In Wilmersdorf entsteht ein neues Wohnraumangebot: Becker & Kries erweitert ein bestehendes Quartier an der Sodener Straße um 123 Mietwohnungen, 32 davon gefördert. Doch das Projekt bleibt nicht unumstritten, insbesondere die Bebauung der Cornelsenwiese sorgt seit Jahren für Kritik von Anwohnerinnen und Anwohnern.

An der Sodener Straße entstehen durch Nachverdichtung mehrere neue Wohnhäuser. Geplant sind fünf Zeilenbauten mit rund 100 Wohnungen, von denen zwei auf der 4.000 Quadratmeter großen Cornelsenwiese errichtet werden. Weitere Gebäude sollen auf ehemaligen Parkplatzflächen Platz finden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Mit dem Projekt „Sodener Wohnen“ entstehen in Wilmersdorf insgesamt 123 neue Mietwohnungen. Sechs Baukörper ergänzen dabei ein Wohnquartier aus den 1960er-Jahren, das bereits mehr als 200 Wohnungen umfasst. Eigentümer ist das Immobilienunternehmen Becker & Kries, das die Nachverdichtung seit vielen Jahren plant und nun umsetzt.
Von den Neubauten werden 32 Wohnungen gefördert und somit preisgebunden vermietet. Zusätzlich soll in einem Bestandsgebäude eine Kita mit zehn Plätzen eingerichtet werden. Abgerundet wird das Vorhaben durch eine Tiefgarage mit 77 Stellplätzen, die das Quartier infrastrukturell erweitern soll.
Holzhybridbau mit Photovoltaik prägen das Neubauprojekt in der Sodener Straße in Wilmersdorf
Die neuen Baukörper entstehen in Holzhybridbauweise, wodurch ein ressourcenschonendes Bauen ermöglicht wird. Durch vorgefertigte Bauteile wie Decken, Wände und Bad-Module lässt sich die Bauzeit deutlich verkürzen. Gleichzeitig erreichen die Gebäude den Energiestandard KfW 55. Auf den Dächern sind Photovoltaikanlagen vorgesehen, deren Strom die Bewohnerinnen und Bewohner über ein Mieterstrommodell nutzen können.
Zudem tragen extensive Dachbegrünungen zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Ergänzend sieht das Konzept ein Freiflächenprogramm vor, das mit neuen Spiel- und Sportflächen die Aufenthaltsqualität steigern und die soziale Vernetzung im Quartier fördern soll.
Kritik an Bebauung der Cornelsenwiese in Wilmersdorf: Bürgerinitiativen sehen Verlust von Grünflächen
Jedoch stößt das Projekt nicht nur auf Zustimmung. Seit Jahren sorgt insbesondere die Bebauung der sogenannten Cornelsenwiese für Kritik. Die rund 4.000 Quadratmeter große Fläche zwischen Sodener und Wiesbadener Straße galt vielen Anwohnerinnen und Anwohnern als wichtige Grün- und Erholungsfläche. Ein Bürgerbegehren zum Erhalt aller Grünflächen in Charlottenburg-Wilmersdorf sammelte 2016 über 18.000 Unterschriften.
Vertreterinnen und Vertreter der Initiativen argumentieren, dass die Gegend bereits hoch verdichtet sei und weitere Bebauung die Lebensqualität mindere. Sie werfen der Politik vor, sich über den Willen der Bevölkerung hinwegzusetzen. Zudem bemängeln Kritikerinnen und Kritiker, dass Investoreninteressen stärker gewichtet würden als der Erhalt öffentlicher Freiräume.
Fertigstellung bis 2026 geplant: Nachverdichtung an der Sodener Straße bleibt umstritten
Trotz der anhaltenden Proteste hat die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf das Projekt weiter vorangetrieben. Während SPD und FDP für die Bebauung stimmten, votierten Grüne und AfD dagegen. CDU und Linke enthielten sich. Die Entscheidung wurde unter anderem mit möglichen Schadensersatzforderungen gegenüber dem Bezirk begründet, sollte die Bebauung verhindert werden.
Als Beispiel für eine behutsame Nachverdichtung bezeichnete Bausenator Christian Gaebler (SPD) das Vorhaben. Nach seinen Worten ermögliche die Mischung aus frei finanzierten und geförderten Wohnungen eine soziale Vielfalt. Kritikerinnen und Kritiker sehen dies jedoch anders und werfen der Politik vor, die Quartiersentwicklung auf Kosten dringend benötigter Grünflächen zu betreiben.
Bis 2026 sollen die neuen Gebäude fertiggestellt sein. Schon Anfang desselben Jahres sollen Informationen zur Vermietung bereitgestellt werden. Während die Politik das Projekt als wichtigen Beitrag gegen den Wohnraummangel einordnet, bleibt es in der Nachbarschaft umstritten. Ob die Nachverdichtung am Ende tatsächlich als Modell für nachhaltigen Wohnungsbau in bestehenden Quartieren gilt, bleibt der individuellen Bewertung überlassen.
Quellen: Berliner Morgenpost, Becker & Kries, Bürgerinitiative Breitenbachplatz, Linksfraktion Charlottenburg-Wilmersdorf, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Brüninghoff, Deutsches Ingenieurblatt
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Ich kenne die Gegend. Bei vielen anderen Bauprojekten, kann ich die Kritik der Nachverdichtung oft nachvollziehen. Ich muss aber sagen, auf dieser Wiese war wirklich selten jemand.