Mit gleich mehreren Bauvorhaben nimmt der Virchow-Campus in Berlin-Wedding städtebaulich und medizinisch neue Formen an. Neue Kinderklinik, Herzzentrum und RKI-Neubau sollen den Standort zu einem Leuchtturm der Gesundheitsversorgung machen.

Neue Impulse für Wedding: Am Campus Virchow entstehen mit Kinderklinik, Herzzentrum und dem Neubau des RKI drei herausragende Gesundheitsbauten. Architektur, Technik und Freiraumgestaltung greifen dabei bewusst ineinander. / © Visualisierung: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH

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© Visualisierungen: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH

 

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Auf Einladung der Senatsbaudirektorin Frau Prof. Petra Kahlfeldt wurden am Montag im Rahmen der städtebaulichen Masterplanung mehrere Projekte vorgestellt. Dabei handelte es sich um den Campus Virchow Klinikum (CVK) mit einer Einführung zur Städtebaulichen Masterplanung, dem Neubau einer universitären Kinderklinik am CVK, dem Neubau Deutsches Herzzentrum der Charité (DHZC) inkl. ZNA, dem Neubau des Robert- Koch-Instituts und einem Hochhausvorhaben an der Warschauer Brücke.

Das Berliner Architekturbüro Nickel & Partner Architekten stellte die Pläne für den Neubau der Kinderklinik an der Föhrer Straße im Ortsteil Wedding vor. Die neue Klinik soll baulich in die gewachsene Struktur des Campus Herzzentrum eingebettet werden.

Virchow Campus in Wedding: Neubau der Kinderklinik an der Föhrer Straße

Dabei orientiert sich der Entwurf an den vorhandenen First- und Traufhöhen sowie den Hochpunkten des Umfelds. Der Neubau wird als Hochhaus geplant und soll sich harmonisch in die bestehende Typologie des Klinikcampus einfügen.

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Besonderes Augenmerk legen die Planer auf die Freiraumgestaltung: Naturdenkmale auf dem Gelände sollen erhalten bleiben, ebenso wie schattige Aufenthaltsbereiche im Freien, die sich an der historischen Freiraumtradition des Virchow-Klinikums orientieren.

Universitäre Kinderklinik mit Modellcharakter für Berlin und Brandenburg

Im Rahmen der Projektvorstellung betonte Astrid Lurati, Vorstand für Finanzen und Infrastruktur der Charité, die besondere Bedeutung des Vorhabens. Es handele sich nicht um eine gewöhnliche Klinik, sondern um eine universitäre Einrichtung mit speziellen Versorgungs- und Forschungsaufgaben.

Der Neubau reagiere auf den steigenden Bedarf in Berlin und Brandenburg, wo die Zahl ambulanter pädiatrischer Behandlungen deutlich gestiegen sei. Die neue Kinderklinik am Campus Virchow wird demnach zwanzig Kliniken und Spezialeinrichtungen sowie zehn Ambulanzen bündeln, um eine umfassende Versorgung sicherzustellen.

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Neue Kinderklinik auf dem Virchow Campus: Medizinische Infrastruktur auf über 21.000 Quadratmetern

Die geplante Nutzfläche der pädiatrischen Einrichtungen beträgt insgesamt rund 21.500 Quadratmeter. Nur etwa die Hälfte dieser Fläche soll im eigentlichen Klinikneubau an der Nordschleuse untergebracht werden, die übrigen Flächen verteilen sich auf fünfzehn weitere Gebäude des weitläufigen Campus.

Das Raumprogramm umfasst unter anderem eine Kindernotaufnahme, mehrere Operationssäle, Stationen für Intensiv- und Normalpflege, moderne bildgebende Diagnostik, Tageskliniken, Ambulanzen, eine Schule sowie Forschungseinrichtungen für die Pädiatrie. Das komplexe medizinische Angebot erfordert eine durchdachte räumliche Organisation und einen hohen Grad an technischer Ausstattung.

Drei Entwurfsvarianten für ein technisch anspruchsvolles Gebäude

Architekt Michael König präsentierte drei Entwurfsvarianten für den Baukörper, die sich unter anderem in der Ausführung als Flachbau oder Hochpunkt unterscheiden. Aufgrund der hohen Technisierung und funktionalen Anforderungen sei der Flächenbedarf besonders groß.

Auch städtebauliche Aspekte wie die Nähe zum Robert-Koch-Institut sowie die Integration einer Dachterrasse fließen in die Bewertung der Varianten ein.

Berlin-Mitte: Hochhausneubau für das Deutsche Herzzentrum der Charité

Neben dem Klinikneubau wurde auch der geplante Neubau des Deutschen Herzzentrums der Charité vorgestellt. Martin Richter vom Architekturbüro Richter erläuterte die Planung eines fünfzehngeschossigen Hochhauses, das medizinische Funktionen auf allen Ebenen vorsieht und auf dem Dach über einen Hubschrauberlandeplatz verfügen soll.

Ein zentrales architektonisches Element ist eine Geschossfuge im mittleren Gebäudebereich, in der Aufenthalts- und Sozialräume für das Personal untergebracht werden sollen – mit Tageslicht statt fensterloser Kellerräume.

DHZ-Neubau in Wedding: Gesamtkonzept der „healing architecture“

Das Gesamtkonzept folgt dem Prinzip der „healing architecture“, bei dem das Wohlbefinden von Patienten, Personal und Angehörigen im Zentrum steht. Neben Umkleiden und Ruhezonen sind auch ein Fitnessbereich und eine Lounge vorgesehen.

Abschließend wurden auch Pläne für einen Neubau für das Robert-Koch-Institut an der Seestraße präsentiert. Das Laborgebäude „Haus 7“ soll nach Plänen des Wiener Architekturbüros SWAP entstehen, das den Wettbewerb für sich entscheiden konnte.

Neubau des Robert-Koch-Instituts: Bis 2026 soll das Wettbewerbsverfahren abgeschlossen sein

Vorgesehen ist ein siebenstöckiger Holzhybridbau mit hohem Vorfertigungsgrad, um flexibel auf sich wandelnde Anforderungen reagieren zu können. Die Fassaden werden begrünt, Photovoltaik und ein Gründach sorgen für eine klimagerechte Energieversorgung.

Der Laborbetrieb für insgesamt 88 Einheiten soll über eine vor Ort erzeugte technische Infrastruktur sichergestellt werden. Bis Ende 2026 soll das Wettbewerbsverfahren abgeschlossen und die Bauweise final festgelegt sein.

 

© Visualisierung: wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH

Quellen: Baukollegium Berlin, Charité, Der Tagesspiegel, Deutsches Herzzentrum, Bezirksamt Mitte, wörner traxler richter planungsgesellschaft mbH, Deutsches Herzzentrums Berlin, Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg, Newsweek, SWAP

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2 Kommentare

  1. A.Tirpitz 24. Juli 2025 at 14:22 - Reply

    Bin zu 100% bei dem, was S.Tschoban da vorgetragen hat…

    • A.Tirpitz 24. Juli 2025 at 14:32 - Reply

      Wenn man große Grün- und Freiflächen will, dann könnte man doch z.B. die Gleisanlage zwischen RAW und Tschoban deckeln. (Bei Autobahnen mittlerweile usus)… Schlägt man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Kostet zwar ein paar Mark Fuffzig, aber es wurde schon wesentlich sinnloser Geld in Teilen der Stadt verbrannt….

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