Der Hochhausboom am Alexanderplatz bekommt neuen Auftrieb: Das im Bau befindliche Gebäude von CommerzReal soll nun statt 134 ganze 146 Meter hoch werden. Ein noch immer gültiger Bebauungsplan macht diese spektakuläre Wendung möglich. Die unerwartete Erhöhung des Hochhauses wirft derweil Fragen nach Transparenz und möglichen politischen Absprachen auf. Hat das Vorgehen auch Auswirkungen auf die Hochhausprojekte von Covivio und Hines?

Ein alter Masterplan, ein geltendes Baurecht und ein prominentes Hochhaus: Das CommerzReal-Gebäude am Alexanderplatz wächst auf 146 Meter. Hat das Vorgehen Auswirkungen auf die übrigen Hochhausprojekte am Alexanderplatz? / © Visualisierung: CommerzReal / Kleihues + Kleihues
© Visualisierung Titelbild: CommerzReal / Kleihues + Kleihues
Am Alexanderplatz in Berlin-Mitte sollen in den kommenden Jahren mehrere Hochhäuser fertiggestellt werden, zwei sind derzeit im Bau. Nun gibt es vor allem in Bezug auf die Höhe der künftigen Gebäude eine spektakuläre Wendung, die in den vergangenen Tagen an die Öffentlichkeit gelangt ist. Denn entgegen ursprünglicher Planungen soll zumindest das Gebäude der CommerzReal, welches direkt am Einzelhandelsstandort Galeria entsteht, deutlich höher werden.
So berichten es mehrere Medien, unter anderem Berliner Morgenpost und TAZ. Dabei berufen sich die Medien auf den Bauherren CommerzReal sowie das verantwortliche Architekturbüro Kleihues + Kleihues. Demnach soll das Gebäude, welches derzeit bereits im Bau ist und schon jetzt aus der Ferne gut sichtbar ist, auf eine finale Höhe von 146 Metern anwachsen, anstatt wie bislang geplant „nur“ 134 Meter.
Alexanderplatz: Hochhaus von CommerzReal soll 146 Meter hoch werden
Entscheidend für diese Tatsache ist der Umstand, dass es dafür geltendes Planungsrecht gibt. Um dies zu verstehen, hilft ein kurzer Blick zurück. Denn die aktuellen Hochhausprojekte am Alexanderplatz haben ihre Wurzeln in einem Masterplan von Hans Kollhoff und Helga Timmermann aus dem Jahr 1993.
Vorgesehen war damals ein Kranz aus dreizehn Türmen mit bis zu 150 Metern Höhe – ein Bild, das sich an internationalen Metropolen orientierte. Realisiert wurde diese Vision nie, doch sie prägte die Diskussionen um die städtebauliche Entwicklung des Platzes bis heute.
2016 wurde der Kollhoff-Masterplan angepasst – und die Gebäudehöhen einvernehmlich reduziert
Vor rund zehn Jahren nahm die Politik das Thema erneut auf und startete ein Workshopverfahren, das später unter Bausenatorin Katrin Lompscher fortgeführt wurde. In dessen Folge wurden die DDR-Bauten Haus des Reisens und Berliner Verlag unter Denkmalschutz gestellt, das Park Inn blieb erhalten. Gleichzeitig beschloss man, die künftigen Hochhäuser auf eine Höhe von 130 Metern zu begrenzen.
Diese Reduzierung der Gebäudehöhen wurde im Einvernehmen mit den damaligen Bauherren beschlossen, rechtlich maßgeblich blieb und bleibt jedoch der Bebauungsplan I-B4a aus dem Jahr 2000. Er erlaubt für das Areal eine Höhe von bis zu 150 Metern.
Der ursprünglich auf 134 Meter angelegte Entwurf von Kleihues + Kleihues für das ursprünglich von Signa geplante Hochhaus wurde 2022 vertraglich fixiert, später jedoch zugunsten einer höheren Ausnutzung angepasst. Auf Baustellenschildern ist inzwischen von 141 Metern und 33 Geschossen die Rede, tatsächlich wurde die Höhe im Sommer 2025 auf 146 Meter erhöht.
Architekt Jan Kleihues: Höheres Gebäude wird schlanker und eleganter wirken
Architekt Jan Kleihues verwies darauf, dass die zusätzlichen Meter das Gebäude optisch schlanker und eleganter wirken ließen. Hintergrund der Änderung ist vor allem die Flächenberechnung: Eine kleinere Etage am Warenhaus ließ die vorgesehene Geschossfläche schrumpfen, weshalb die Höhe nach oben korrigiert wurde, heißt es.
Grünen-Politiker Christoph Wapler äußerte den Verdacht, dass es im Zuge der Verhandlungen um die Zukunft des Galeria-Warenhauses und eine mögliche Ansiedlung der Zentral- und Landesbibliothek bereits Zugeständnisse an die Commerz Real gegeben haben könnte, ohne ausreichende Transparenz seitens des Senats.
ZLB am Alexanderplatz: Gibt es einen Deal zwischen CommerzReal, Gaebler und Giffey?
Einen solchen Hintergrund vermutet auch Uwe Rada von der TAZ, der das Vorgehen wie folgt kommentiert: „Gut möglich ist aber auch, dass sich beide die Hände gereicht haben. Was, wenn Gaebler dem Investor ein paar Stockwerke mehr genehmigt und der der Wirtschaftssenatorin entgegenkommt und ein paar Quadratmeter mehr am Warenhaus übrig lässt?“
Bislang ist das natürlich Spekulation, doch die Verhandlungen über die Zukunft des Galeria-Standorts am Alexanderplatz laufen. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) hatte nach übereinstimmenden Berichten am Donnerstagabend zu einem Treffen über die Zukunft von Galeria und den möglichen Umzug der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) an den Alexanderplatz eingeladen.
Berlin-Mitte: Verhandlungen über Zukunft des Galeria-Standorts am Alexanderplatz laufen auf Hochtouren
Neben Giffey nahmen an diesem Treffen dem Vernehmen nach auch Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson, Vertreter mehrerer Senatsverwaltungen sowie Mittes Bezirksbürgermeisterin Stefanie Remlinger und Baustadtrat Ephraim Gothe teil. Auch der Eigentümer der Immobilie, CommerzReal, war wohl vertreten. Das rund einstündige Gespräch war eines der ersten in dieser Konstellation.
In dieser Woche sollen die Gespräche weitergeführt werden. Gut möglich, dass es bis zum Ende der Woche die Verkündung durch Senat und Investoren gibt, dass am Alexanderplatz eine Lösung gefunden wurde, die besagt, dass Galeria und ZLB am Standort Alexanderplatz verbleiben bzw. einziehen werden, mitsamt einer Erhöhung der Geschosszahl des geplanten Hochhauses an der Karl-Liebknecht-Straße.
Hochhauspläne am Alexanderplatz: Was machen Covivio und Hines?
Vor dem Hintergrund der nun während des Baus veränderten Baupläne von CommerzReal stellt sich natürlich die Frage, ob auch das französische Immobilienunternehmen Covivio seine Pläne für das geplante Hochhaus an der Alexanderstraße am nordwestlichen Rand des Alexanderplatzes anpassen wird. Fraglich wäre hierbei allerdings, ob dies statisch aufgrund des komplizierten Untergrunds überhaupt möglich ist.
In direkter Nachbarschaft soll eigentlich ein weiteres Hochhausprojekt des US-Immobilienentwicklers Hines entstehen. Bereits im August 2022 war öffentlich geworden, dass der Berliner Senat auch hier eine Höhe von 150 Metern unterstützen würde.
Über dem U5-Tunnel: Hines plan weiterhin ein Hochhaus mit einer Höhe von 150 Metern
Die damals von noch Andreas Geisel geführte Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie auch die seiner Zeit neu ins Amt gekommene Senatsbaudirektorin, Petra Kahlfeldt, schienen das Hochhausprojekt anders zu bewerten als Vorgängerin Regula Lüscher.
Seitdem war über das Projekt öffentlich nicht mehr viel zu hören, noch immer scheinen BVG und Investor über den schwierigen Untergrund – der U-Bahntunnel der Linie U5 verläuft unter dem Grundstück – zu verhandeln. Dass Hines das Gebäude mit einer Höhe von 150 Metern realisieren will, ist aber kein Geheimnis.
Noch mehr Büroflächen, oder zusätzliche Wohnungen? Was planen Covivio und Hines am Alexanderplatz?
Die aktuellen Entwicklungen haben eine ganz neue Dynamik in die Hochhauspläne am Alexanderplatz gebracht, mit offenem Ausgang. Während beim CommerzReal-Projekt fast vollständig auf Gewerbeflächen gesetzt wird, werden beim Covivio-Hochhaus auch Wohnungen errichtet.
Vor dem Hintergrund der schwierigen Marktlage für Gewerbeimmobilien in Berlin wird es spannend zu beobachten sein, in welche Richtung die zwei ambitionierten Hochhausprojekte von Covivio und Hines gehen werden.

Im Bau: Das Hochhausprojekt „MYND“ des Unternehmens CommerzReal. Das neue Gebäude am Alexanderplatz soll 146 Meter hoch werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Wird das von Covivio geplante Hochhaus am Alexanderplatz noch höher, als in dieser Simulation gezeigt? / © Visualisierung: Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Covivio Immobilien GmbH
Quellen: CommerzReal, Berliner Morgenpost, TAZ, Der Tagesspiegel, rbb, Tagesschau, Kleihues + Kleihues, Sauerbruch Hutton Gesellschaft von Architekten mbH, Covivio Immobilien GmbH
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17 Kommentare
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Also man hatte einst so etwas wie eine B-Planänderung beschlossen und sie dann aber nicht ausgeführt?…So könnte man es jedenfalls lesen…Nicht schlecht… Lustig ist auch, dass die Pfähle und Stützen unten von Anfang an auf die 143m ausgelegt gewesen sein müssen. Denn man bastelt ja nicht so mir nichts, dir nichts einfach so 2-3 Geschosse noch zusätzlich oben drauf.
Sehr schön dass dies jetzt möglich ist. Öfter Mal derartige neue Entscheidungen und es würde schneller voran gehen. Es sollte auch an anderen Stellen „größer“ gedacht werden. Dann wird es vielleicht doch noch mit einer ansehnlichen Weltstadt.
Genau so sehe ich das auch,einfach mal schneller entscheiden spart Kosten und Nerven.
Von schlank und elegant kann dennoch keine Rede sein, aber man könnte die zusätzliche Höhe für eine Gestaltung der Spitze nehmen, die reinen Klotz-Hochhäuser sind wirklich öde.
Ansonsten ist vielleicht der „Zweifel“ Schriftzug vom Palast der Republik noch verfügbar.
„Einvernehmlich“ war das damals mW nicht wirklich. Das haben Sie mal wieder sehr beschönigend formuliert. Die Bauherren hatten sich damals eher zähneknirschend auf die geringere Höhe eingelassen, und zwar auf Druck der provinziellen Politik in Berlin.
Man kann eigentlich nur hoffen, dass die Commerzbank heimlich auf 160, 170 Meter baut (würde das Gebäude noch schlanker und eleganter erscheinen lassen)! Die psychotische Verweigerungshaltung gegenüber „Wolkenkratzern“, die ohnehin erst jenseits der 170 Meter beginnen, im Schulterschluss mit den Ewiggestrigen der Linken, die jedweden Eingriff in die Stadtplanung der „DDR“ für einen Anschlag auf ihre politische Lebenslüge ist, dokumentiert nur eins: Die Provinzialität Berlins! Dieser stete Kampf gegen die Gentrifizierung, den die Kämpfer ohnehin verlieren werden – ein Kampf gegen Mühlenflügel, der Kampf gegen das „pöse, pöse“ Kapital! Leute: Auch alle aus dem linkswoken Lager leben von diesem Kapital!
Als ich Anfang 1989 als armer Referendar nach Berlin kam, musste ich mir Kurzzeitwohnungen über die Mitwohnzentrale besorgen (die Unfähigkeit der Politik dieses Landes, ausreichend Wohnraum zu schaufen, besteht seit 1945!). Zu den Vermietern gehörte ein Soziologiestudent, der auf jede „antikapitalistische“ Demonstration ging, bekennender leidenschaftlicher Sozialist war – und die von ihm angemietete 1 1/2-Zimmer-Wohnung für den doppelten Preis, den er selbst an den Vermieter zahlte, kurzzeit vermietete. Die Hauptsache, die Kasse stimmt. Vermutlich brauchte er den „kapitalistischen“ Gewinn für die Durchsetzung seiner „sozialistischen“ Programmatik.
Berlin wird, wenn es wirtschaftlich prosperieren will (was schon aufgrund der Haushaltslage aufgrund der jahrzehntelangen erratischen Haushaltsplanung aller Berliner Senate dringend erforderlich ist), endlich, will es nicht endlos Boden verbrauchen, in die Höhe bauen – oder den Zuzug nach Berlin bedingungslos sperren müssen (wie es ja offensichtlich die Linke dereinst, als sie noch Berliner Baupolitik machen durfte, durchsetzen wollte).
Also: Ich freue mich, wenn die ausgeführten Bauten am Alex deutlich höher als 130 Meter werden.
Und die ZLB hat am Alex nichts, aber auch überhaupt nichts zu suchen!
Hmm, der Osten verliert zumindest teilweise seinen Blick auf den Fernsehturm und die letzten von ex-13 Hochhäuser des feuchten Traums der internationalen Großstadt sehen dann aus wie die letzten Stumpen einer zahnlosen Minkie.
Der neueste Entwicklung ist ja Hochhäuser mit Bildschirmen als Fenster auszustatten. Also einfach ein 300 m Hochhaus bauen und den Fernsehturm projizieren. Problem gelöst.
Das ist doch mal eine gute Nachricht, es geht doch, wenn der Wille vorhanden ist. Hoffentlich kommt bei der nächsten Wahl nicht wieder diese Rot-Grüne Grütze zum Zuge, dann wären zuminbdest für weitere 4 Jahre alle Träume geplatzt, wenn es um den Bau von Gebäuden geht, die größer als eine Hundehütte sind und nicht den Büllerbücharakter aufweisen. Wer schafft eigentlich endlich mal dieses Verhinderungs-Baukollegium ab, was ja auch immer nur bremst und wo ist die von Wegner zugesagte Reform des Hochhausbebauungsplans?
„Berlin hebt ab – oder doch nur bis zur dritten Etage?“
Berlin und Hochhäuser – das ist wie Berlin und Flughäfen: Man will ja, man probiert ja, aber am Ende wird’s dann doch oft nur eine halbfertige Etage überm Partykeller. Jahrzehnte hat man am Alex die Bauhöhe auf Provinzniveau gedeckelt, weil die Sichtachse zum Fernsehturm sakrosankt bleiben musste. Nun aber, oh Wunder, dürfen die Betonstangen plötzlich länger wachsen. Man stelle sich vor: Berlin als Weltstadt! Fast so hoch wie… na ja, wie Frankfurt.
Pro:
– Endlich Schluss mit dem Büllerbü-Charme, der die Skyline bislang aussehen lässt wie eine Zahnreihe nach dem Zahnarztstreik.
– Nach oben bauen spart Bodenfläche. Und die braucht Berlin dringend, um die immer neuen Lieferando-Fahrer irgendwo unterzubringen.
– Internationale Investoren könnten Berlin endlich wieder ernst nehmen. Schließlich sehen 143 Meter aus der Ferne fast so aus wie ein richtiger Wolkenkratzer – wenn man die Brille abnimmt.
Kontra:
– Der Fernsehturm verliert seine Monopolstellung als Phallussymbol der Hauptstadt.
– Der Osten guckt bald nicht mehr auf die sozialistische Nadel, sondern in die Glasfassade einer Bank.
– Die „ewig Gestrigen“ (wie Böhme schimpft) befürchten nicht zu Unrecht: Jede zusätzliche Etage treibt die Miete nach oben, bis nur noch Hedgefonds ihre Haustiere dort unterbringen können.
Und dann ist da noch die Berliner Spezialität: das endlose Planen. Mal war eine B-Planänderung da, dann wieder nicht, dann doch – aber keiner hat’s ausgeführt. Das ist Stadtpolitik nach Berliner Art: ein wenig wie Improtheater, nur ohne Pointe.
Während die einen also schon 170-Meter-Träume träumen, träumen andere vom Palast der Republik – samt „Zweifel“-Schriftzug auf dem Dach. Was für ein schöner Gedanke: Zweifel als Krönung der Skyline!
Bleibt die Frage: Will Berlin wirklich hoch hinaus, oder bleibt es bei der guten alten Hundehütte, die immerhin den Büllerbü-Charakter wahrt?
Die Antwort kennt vermutlich nur das „Verhinderungs-Baukollegium“. Und das tagt – wie immer – frühestens nächste Legislatur.
Bis dahin gilt: Hoch hinaus im Kopf, in der Realität aber höchstens dritte Etage mit Fahrstuhl.
– Die „ewig Gestrigen“ (wie Böhme schimpft) befürchten nicht zu Unrecht: Jede zusätzliche Etage treibt die Miete nach oben, bis nur noch Hedgefonds ihre Haustiere dort unterbringen können.
Genau diese Annahme ist falsch, denn die „Hedgefonds“ kommen sowieso, nur treiben sie sonst die Miete in der Fläche nach oben.
Warum sollen sie nicht Geld und Jobs in die Stadt bringen.
>Und dann ist da noch die Berliner Spezialität: das endlose Planen. Mal war eine B-Planänderung da, dann wieder nicht, dann
>doch – aber keiner hat’s ausgeführt. Das ist Stadtpolitik nach Berliner Art: ein wenig wie Improtheater, nur ohne Pointe.
D’accord!
>Während die einen also schon 170-Meter-Träume träumen, träumen andere vom Palast der Republik – samt „Zweifel“-Schriftzug
>auf dem Dach. Was für ein schöner Gedanke: Zweifel als Krönung der Skyline!
Ich wollte mitnichten den PdR zurück, aber dieser Schriftzug hat mich immer beeindruckt.
Ich hätte aber als Reminiszenz die langweilige Ostfassade des Schlosses in bronzenen Glas ausgeführt, als Zitat dass man 16 Mill. Bürger nicht negiert.
Der Böhme meldet sich: Ja, und?!? Mit jeder Etage steigen natürlich die MIetpreise! Es ist hinreichend bekannt, dass Hochhäuser ab einer bestimmten Höhe sich eigentlich nicht mehr rechnen! Das mag dann aber doch der jeweilige Investor entscheiden! Und dass mit der Errichtung von Hochhäusern sozialer Wohnungsbau nicht stattfindet, nicht stattfinden kann, ist völlig klar. Es hat wahnhafte Züge die Vorstellung, dass überall in dieser Stadt vor allem „Mütterchen Müh'“ eine Bleibe finden muss. Das sollte vielleicht so sein, widerspricht aber allen – zwingenden (hat der Sozialismus nie eingesehen; wird so schön von Christoph Hein in „Das Narrenschiff“ resümiert, dass im Ergebnis die DDR an der Vorstellung gescheitert ist, man könne per Verordnung – die Mietpreise aus den 20ern des letzten Jahrhunderts wurden per Verordnung festgeschrieben – die Inflation aushebeln) Marktgesetzen.
Ganz nebenbei: Ich fand den „PdR“ fesch! Es hatte etwas, nächtens den beleuchteten PdR wie fluoreszierend als Kontrapunkt zum Berliner Dom zu sehen, der sich in den Fenstern des PdR spiegelte. Von außen war er toll, von innen halt reichlich 70er-Jahre piefig, wie z. B. das ICC. Ich fand und finde es unverschämt, wenn Westarchitekten dem Bau „architektonische Mediokrität bescheinigten. Nur: Der PdR hatte die falsche Kubatur. Er füllte den Platz nicht aus, weil man in der DDR Aufmarschplätze brauchte – für was auch immer (tschingerderassabumm)!
Und von Frankfurt ist Berlin weit entfernt. Mit dem Estrel-Turm „schnuppert“ Berlin ein bisschen Frankfurter Wolkenkratzerluft!
Es gibt -aus meiner Sicht- nur eine Sichtachse auf den Fernsehturm, die unbedingt frei gehalten werden sollte:
…die vom Frankfurter Tor aus (da wäre das hässliche MonarchHochhaus/ AlexanderHochhaus mit seinen geplanten 150 m schon viel hoch, d.h.schon an der Kugel dran.. Scheint aber merkwürdigerweise niemanden zu interessieren..
Von der OberbaumBrücke war ein freier Blick auf den Fernsehturm immer ganz schön… ist aber schon Vergangenheit, seit dem dieses Living Levels genannte Hochhaus auf dem Mauerstreifen an der Spree gebaut wurde.
Berlin könnte einige wichtige Sichtachsen auf den Fernsehturm verbindlich definieren, und diese dann zukünftig berücksichtigen und frei halten.. So könnte man den Bau von Wolkenkratzern und den Respekt vor diesem wunderschönen Fernsehturm miteinander in Einklang bringen…
Die Verteidigung der Sichtachse auf den Fernsehturm ist infantil. Es ist nichts anderes, als den Fernsehturm zum Gral sozialistischer Selbstfindung zu missbrauchen.
Es gibt eine Sichtachse, die nicht verstellt wird, das ist die aus Richtung des Stadtschlosses, aus Richtung des Westens. Und: Hochhausbauten bis 150 Meter können dem Fernsehturm nix, aber auch überhaupt nix anhaben, es sei denn, man macht die Trabisichtachse aus Richtung der Karl-Marx-Allee zum Maßstab!
Ich betrachte den Fernsehturm nicht als sozialistisches Bauwerk, sondern als wunderschönes Bauwerk. Deshalb ist es auch vollkommen legitim, einige Sichtachsen frei zu halten, die ebenso wunderschön sind: vom Frankfurter Tor zum Beispiel, aber auch von der Friedrich Ecke Oranienburger.. Natürlich wird niemand auf die Idee kommen, unmittelbar westlich vom Fernsehturm Wolkenkratzer zu errichten. Deshalb bleibt die Hauptsichtachse vom Zentrum aus sowieso frei.. klar. Deshalb könnten am Alexanderplatz auch viele Wolkenkratzer gebaut werden, die deutlich höher sind, als nur 150m…
Zum Vorwurf der Infantilität: das Bedürfnis nach Schönheit (auch in der Architektur, im Städtebau, in der Platz- und Parkgestaltung) als infantil zu bezeichnen, ist… lächerlich. Der Mensch strebt zur Schönheit… und nicht zur Hässlichkeit. Warum also sollte Schönheit in der Architektur, im Städtebau nicht Thema der Debatte sein?
Eine Sichtachse hat nichts mit „Schönheit“ zu tun! Ich kann immer „Achsen“ finden, die den Anblick auf einen Bau stören. Damit kann ich dann die wahnhafte Ideologie des gerade verstorbenen früheren Senatsbaudirektors der Traufsteinhöhe des Berliner Stadtschlosses als Maßstab allen architektonischen Wirkens in dieser von stadtplanerischer und architektonischer Mediokrität beleidigten Stadt rechtfertigen. Darüber hinaus: Schönheit liegt im Auge des Betrachters.
Natürlich liegt Schönheit im Auge des Betrachters… Genau deshalb ist es legitim und notwendig, darüber zu diskutieren. Zum Beispiel bin ich durchaus der Meinung, dass eine harmonische Dachlandschaft auch zur Schönheit einer Stadt beitragen kann… Auf Berlin bezogen finde ich zum Beispiel, dass zwischen Fernsehturm und Brandenburger und Oranienburger Tor und Checkpoint Charlie die weitestgehend vorhandene harmonische Dachlandschaft aufgrund der geltenden Traufhöhe sehr schön und deshalb erhaltenswert ist.
Und natürlich gibt es auch schöne Sichtachsen, die meiner Meinung nach erhaltenswert sind.
In einer riesigen Stadt wie Berlin gibt es trotzdem genügend Platz für Hochhäuser und Wolkenkratzer…
Was Berlins städtebauliche Qualität und Identität anbelangt, hatte Stimmann in wesentlichen Punkten richtig gelegen: Traufhöhe, Einhaltung der Straßenflucht, erkennbare Ausprägung von Erdgeschoß und Dachgeschoß ( ein Gebäude sollte nicht von Meter 0 bis Dachkante gleich aussehen), und Grundstücksbreiten an der Straße, die nicht überdimensioniert sind.. all das würde einerseits für architektonische Vielfalt und Reichtum sorgen, und andererseits auch für ausreichend Ruhe und Harmonie ..
Wer das anders sieht, der liegt in Bezug auf Berlin meiner Meinung nach komplett falsch – städtebaulich und ästhetisch. Wer das anders sieht, der hat Berlins städtebauliche Identität einfach nicht begriffen !