In der Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg treffen zwei große Herausforderungen der Stadtentwicklung aufeinander: Denkmalschutz und Klimaanpassung. Während die Anwohnerschaft mehr Begrünung fordert, verweist das Bezirksamt auf den historischen Zustand der Unesco-Siedlung und kündigt einen Denkmalpflegeplan an, der bislang nicht vorliegt.
Die Carl-Legien Siedlung in Prenzlauer Berg in beiger Fassade.

UNESCO-Weltkulturerbe: Die Architekten Bruno Taut und Franz Hillinger schufen in den 1920er Jahren die Wohnstadt Carl Legien. Am Rande der Siedlung sollen künftig neue Wohnungen entstehen. / © Foto: Wikimedia Commons, Florianmk (Website: Clio Berlin Blog), CC BY-SA 4.0

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Florianmk, CC BY-SA 4.0 

 

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Zwischen der Prenzlauer Allee und der Greifswalder Straße liegt die Wohnstadt Carl Legien, die seit 2008 Teil des Unesco-Welterbes ist. Die in den 1920er Jahren errichtete Siedlung gilt als Beispiel für moderne Reformarchitektur. Die großzügigen Grünflächen und klar gegliederten Baukörper heben sich deutlich von den engen Mietskasernen aus der Gründerzeit ab. Seit den 1970er Jahren steht die Wohnanlage unter Denkmalschutz und wurde Anfang der 2000er Jahre denkmalgerecht saniert. Seit 2007 gehört sie zum Bestand der Deutsche Wohnen.

Die gestalterischen Vorgaben für bauliche oder landschaftsplanerische Änderungen sind streng. Jegliche Maßnahmen müssen mit dem Landesdenkmalamt und dem Welterbekomitee abgestimmt werden. In diesem Spannungsfeld stellt sich nun die Frage, wie viel Anpassung an klimatische Veränderungen zulässig ist, ohne den Charakter der Anlage zu gefährden.

Anwohnereinsatz und Amtsreaktion in Pankow: Konflikte über eigenmächtige Pflanzungen in der Carl-Legien-Siedlung

Im Jahr 2022 pflanzten Anwohnende in der Gubitzstraße auf eigene Initiative neue Bäume. Diese ersetzten vorher gefällte Exemplare, die das Straßen- und Grünflächenamt vor mehreren Jahren aus Gründen des Denkmalschutzes entfernt hatte. Das Amt reagierte auf diese Aktion mit Ablehnung. Zur Begründung hieß es, dass es sich um eine denkmalgeschützte Fläche handle und daher keine Zustimmung erfolgen könne.

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Bereits im Jahr 2013 waren auf demselben Abschnitt 13 Bäume gefällt worden. In der Folge bemühten sich Anwohnerinnen und Anwohner über Jahre um Nachpflanzungen und erhielten mehrfach vage Zusagen vom Amt. Schließlich organisierten sich die Nachbarinnen und Nachbarn, sammelten Spenden und übernahmen die Bepflanzung selbst. Auf diese Aktion reagierte das Amt mit der Aufforderung, die Bäume zu entfernen, andernfalls drohe ein Bußgeld in Höhe von bis zu 10.000 Euro, wie der Tagesspiegel berichtete.

Planung und politische Erwartungen in den nächsten Jahren: Pflegeplan soll Entscheidung bringen

Bereits vor mehreren Jahren kündigte das Bezirksamt an, gemeinsam mit dem Landesdenkmalamt einen Denkmalpflegeplan für die Siedlung erarbeiten zu lassen. Dieser sollte klären, welche Formen der Begrünung im Rahmen des Denkmalschutzes möglich sind. Eine Ausschreibung zur Erstellung dieses Plans wurde für 2024 in Aussicht gestellt, ist bislang jedoch nicht erfolgt. Auf Nachfrage teilte das Bezirksamt dem Tagesspiegel mit, dass die Leistungen nach den Sommerferien ausgeschrieben werden sollen.

Nach Auskunft des Bezirksamts ist der Denkmalpflegeplan Voraussetzung dafür, die Freiflächen der Siedlung weiterzuentwickeln und an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Ob dies konkret auch neue Bäume einschließt, ließ die Verwaltung jedoch offen. In einem anderen Bereich der Siedlung kündigt das Bezirksamt eine Nachbesserung an. Auf Innenhofflächen, die der Vonovia gehören, wurden seit 2012 insgesamt 36 Bäume gefällt, ohne dass Ersatz erfolgte. Diese sollen im letzten Quartal dieses Jahres nachgepflanzt werden. Dies sei mit dem Eigentümer abgestimmt. Ob damit ein Schritt zur Beruhigung des Konflikts gelingt, bleibt abzuwarten.

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Klimaschutz und Partizipation: Partizipation der Anwohnerinnen und Anwohner bleibt eingeschränkt

Das Bezirksamt erkennt an, dass großkronige Bäume durch Verschattung und Verdunstung eine wichtige Rolle im Rahmen der Klimaanpassung spielen. Gleichzeitig verweist es auf den begrenzten Spielraum im denkmalgeschützten Bereich. Der Pflegeplan müsse sich an der ursprünglichen Gestaltungsidee orientieren und gleichzeitig Maßnahmen zur Verbesserung des Hitzeschutzes beinhalten. Dabei könne es auch um alternative Verschattungsmaßnahmen gehen.

Eine umfassende Beteiligung der Anwohnerschaft an der Erarbeitung des Pflegeplans ist aktuell nicht vorgesehen. Zwar plant das Landesdenkmalamt zwei Informationsveranstaltungen, bei denen Anregungen aufgenommen werden sollen. Eine moderierte Zukunftswerkstatt, wie sie ursprünglich gefordert wurde, soll es aus Kostengründen nicht geben. Die dafür notwendigen Mittel in Höhe von bis zu 10.000 Euro seien im aktuellen Haushaltsentwurf nicht eingeplant.

Quellen: Landesdenkmalamt Berlin, Tagesspiegel, Bezirksamt Pankow, Deutsche Wohnen, Wikipedia, UNESCO

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