In Berlin entstehen derzeit besonders ungewöhnliche Hotels. Sieben Projekte zeigen, wie ehemalige Gefängnisse, Seecontainer, Einkaufszentren und Hochhäuser zu neuen Unterkünften werden.
„The KNAST“
„Motorworld-Hotel“
„Ocean Berlin“
„Villa Viva Holzmarkt“
Estrel Tower
„Stayery“ Gesundbrunnen
„A&O“ am Checkpoint Charlie
© Titelbild: Motorworld Group
Berlin bietet Reisenden mehr als klassische Zimmer, Frühstücksbuffets und austauschbare Lobbys. Mehrere aktuelle Hotelprojekte verbinden das Übernachten mit Orten und Konzepten, die es in dieser Form nur selten gibt.
Gäste sollen künftig in einem ehemaligen Frauengefängnis, in ausgedienten Seecontainern oder direkt neben einem riesigen Ozeanbecken schlafen können. Diese sieben Hotels gehören zu den besonderen Bau- und Umbauprojekten in Berlin.
„The KNAST“: Boutique-Hotel im ehemaligen Frauengefängnis

Historische Zellentüren und die offenen Galerien prägen das ehemalige Frauengefängnis in Berlin-Lichterfelde. In dem denkmalgeschützten Gebäude ist mit „The KNAST“ ein außergewöhnliches Hotel mit Gastronomie und Kulturangeboten entstanden. / © Foto: IMAGO / Sabine Gudath
- Bezirk: Steglitz-Zehlendorf
- Adresse: Söhtstraße 7, 12203 Berlin
- Kapazität: 9 Zimmer und 4 Suiten
- Eröffnung: 2026
- Besonderheit: Hotel in einem denkmalgeschützten ehemaligen Frauengefängnis
Wo früher Türen verriegelt und Insassinnen kontrolliert wurden, sollen Gäste nun freiwillig übernachten. „The KNAST“ befindet sich im früheren Frauengefängnis Lichterfelde. Das sternförmig angelegte Gebäudeensemble entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts und diente später unter anderem als Haftanstalt für Frauen.
Restaurant, Bar, Ateliers und Veranstaltungsräume nutzen bereits Teile des historischen Komplexes. Der geplante Hotelbereich ergänzt das Konzept um neun Zimmer und vier individuell gestaltete Suiten. Die Betreiber verstehen das Haus nicht als klassisches Gefängnishotel, sondern als Adults-only-Ort für Gastronomie, Kunst und Kultur. Historische Gitter, Zellentüren und die frühere Gefängniskapelle bleiben dabei Teil der Architektur.
„Motorworld-Hotel“: Schlafen in Seecontainern über der Havel

In der „Motorworld Manufaktur Berlin“ entsteht ein besonderes Hotel aus ehemaligen Seecontainern. Die Zimmer sollen auf den Dächern der historischen Industriegebäude mit Blick auf die Havel untergebracht werden. / © Visualisierung: Motorworld
- Bezirk: Spandau
- Adresse: Zitadellenweg, 13599 Berlin
- Fertigstellung: 2027
- Kapazität: Mehr als 100 Zimmer und Apartments
- Besonderheit: Hotelzimmer aus ehemaligen 40-Fuß-Seecontainern
Auf dem Gelände der „Motorworld Manufaktur Berlin“ sollen frühere Frachtcontainer zu Hotelzimmern werden. Die langen Stahlkörper werden auf den Dächern der historischen Industriegebäude angeordnet. Viele Zimmer sollen dadurch einen Blick auf den Spandauer See und die Zitadelle gewähren.
Für den Hotelbereich sind 77 umgebaute Seecontainer vorgesehen. Hinzu kommen Serviced Apartments sowie spezielle Auto-, Motorrad- und Spa-Suiten. In den sogenannten „Car Suites“ können Gäste ihr Fahrzeug direkt neben dem Schlafbereich hinter einer Glaswand abstellen. Ein rund 500 Quadratmeter großes Restaurant am Wasser soll das Projekt ergänzen.
„Ocean Berlin“: Hotelzimmer neben dem Meerespark

So soll das „Ocean Berlin“ in Lichtenberg aussehen, wenn es fertig ist. / © Foto: Ozean Berlin (CWB) GmbH
- Bezirk: Lichtenberg
- Adresse: An der Mole 1, 10317 Berlin
- Fertigstellung: 2027
- Kapazität: 170 Hotelzimmer
- Besonderheit: Hotel als Teil eines Meeresparks mit Großaquarien
An der Rummelsburger Bucht entsteht kein gewöhnliches Hotel, sondern ein Teil des neuen Meeresparks „Ocean Berlin“. Das Gebäude umfasst neben der Unterkunft mehrere Ausstellungsbereiche, Aquarien, Gastronomie, ein Kino und eine Korallenzuchtstation. Das Hotel bildet einen eigenen Gebäudeteil innerhalb des rund 37.000 Quadratmeter großen Komplexes.
Rund 170 Zimmer sind vorgesehen. Das Hotel entsteht auch aus städtebaulichen Gründen. Der Bebauungsplan verlangte am Standort eine bestimmte Gebäudehöhe. Da die Betreiber keinen einzelnen hohen Aquarienzylinder errichten wollten, ergänzten sie das Konzept um eine Hotelnutzung.
Der eigentliche Meerespark erstreckt sich über drei Etagen. Das größte Becken soll etwa 7,5 Millionen Liter Wasser fassen. Insgesamt sollen die Anlagen auf rund zehn Millionen Liter kommen. Besucherinnen und Besucher können das zentrale Becken durch einen Acrylglastunnel betrachten.
„Villa Viva Holzmarkt“: Ein Hotel finanziert Trinkwasserprojekte

Die „Villa Viva Holzmarkt“ in Berlin ist ein innovativer Hotel-Neubau am Spreeufer mit sozialem Konzept und öffentlicher Nutzung. / © Foto: Pätzold Architekten
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Holzmarktstraße 25, 10243 Berlin
- Fertigstellung: Anfang 2027
- Kapazität: 155 Zimmer
- Besonderheit: Teil der Gewinne soll an Trinkwasserprojekte fließen
Direkt an der Spree entsteht auf dem Holzmarkt-Areal ein achtgeschossiges Hotel mit sozialem Betriebskonzept. „Villa Viva Holzmarkt“ ist ein gemeinsames Projekt des Holzmarkt 25 und der Organisation „Viva con Agua“. Rund 60 Prozent der späteren Gewinne sollen nach Angaben der Projektbeteiligten in internationale Trinkwasserprojekte fließen.
Das Haus umfasst 155 Zimmer mit unterschiedlichen Standards. Vorgesehen sind einfache Schlafplätze mit gemeinschaftlichen Bädern, klassische Hotelzimmer und eine große Suite, die sich auch für Veranstaltungen nutzen lässt. Dadurch soll das Angebot verschiedene Preisgruppen ansprechen.
Estrel Tower: Hotelzimmer im höchsten Gebäude Berlins

Der „Estrel Tower“ in Berlin-Neukölln hat seine Endhöhe erreicht. Im Gebäude und an den Außenanlagen laufen noch Arbeiten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
- Bezirk: Neukölln
- Adresse: Sonnenallee 225, 12057 Berlin
- Fertigstellung: Ende 2026
- Kapazität: 522 Zimmer, Suiten und Serviced Apartments
- Besonderheit: 176 Meter hoher Hotel- und Veranstaltungsturm
Der Estrel Tower überragt mit 176 Metern alle anderen nicht technischen Gebäude Berlins. Der Neubau neben dem bestehenden Estrel-Komplex umfasst 45 Etagen und verbindet Hotel, Serviced Apartments, Büros, Gastronomie und Veranstaltungsflächen.
Geplant sind insgesamt 522 Designer-Zimmer, Suiten und Apartments. Hinzu kommen rund 3.800 Quadratmeter Veranstaltungsfläche und etwa 9.300 Quadratmeter Coworking-Fläche. Ein Restaurant mit Skybar soll in den oberen Etagen einen weiten Blick über Berlin bieten. Ein unterirdischer Verbindungsgang bindet den Turm an das bestehende Hotel, das Congress Center und das Estrel Showtheater an.
„Stayery“ Gesundbrunnen: Hotel auf dem Dach eines Einkaufszentrums

Die Visualisierung zeigt das geplante Stayery-Hotel auf dem Dach des Gesundbrunnen-Centers in Berlin-Mitte. Der Neubau soll 162 Serviced Apartments, Gemeinschaftsflächen und begrünte Dachbereiche erhalten. / © Visualisierung: ECE-Gruppe
- Bezirk: Mitte
- Adresse: Badstraße 4, 13357 Berlin
- Fertigstellung: 2027
- Kapazität: 162 Serviced Apartments
- Besonderheit: Hotel auf einem Center-Dach
Auf dem Gesundbrunnen-Center soll ein zweigeschossiges Hotelgebäude entstehen. Dafür nutzt die ECE ein bisheriges Parkdeck auf dem Dach des Einkaufszentrums. Der Neubau umfasst rund 6.400 Quadratmeter und soll 162 sogenannte Design-Apartments erhalten.
Die Zimmer verbinden Schlaf- und Wohnbereiche mit eigenen Küchenzeilen. Geplant sind außerdem ein Community-Loft, ein Fitnessraum, ein Waschsalon, ein Spätkauf und eine Dachterrasse mit Blick auf den Fernsehturm und den Humboldthain. Gäste sollen das Einkaufszentrum direkt erreichen können, ohne das Gebäude zu verlassen.
„A&O“ am Checkpoint Charlie: Europas größtes Hostel für Berlin

Am künftigen Großhostel unweit des Checkpoint Charlie sind die Bauarbeiten inzwischen deutlich sichtbar angelaufen. Auf dem Gelände stehen Baucontainer, ein Gerüst wurde montiert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
- Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
- Adresse: Rudi-Dutschke-Straße, 10969 Berlin
- Fertigstellung: Anfang 2027
- Kapazität:500 Betten in 610 Zimmern
- Besonderheit: Europas größtes Hostel
Nur wenige Gehminuten vom Checkpoint Charlie entfernt baut „A&O“ ein leerstehendes Bürogebäude zum größten Hostel Europas um. Das Bestandsgebäude umfasst rund 31.000 Quadratmeter. Nach der Fertigstellung sollen 610 Zimmer mit insgesamt etwa 2.500 Betten zur Verfügung stehen.
Rund 31 Prozent der Kapazität entfallen auf private Zimmer, 69 Prozent auf Mehrbettangebote. Der Betreiber richtet das Haus damit auf Schulklassen, Familien, Gruppen und preisbewusste Einzelreisende aus. „A&O“ nennt ein Investitionsvolumen von rund 40 Millionen Euro.
Quellen: The KNAST, Motorworld, visitBerlin, Ocean Berlin, Berlin.de, Estrel Berlin, ECE Group, Stayery, A&O Hostels
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