Beteiligten im Vergleich zu einem konventionellen Bau eingespart werden.
Diese Erfahrungen sollen nun auch in Berlin eine Rolle spielen. Der „CRCLR HUT“ zeigt in kleiner Dimension, welche Möglichkeiten das System eröffnet. Die Erweiterung in Richtung größerer Bauprojekte könnte künftig auch für Wohn- oder Verwaltungsbauten relevant werden.

Detailaufnahme der Holzmodule: Die eingesetzten Blöcke bestehen aus Industrie- und Schadholz. Durch die Steckbauweise können selbst minderwertige Holzarten im Bau genutzt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Fassade des Pavillons in Berlin-Tegel: Außen wurde der CRCLR HUT mit Holz verkleidet. Fenster und Bauteile lassen sich später sortenrein entnehmen und an anderer Stelle wiederverwenden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: TRIQBRIQ AG, KOALITION für HOLZBAU
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


