Der Checkpoint Charlie steht vor einem umfassenden Wandel. Neben einem neuen Erinnerungsort entstehen Hotels, Apartments und neue Stadträume. Sieben Projekte zeigen, wie sich das Umfeld des historischen Ortes in den kommenden Jahren verändern soll – und wie kompliziert die Gemengelage mitunter ist.

Bildungs- und Erinnerungsort Checkpoint Charlie
Ein neuer Stadtplatz, eine dauerhafte Freiluftausstellung und ein Informationspavillon sollen den historischen Grenzübergang neu ordnen.
Neue Verkehrsführung am Checkpoint Charlie
Die Planungen sehen eine verkehrsberuhigte Friedrichstraße, breitere Gehwege, mehr Grün und eine Fahrradstraße in der Zimmerstraße vor.
Östliches Grundstück am Checkpoint Charlie
Auf dem östlichen Grundstück ist eine private Neubebauung mit Wohnungen, Gewerbeflächen und begrünten Dächern vorgesehen.
Westliches Grundstück am Checkpoint Charlie
Das westliche Grundstück soll Wohnungen sowie Flächen für Handel, Gastronomie und weitere öffentlich zugängliche Nutzungen aufnehmen.
Hotel „Pariser Hof“
Das denkmalgeschützte frühere Hotel soll saniert und bis 2028 mit 59 Gästezimmern sowie gastronomischen Angeboten wiedereröffnet werden.
Serviced Apartments Friedrichstraße 210
In den oberen Geschossen des historischen Geschäftshauses entstehen 20 ausgestattete Serviced Apartments mit insgesamt 27 Schlafzimmern.
a&o Hostel Checkpoint Charlie
Ein ehemaliger Bürokomplex wird zu einem Hostel mit rund 610 Zimmern und etwa 2.500 Betten umgebaut.

© Titelbild: depositphotos.com

 

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Der Checkpoint Charlie gehört zu den meistbesuchten Orten Berlins. Städtebaulich blieb der frühere Grenzübergang jedoch lange ein Provisorium, zum Teil noch bis heute. Brachen, temporäre Ausstellungen, Reisebusse und verstreute touristische Angebote bestimmen noch immer das Bild.

Nun treffen öffentliche Planungen, private Bauvorhaben und mehrere Umnutzungen aufeinander. Sieben Projekte zeigen, wie umfassend sich das Umfeld verändert.

Bildungs- und Erinnerungsort am Checkpoint Charlie

Das historische Kontrollhäuschen am „Checkpoint Charlie“ in Berlin-Mitte steht mit Sandsackbarrieren an der Friedrichstraße und erinnert an den ehemaligen Grenzübergang zwischen Ost- und West-Berlin.

Das Kontrollhäuschen am „Checkpoint Charlie“ gehört zu den bekanntesten Symbolen der Berliner Mauer und steht im Mittelpunkt der geplanten Neugestaltung des Bildungs- und Erinnerungsortes. / © Foto: depositphotos.com

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  • Adresse: Friedrichstraße/Zimmerstraße
  • Projektstatus: Realisierungswettbewerb läuft
  • Geplante Fertigstellung: voraussichtlich bis 2030

Der Checkpoint Charlie soll erstmals als zusammenhängender Bildungs- und Erinnerungsort gestaltet werden. Das Land Berlin und die Stiftung Berliner Mauer wollen den historischen Grenzübergang dauerhaft neu ordnen und dabei Geschichte, Stadtraum und Aufenthaltsqualität miteinander verbinden. Grundlage bildet ein europaweiter Wettbewerb, an dem interdisziplinäre Teams aus Architektur, Landschaftsarchitektur und Ausstellungsgestaltung teilnehmen. Sie entwickeln Konzepte für die öffentlichen Freiflächen ebenso wie für die historische Vermittlung des Ortes.

Zum Projekt gehören ein neuer Stadtplatz, eine dauerhaft zugängliche Open-Air-Ausstellung sowie ein Informationspavillon, der Besucher künftig über die Geschichte des ehemaligen Grenzübergangs informieren soll. Ergänzend entsteht eine Gemeinbedarfsfläche für Bildungsangebote. Die Stiftung Berliner Mauer übernimmt später die inhaltliche Betreuung der Ausstellung. Bis zur Fertigstellung sollen einzelne temporäre Informationsangebote die Geschichte des Ortes bereits sichtbarer machen.

Neue Verkehrsführung rund um den Checkpoint Charlie

Bei der Visualisierung handelt es sich um einen Entwurf für Verkehrskonzept rund um den Checkpoint Charlie. Breitere Gehwege, neue Aufenthaltsflächen, mehr Platz für Radverkehr und weniger Autoverkehr könnten das historische Umfeld künftig neu ordnen. / © Visualisierung: Buro Happold

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  • Bereich: Friedrichstraße, Zimmerstraße und Kochstraße
  • Projektstatus: Konzept und Wettbewerbsvorgaben
  • Bauzeit: Noch offen

Auch der Straßenraum soll sich verändern. Das Verkehrskonzept für die Berliner Mitte sieht am Checkpoint Charlie mehr Raum für Fußgänger, Aufenthalt und Grün vor. Die Friedrichstraße soll im Bereich des historischen Ortes verkehrsberuhigt werden. Für die Zimmerstraße schlägt das Konzept eine Fahrradstraße mit breiteren Gehwegen und zusätzlichen Aufenthaltsflächen vor.

Außerdem sollen Reisebusparkplätze aus dem unmittelbaren Bereich in die Kochstraße verlagert werden. Multifunktionsstreifen könnten Lieferzonen, Fahrradständer, Sharing-Angebote und Grünflächen aufnehmen. Weitere Vorschläge betreffen aufgewertete Mittelinseln, eine bessere Regenwasserversickerung sowie neue Hinweise für Stadtrundfahrtbusse. Die Maßnahmen bilden bislang einen Planungsrahmen; konkrete Ausführungstermine stehen noch nicht fest.

Neubebauung auf dem östlichen Grundstück am Checkpoint Charlie

Luftaufnahme des Bereichs am Checkpoint Charlie in Berlin mit den beiden Grundstücksflächen östlich und westlich der Friedrichstraße, die künftig neu gestaltet werden könnten.

Die beiden Flächen östlich und westlich der Friedrichstraße am Checkpoint Charlie könnten künftig neu geordnet werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Wolkenkratzer, CC BY-SA 4.0 / Markierung: ENTWICKLUNGSSTADT

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  • Adresse: östlich der Friedrichstraße an der Zimmerstraße
  • Projektstatus: private Planung
  • Planungsrecht: Bebauungsplan 1-98
  • Bauzeit: Noch offen

Auf dem östlichen Grundstück soll ein Neubau mit Wohnungen und gewerblichen Nutzungen entstehen. Das Gebäude bildet künftig gemeinsam mit dem westlichen Nachbarbau den räumlichen Abschluss des neuen Bildungs- und Erinnerungsorts. Ein privater Realisierungswettbewerb wurde bereits entschieden. Den Zuschlag erhielt das Büro Schneider + Schumacher. Das Baukollegium beschreibt die neue Platzsituation als Zusammenspiel zweier historischer Brandwände und zweier neu gestalteter Giebelfassaden.

Der Siegerentwurf sieht eine perforierte Fassade mit Schiebeläden vor. Im unteren Bereich bleibt die Giebelwand bis zu einer Höhe von rund elf Metern geschlossen und fasst dadurch den künftigen Stadtplatz. Die Gestaltung soll bewusst zurückhaltend wirken und den Erinnerungsort räumlich definieren, ohne ihn zu dominieren. Angaben zu einem Baubeginn oder zur Zahl der Wohnungen liegen derzeit nicht öffentlich vor.

Wann es genau losgehen soll, ist allerdings unklar. Da die verschiedenen Grundstücke am Checkpoint Charlie sowohl in Landes- als auch in Privatbesitz sind, hat sich die Entwicklung des geschichtsträchtigen Ortes in den vergangenen Jahrzehnten als ausgesprochen schwierig erwiesen. Unter der Schirmherrschaft von Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt soll es nun aber endlich in die Umsetzung gehen.

Checkpoint Charlie: Gemischtes Quartier auf dem westlichen Grundstück

Runde Ausstellungsrotunde des asisi Panoramas „DIE MAUER“ am Checkpoint Charlie in Berlin. Das Panorama zeigt Szenen aus dem Alltag an der Berliner Mauer in den 1980er Jahren.

Am westlichen Grundstück befindet sich das asisi Panorama „DIE MAUER“. Die Rotunde erinnert mit einer 360-Grad-Installation an das geteilte Berlin und bildet heute einen wichtigen Bestandteil des historischen Ortes. / © Foto: depositphotos.com

  • Adresse: westlich der Friedrichstraße an der Zimmerstraße
  • Projektstatus: private Planung
  • Planungsrecht: Bebauungsplan 1-98
  • Bauzeit: Noch offen

Das westliche Grundstück bildet das Gegenstück zur östlichen Neubebauung. Das Berliner Baukollegium beschäftigte sich mehrfach mit der Fassadengestaltung des Projekts. Ziel ist eine Giebelwand, die an eine historische Brandwand erinnert, gleichzeitig aber als eigenständiges architektonisches Element funktioniert. Die Planer untersuchten dafür verschiedene Varianten aus Glas und Glasbausteinen. Das Baukollegium empfahl schließlich eine robustere, weniger dekorative Gestaltung, die den Charakter des historischen Ortes stärker aufnimmt.

Darüber hinaus diskutierte das Gremium die Gestaltung der Hoffassaden, eine Fassadenbegrünung sowie die Abgrenzung zwischen privatem Innenhof und öffentlichem Stadtplatz. Vorgesehen sind außerdem eine Tiefgarage mit 56 Stellplätzen sowie begrünte Hofflächen. Kritisch bewertete das Baukollegium unter anderem die breite Tiefgaragenzufahrt und forderte eine überzeugendere Lösung für Regenwasserversickerung und Schwammstadt-Prinzipien. Das Projekt soll deshalb weiter im Baukollegium begleitet werden. Einen bestätigten Baubeginn oder einen öffentlich vorgestellten, verbindlichen Endentwurf gibt es bislang nicht. Damit bleibt dieses Grundstück einer der offenen Bausteine bei der Neuordnung des Checkpoint Charlie.

Früheres Hotel „Pariser Hof“ kehrt an den Checkpoint Charlie zurück

Das denkmalgeschützte ehemalige Hotel „Pariser Hof“ an der Friedrichstraße 209 nahe dem Checkpoint Charlie in Berlin-Kreuzberg. Das historische Eckgebäude soll nach Jahren des Leerstands umfassend saniert und wieder als Hotel genutzt werden.

Das ehemalige Hotel „Pariser Hof“ an der Ecke Friedrichstraße und Kochstraße prägt seit mehr als 100 Jahren das Stadtbild am Checkpoint Charlie. Nach Jahren des Leerstands soll das denkmalgeschützte Gebäude als Hotel mit Gastronomie neu belebt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Adresse: Friedrichstraße 209 / Kochstraße 15
  • Projektstatus: Sanierung
  • Geplante Eröffnung: 2028

Nur wenige Schritte südlich des früheren Grenzübergangs erhält ein lange leer stehendes Baudenkmal eine neue Nutzung. Das 1907 eröffnete Hotel „Pariser Hof“ soll wieder Gäste aufnehmen. Das Gebäude an der Friedrichstraße 209 entstand nach Plänen von Ludwig Engel und besaß ursprünglich einen markanten Eckturm. Nach Kriegsschäden folgte ein vereinfachter Wiederaufbau ohne den Turm.

Nach aktuellen Angaben sind nach der Restaurierung voraussichtlich 59 Gästezimmer vorgesehen. Im Erdgeschoss sollen zwei gastronomische Betriebe und ein Spätkauf einziehen. Die Eröffnung ist für 2028 geplant. Der Umbau beendet damit einen jahrelangen Leerstand an der Kreuzung von Friedrichstraße und Kochstraße.

Nahe Checkpoint Charlie: Serviced Apartments in der Friedrichstraße 210

Nach der Zwischennutzung durch die Notagallery beginnt für die Friedrichstraße 210 die nächste Entwicklungsphase. Im vierten und fünften Obergeschoss entstehen künftig Serviced Apartments.

In der Friedrichstraße 210 am Checkpoint Charlie sollen bis 2027 insgesamt 20 Serviced Apartments entstehen. Dafür werden bisherige Büroflächen in dem denkmalgeschützten Gebäude umgenutzt. / © Foto: Volker Kreidler

  • Adresse: Friedrichstraße 210
  • Projektstatus: Umnutzung in Vorbereitung
  • Geplante Eröffnung: Zweites Quartal 2027

Gegenüber dem „Pariser Hof“ entwickelt Ehret+Klein das historische Geschäftshaus Friedrichstraße 210 weiter. Urban Flats Berlin hat dort 1.430 Quadratmeter langfristig gemietet. Im vierten und fünften Obergeschoss sollen aus bisherigen Büroflächen 20 vollständig ausgestattete Serviced Apartments mit insgesamt 27 Schlafzimmern entstehen. Die Eröffnung ist für das zweite Quartal 2027 vorgesehen.

Das Gebäude soll künftig rund 5.750 Quadratmeter für Büros und Apartments bieten. Im Erdgeschoss plant der Eigentümer Handels- und Gastronomieflächen. Auch der Innenhof soll stärker geöffnet und genutzt werden. Der Umbau der oberen Etagen bildet damit nur einen Teil der neuen Nutzung für die Friedrichstraße 210.

Europas größtes Hostel nahe dem Checkpoint Charlie

Die Baustelle des künftigen a&o Hostels an der Rudi-Dutschke-Straße nahe dem Checkpoint Charlie in Berlin. Das frühere Bürogebäude wird zu einem großen Hostel mit rund 610 Zimmern und etwa 2.500 Betten umgebaut.

An der Rudi-Dutschke-Straße entsteht durch den Umbau eines ehemaligen Bürogebäudes das künftige a&o Hostel. Das Projekt zählt zu den größten Hotel- und Beherbergungsvorhaben im Umfeld des Checkpoint Charlie. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

  • Adresse: Rudi-Dutschke-Straße
  • Projektstatus: Im Umbau
  • Geplante Eröffnung: Erstes Quartal 2027

In der Rudi-Dutschke-Straße baut a&o Hostels einen rund 31.000 Quadratmeter großen Bürokomplex um. Das Gebäude soll etwa 610 Zimmer und rund 2.500 Betten erhalten. Nach Unternehmensangaben entfallen 69 Prozent des Angebots auf Mehrbettzimmer, während 31 Prozent als private Zimmer vorgesehen sind. Die Baugenehmigung lag beim Projektstart bereits vor.

Für Umbau und Modernisierung nennt das Unternehmen ein Volumen von 40 Millionen Euro. Die Eröffnung soll im ersten Quartal 2027 erfolgen. Mit dem neuen Standort wächst der touristische Druck im Umfeld des Checkpoint Charlie weiter. Zugleich steht das Projekt beispielhaft für die Umwandlung leerer Bürogebäude in neue Hotel- und Hostelangebote.

 

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Stiftung Berliner Mauer, Bebauungsplan 1-98, Ehret+Klein AG, SMAP Architektur- und Generalplanung, a&o Hostels

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