Berlin baut (auf) Compartmentschulen: ENTWICKLUNGSSTADT erklärt, was es damit auf sich hat und welche Vor- und Nachteile das Konzeptes mehrerer kleinen Schulen in einer großen Schule hat.

Eine Visualisierung der Gemeinschaftsschule in Adlershof zeigt, wie eine Compartmentschule von innen aussehen kann. / © Visualisierung: AFF_Architekten_Berlin
Titelbild/Visualisierung: © Interstitial für gernot schulz
Wer sich in Berlin mit Schulen befasst, kommt an dem Wort „Compartmentschule“ nicht vorbei. Sie sind ein zentrales Element der Berliner Schulbauoffensive und gelten als Standard für neue Schulgebäude. Aber was genau ist der Compartmentbau eigentlich? Was macht ihn besonders? ENTWICKLUNGSSTADT erklärt die Vorteile und Nachteile und warum klassische Schulgebäude nicht mehr zeitgemäß sind.
Berliner Schulbau: Was sind Compartmentschulen?
Compartmentschulen bestehen laut Berliner Schulbauoffensive aus mehreren räumlichen Einheiten, den sogenannten Compartments. Jedes dieser Compartments funktioniert wie eine kleine, eigenständige Schule innerhalb des Gesamtgebäudes.
Ein Compartment umfasst Unterrichtsräume, ein zentrales Forum sowie Arbeits- und Aufenthaltsbereiche für Lehrkräfte. Mehrere dieser Einheiten bilden gemeinsam die Schule. Dieses Konzept wird auch als „Berliner Lern- und Teamhaus“ bezeichnet und ersetzt die klassische Flurschule mit langen Gängen und einzelnen Klassenzimmern.
Warum sind Compartmentschulen in Berlin im Trend?
In Marzahn in der Bruno-Baum-Straße entsteht eine, in der Hauptstraße in Lichtenberg wurde kürzlich Richtfest gefeiert, am Stellingdamm in Köpenick wird ab Sommer hier gelernt: Compartmentschulen sind in Berlin voll im Trend.
Das hängt eng mit veränderten Anforderungen an Bildung und Stadtentwicklung zusammen. Berlin verzeichnet steigende Schülerzahlen und benötigt zusätzliche Schulplätze. Gleichzeitig haben sich die pädagogischen Ansprüche weiterentwickelt.
Ganztagsangebote, unterschiedliche Lernformen und flexible Raumstrukturen
Ganztagsangebote, inklusive Bildung und unterschiedliche Lernformen erfordern flexible Raumstrukturen. Der Compartmentbau reagiert darauf mit offenen, multifunktionalen Flächen. Räume können für Unterricht, Gruppenarbeit oder Aufenthalt genutzt werden.
Die Schule wird damit nicht mehr nur als Lernort verstanden, sondern auch als sozialer Raum. Diese Kombination aus funktionaler Flexibilität und pädagogischer Anpassungsfähigkeit macht Compartmentschulen zum bevorzugten Modell im aktuellen Schulbau.

Auch eine Compartmentschule: die fast fertige Grundschule in der Hirtestraße in Köpenick. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Welche Vorteile haben Compartmentschulen?
Compartmentschulen bieten klare Vorteile für alle Beteiligten. Schülerinnen und Schüler profitieren von vielfältigen Lernumgebungen. Neben klassischen Unterrichtsräumen stehen offene Bereiche für Gruppenarbeit, individuelle Förderung und Rückzug zur Verfügung.
Lehrkräfte arbeiten in eigenen Teamzonen innerhalb der Compartments. Das erleichtert die Zusammenarbeit und verbessert die Abstimmung im Kollegium. Gleichzeitig entstehen kürzere Wege und eine stärkere Zuordnung zu festen Schülergruppen.
Auch betrieblich ergeben sich Vorteile. Räume sind flexibel nutzbar und können an unterschiedliche Schulformen und pädagogische Konzepte angepasst werden. Darüber hinaus unterstützen die Gebäude inklusive Bildung und schaffen barrierefreie Lernbedingungen.
Welche Nachteile haben Compartmentschulen?
Trotz der Vorteile bringt der Compartmentbau auch Herausforderungen mit sich. Ein zentraler Punkt ist der höhere Flächenbedarf. Die offenen Foren und zusätzlichen Funktionsbereiche benötigen mehr Raum als klassische Schulflure.
Damit verbunden sind höhere Baukosten. Neben dem Flächenbedarf wirken sich auch gestiegene Anforderungen an Energieeffizienz, Technik und Bauvorschriften aus. Zudem ist die Planung komplexer und häufig zeitintensiver.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Nutzung im Alltag. Das Konzept erfordert angepasste pädagogische Konzepte und Organisationsformen. Ohne entsprechende Umsetzung kann das räumliche Potenzial der Compartmentschulen nicht vollständig ausgeschöpft werden.

Friedrichshain: Eine neue Compartment-Schule entsteht auf einem Grundstück zwischen der Langen Straße und der Müncheberger Straße, der bislang als Parkplatz genutzt worden war, in unmittelbarer Nähe zum Berliner Ostbahnhof. / © Visualisierung: HOWOGE, AFF Architekten GmbH
Quellen: Die Berliner Schulbauoffensive, Der Tagesspiegel
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