Die BVG hat mit der TU Berlin und dem Reiner Lemoine Institut das Tool WeBus entwickelt. Es soll die Planung von E-Bussen und Ladepunkten erleichtern.

„Die Spannung steigt“: Die BVG treibt die Elektrifizierung ihrer Busflotte voran. Neue Ladepunkte und Betriebshöfe sollen den Einsatz von E-Bussen im Berliner Linienverkehr ermöglichen. / © Foto: BVG
© Titelbild: BVG / Oliver Lang
Die Umstellung von Diesel- auf Elektrobusse ist weit mehr als ein Austausch der Fahrzeuge. Reichweiten, Ladezeiten, Betriebshöfe und Fahrpläne müssen zusammenpassen. Genau dafür haben die BVG, die TU Berlin und das Reiner Lemoine Institut ein neues Werkzeug entwickelt. Das Forschungsprojekt „E-Bus 2030+“ ist inzwischen abgeschlossen, seine Ergebnisse stehen nun auch anderen Verkehrsunternehmen zur Verfügung.
- Projekt: E-Bus 2030+
- Projektstatus: Forschungsprojekt abgeschlossen
- Veröffentlichung von WeBus: August 2026
- Partner: BVG, Technische Universität Berlin und Reiner Lemoine Institut
- Förderung:259.660 Euro laut aktueller BVG-Mitteilung
Für die BVG ist das Thema längst Teil des täglichen Betriebs. Rund 280 E-Busse waren im Frühjahr 2026 bereits Teil der Berliner Flotte. Gleichzeitig entstehen neue Betriebshöfe und Ladepunkte. Mit WeBus richtet sich der Blick nun stärker auf die Frage, wie sich all diese Bausteine sinnvoll miteinander verbinden lassen.
BVG und TU Berlin: WeBus verbindet Fahrplan, Fahrzeuge und Ladeinfrastruktur
Das neue Werkzeug betrachtet einen elektrischen Busbetrieb nicht nur über die Reichweite einzelner Fahrzeuge. Nutzer können Fahrpläne beziehungsweise Fahrzeugumläufe einlesen und anschließend unterschiedliche Szenarien berechnen. Zu den veränderbaren Größen gehören Fahrzeugdaten, Batteriekapazitäten, das Laden auf Betriebshöfen und zusätzliche Ladepunkte entlang des Netzes.
Dabei kann WeBus unter anderem vergleichen, ob Busse ausschließlich im Depot laden oder zusätzlich an Endhaltestellen Energie aufnehmen. Auch unterschiedliche Batteriegrößen und Standorte für Ladepunkte lassen sich untersuchen. Als Ergebnisse liefert die Software unter anderem Angaben zum benötigten Fahrzeugbestand, zu Kosten und zum Energiebedarf. Detailliertere Auswertungen zeigen zudem Ladezustände einzelner Fahrzeuge, Lastverläufe an Ladepunkten und eine kartografische Darstellung des untersuchten Szenarios.
E-Busse in Berlin: Schnellladen an Endhaltestellen wird wichtiger
Wie konkret solche Fragen für Berlin sind, zeigt sich bereits im bestehenden Netz. Am S-Bahnhof Marzahn testet die BVG seit 2026 neue Schnellladestationen für E-Busse. Dort können Fahrzeuge während ihrer regulären Pausen nachladen. Dadurch müssen sie für eine Zwischenladung nicht eigens auf einen Betriebshof fahren.
Genau solche Entscheidungen lassen sich mit WeBus modellieren. Das Tool kann prüfen, welche Umläufe mit einer bestimmten Batterie fahrbar sind und wo zusätzliche Ladeinfrastruktur sinnvoll sein könnte. Die zugrunde liegende Simulation berücksichtigt dabei unter anderem Fahrgeschwindigkeit, Temperatur, Fahrzeugauslastung, Steigungen und Fahrzeugtyp bei der Berechnung des Energieverbrauchs. Für Ladepunkte können außerdem technische Größen wie Zahl der Ladegeräte und verfügbare Netzanschlussleistung hinterlegt werden.
WeBus baut auf zwei bestehenden Simulationssystemen auf
Technisch beginnt WeBus nicht bei null. Die Plattform verbindet das vom Reiner Lemoine Institut entwickelte Open-Source-System SimBA mit Werkzeugen aus der eFLIPS-Familie der TU Berlin. SimBA simuliert unter anderem Energieverbrauch, Ladevorgänge und unterschiedliche Ladestrategien. eFLIPS bildet zusätzlich Abläufe auf Betriebshöfen ab, darunter das Abstellen, Rangieren und Laden von Fahrzeugen.
Damit kann die Software auch Situationen untersuchen, die bei einer einfachen Reichweitenrechnung fehlen würden. Sie prüft etwa, ob zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich ein ausreichend geladener Bus für einen Umlauf verfügbar ist. Reicht die Energie eines Fahrzeugs für einen Umlauf nicht aus, kann das System solche kritischen Fälle sichtbar machen. Auch zusätzliche Ladepunkte an Endhaltestellen können in den Berechnungen berücksichtigt werden.
Neue BVG-Betriebshöfe schaffen Platz für die wachsende E-Bus-Flotte
Parallel zur digitalen Planung baut die BVG ihre reale Infrastruktur deutlich aus. In Marienfelde entsteht an der Säntisstraße ein neuer Betriebshof für rund 220 Elektrobusse.
Auch in Treptow-Köpenick wächst ein neuer Standort für die elektrische Flotte. Der neue BVG-Betriebshof in Schöneweide soll 2027 in Betrieb gehen. Dort sollen künftig rund 200 E-Busse abgestellt, geladen und für den Einsatz vorbereitet werden. Damit zeigt sich zugleich, warum eine gemeinsame Betrachtung von Fahrzeugen, Fahrplan und Infrastruktur nötig ist: Mehr Elektrobusse erfordern nicht nur zusätzliche Ladepunkte, sondern auch passende Betriebsabläufe und ausreichend Netzleistung.

Lange Stahlfachwerkträger überspannen Teile der späteren Abstellflächen am BVG-Betriebshof in Schöneweide./ © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Forschungsprojekt E-Bus 2030+ macht Ergebnisse öffentlich nutzbar
Das Forschungsprojekt E-Bus 2030+ startete Ende 2022. Ziel war es, Strategien und Softwarelösungen für eine weitgehende Dekarbonisierung großer Busflotten zu entwickeln. Frühere Projektunterlagen nannten dabei ausdrücklich auch die Übertragbarkeit auf andere Städte und Regionen als Ziel.
WeBus ist deshalb nicht allein für Berlin gedacht. Das webbasierte Open-Source-Tool steht Verkehrsunternehmen, Kommunen und weiteren Interessierten frei zur Verfügung. Die BVG hebt besonders den Nutzen für kleine und mittlere Verkehrsunternehmen hervor, die für komplexe Simulationen nicht immer eigene große Planungsabteilungen haben.
Damit liefert das Berliner Forschungsprojekt nicht nur Erkenntnisse für die weitere Umstellung der BVG-Flotte, sondern stellt die entwickelte Planungstechnik auch anderen Verkehrsbetrieben zur Verfügung.
BVG: E-Bus-Betriebshof Säntisstraße
BVG: E-Bus-Betriebshof Treptow
BVG: Schnellladestation am S-Bahnhof Marzahn
Quellen: BVG, Technische Universität Berlin, Reiner Lemoine Institut
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