Ein Dokument weniger, ein Antrag weniger: Berlin testet einen neuen Schülerausweis für den Alltag in Schule und Nahverkehr. Bislang läuft das Verfahren nur an ausgewählten Schulen. Doch schon 2027 könnte sich für viele Familien einiges ändern.
© Titelbild: BVG, Wolfgang Hemmann
Wer in Berlin zur Schule geht und kostenlos Bus und Bahn nutzen möchte, braucht bislang neben dem Schülerausweis eine eigene FahrCard. Genau dieses Verfahren will das Land nun vereinfachen. Gemeinsam mit der BVG testet die Bildungsverwaltung einen neuen Ausweis, der mehrere Funktionen verbindet und langfristig auch digital verfügbar sein soll.
- Ort: Berlin
- Projektstatus: Pilotphase an zehn öffentlichen Schulen
- Teilnehmende: bis zu 7.000 Schülerinnen und Schüler
- Geplante Ausweitung: im zweiten Schulhalbjahr 2026/2027
Der neue Berliner Schülerausweis soll noch im laufenden Schuljahr schrittweise erprobt werden. An zehn Schulen testen bis zu 7.000 Schülerinnen und Schüler das Verfahren. Eine der Pilotschulen ist das Heinz-Berggruen-Gymnasium in Westend im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Dort begleitet die Schule die Einführung und gibt Erfahrungen aus dem Alltag an die Projektverantwortlichen weiter.
Das kostenlose Schülerticket selbst ist dagegen nicht neu. Berliner Schülerinnen und Schüler mit Schülerausweis I können seit August 2019 kostenlos im Tarifbereich Berlin AB fahren. Das Ticket gilt rund um die Uhr, ist personenbezogen und nicht übertragbar. Auch die Mitnahme eines Fahrrads ist enthalten. Bisher muss die Fahrberechtigung jedoch gesondert beantragt werden und wird als eigene VBB-fahrCard ausgegeben.
Eine Karte statt Schülerausweis und separater FahrCard
Genau hier setzt das neue Verfahren an. Künftig sollen Schülerausweis und Schülerticket in einem Dokument stecken. Grundlage sind Stammdaten, die bereits in der Berliner Lehrkräfte-Unterrichts-Schul-Datenbank LUSD vorhanden sind. Die BVG übernimmt die zentrale Herstellung und den Versand der Karten an die Schulen. Dadurch sollen Schulsekretariate die Ausweise nicht mehr jedes Jahr selbst ausstellen oder verlängern müssen.
Ganz ohne Antrag funktioniert das Verfahren während der Pilotphase allerdings nicht. Volljährige Schülerinnen und Schüler beziehungsweise die Eltern Minderjähriger erhalten einen individuellen Zugangscode. Über die LUSD müssen sie unter anderem ein digitales Passfoto hochladen und der Datenverarbeitung zustimmen. Ein zusätzlicher Antrag auf die Fahrberechtigung bei einem Verkehrsunternehmen entfällt dann.
BVG-Schüler-Ticket: Was beim Schulwechsel mit dem neuen Ausweis passiert
Der neue Ausweis enthält mindestens Name, Geburtsdatum und Foto. Ist das Schülerticket integriert, trägt die Karte den Hinweis „Mit Fahrtberechtigung“. Bei einer Kontrolle lässt sich der auf dem Ausweis gespeicherte Code auslesen und mit den bei der BVG hinterlegten Daten zur Fahrtberechtigung abgleichen.
Auch für Sonderfälle enthält der Pilot bereits Regeln. Wechselt ein Schüler an eine Schule, die den neuen Ausweis ebenfalls anbietet, kann dort ein neuer Schülerausweis beantragt werden. Erfolgt der Wechsel dagegen an eine Schule ohne das neue Verfahren, muss wieder ein separates Schülerticket beantragt werden.
Berlinweiter Start der neuen Fahrkarte soll 2027 folgen
Nach Angaben des Senats soll der neue Schülerausweis im Laufe des zweiten Schulhalbjahres 2026/2027 auf alle öffentlichen Schulen Berlins ausgeweitet werden. Die BVG spricht bei erfolgreichem Pilotprojekt von einem berlinweiten Rollout im Jahr 2027. Ein genauer Termin für jede einzelne Schule steht bislang nicht fest.
Parallel plant Berlin einen freiwilligen digitalen Schülerausweis für das Smartphone. Auch dieser befindet sich noch in Vorbereitung. Für Familien außerhalb der Pilotschulen ändert sich deshalb zunächst nichts: Dort gilt vorerst weiterhin das bisherige Verfahren mit Schülerausweis und separatem Schülerticket.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, BVG
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