Die Berliner U-Bahn hat sich nach schwierigen Jahren spürbar stabilisiert. Neue Fahrzeuge kommen inzwischen in großer Zahl ins Netz. Doch wer genauer auf die einzelnen Linien schaut, sieht weiterhin deutliche Einschränkungen.

Der 100. Wagen der neuen BVG-Baureihe J steht in der U-Bahn-Betriebswerkstatt Friedrichsfelde und trägt auf der Anzeige den Hinweis „U5 100er Wagen“.

Der 100. Wagen der neuen BVG-Baureihe J ist in Berlin angekommen. Die neue U-Bahn soll auf der U5 in den Fahrgastbetrieb gehen. / © Titelbild: BVG / Sascha Kurka

© Titelbild: BVG

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Die BVG meldet für ihre U-Bahn inzwischen Werte, die noch vor einem Jahr kaum erreichbar schienen. Gleichzeitig gehören verkürzte Linien, Ersatzbusse und nächtliche Sperrungen weiterhin zum Alltag vieler Fahrgäste. Im Herbst 2026 zeigt sich deshalb ein zweigeteiltes Bild: Bei Fahrzeugen und Zuverlässigkeit geht es voran, während die alternde Infrastruktur an mehreren Stellen gleichzeitig erneuert werden muss.

  • Verkehrsmittel: U-Bahn
  • Betreiber: Berliner Verkehrsbetriebe (BVG)
  • Projektstatus: Flottenerneuerung und umfangreiche Sanierungen laufen
  • Zuverlässigkeit: 98,5 Prozent im ersten Halbjahr 2026

Im ersten Halbjahr 2026 erreichte die Berliner U-Bahn nach Angaben der BVG eine Zuverlässigkeit von 98,5 Prozent. Im Gesamtjahr 2025 waren es 94,3 Prozent gewesen. Die Kennzahl beschreibt die von der BVG erbrachte Leistung und ist um bestimmte äußere Einflüsse wie Streiks oder Polizeieinsätze bereinigt. Auch bei der Pünktlichkeit zeigt sich eine Verbesserung: Nach Angaben des rbb lag sie im ersten Halbjahr bei 98,3 Prozent.

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Einen wesentlichen Anteil daran hat die Flottenerneuerung. Bereits im August waren laut BVG rund 240 neue U-Bahn-Wagen der Baureihen J und JK im Einsatz. Im Kleinprofil U1 bis U4 fahren die JK-Züge bereits seit 2025. Im Großprofil starteten die J-Züge im Mai 2026 auf der U5. Der 100. Wagen der neuen Baureihe J erreichte Ende August die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde. Bis Ende 2026 soll die J-Flotte auf bis zu rund 170 Wagen anwachsen.

Neue BVG-U-Bahnen: Nach der U5 folgt Ende September die U9

Die nächste Veränderung steht bereits bevor. Nach aktuellem Stand will die BVG Ende September erstmals einen J-Zug auf der U9 zwischen Osloer Straße und Rathaus Steglitz einsetzen. 2027 sollen rund 170 weitere J-Wagen folgen. Zusätzlich hat der BVG-Aufsichtsrat im Juli weitere 166 Wagen für rund 313 Millionen Euro beschlossen. Sie sollen bereits für das digitale Zugsicherungssystem CBTC vorbereitet sein.

Damit verschwindet jedoch nicht automatisch jedes Problem im Netz. Besonders deutlich wird das auf der U1. Seit Juni endet sie montags bis freitags bereits am Nollendorfplatz. Zwischen Kottbusser Tor und Halleschem Tor gilt wegen einer Langsamfahrstelle an den Gleisanlagen Tempo 25. Die U3 übernimmt deshalb werktags den Abschnitt zwischen Nollendorfplatz und Warschauer Straße. Einen belastbaren Termin für das Ende der Einschränkungen hat die BVG bislang nicht genannt. Der Sanierungsbedarf auf der U1 in Kreuzberg bleibt damit auch im Herbst ein Thema.

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Auch auf anderen Linien laufen parallel Arbeiten. Auf der U7 erneuert die BVG bis zum 24. September Gleise am Bahnhof Konstanzer Straße. Auf der U8 sollen vom 27. September bis 22. Oktober Fahrschienen zwischen Residenzstraße und Pankstraße erneuert werden. Dort fahren jeweils sonntags bis donnerstags am späten Abend Ersatzbusse. Auf der U5 wiederum verlegt die BVG abschnittsweise Kabel für CBTC. Im September betrifft das zunächst den Bereich zwischen Hönow und Hellersdorf, anschließend wandern die Arbeiten schrittweise weiter Richtung Innenstadt.

Auf dem Bild ist ein gelber Zug der Berliner U-Bahn an einem Bahnsteig zu sehen.

Ein Zug der Berliner U-Bahn steht in einer Station. Die aktuelle Debatte um die weitgehend lahmgelegte U1 rückt den Sanierungsstau im Berliner U-Bahn-Netz erneut in den Fokus. / © Foto: Wikimedia Commons, Billie Grace Ward from New York, USA, CC BY 2.0

U6 nach Alt-Tegel bleibt eine der größten Baustellen im Berliner U-Bahn-Netz

Noch länger müssen Fahrgäste im Berliner Norden warten. Der Abschnitt der U6 zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Alt-Tegel ist bereits seit November 2022 gesperrt. Die BVG erneuert dort unter anderem Gleise, Bahndamm, Brücken und technische Anlagen. Inzwischen nennt das Unternehmen den Beginn des Schuljahres 2027/2028 als Ziel für die Wiederaufnahme des Betriebs. Die U6-Sanierung in Tegel dauert damit erheblich länger als ursprünglich vorgesehen.

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Hinzu kommen langfristige Infrastrukturprojekte. Am Gleisdreieck müssen zwei sanierungsbedürftige U-Bahn-Brücken ersetzt werden. Außerdem läuft seit Juli der Ersatzneubau des Waisentunnels unter der Spree. Die Betriebsverbindung soll künftig wieder die U5 mit dem übrigen Großprofilnetz verbinden.

Berliner U-Bahn bis 2030: Dichtere Takte brauchen mehr als neue Fahrzeuge

Während die BVG den laufenden Betrieb stabilisiert, sehen die Berliner Planungen bereits ein größeres Angebot vor. Der Entwurf des Nahverkehrsplans 2026–2028 nennt bis 2030 unter anderem Vier-Minuten-Takte auf U5, U6, U7 und U8. Bei Strecken, die bislang im Fünf-Minuten-Takt bedient werden, würde das rechnerisch 25 Prozent mehr Kapazität schaffen. U1 und U3 sollen zudem mit acht statt sechs Wagen verkehren.

Dafür reichen neue Züge allein allerdings nicht. Auch Gleise, Werkstätten, Abstellanlagen und Zugsicherung müssen mitwachsen. Genau daran arbeitet die BVG derzeit an vielen Stellen gleichzeitig. Die Berliner U-Bahn ist 2026 damit deutlich stabiler als noch im vergangenen Jahr. Gleichzeitig zeigt der Blick auf U1, U5, U6, U7 und U8, dass die Erneuerung des Netzes noch über Jahre den Fahrplan mitbestimmen dürfte.

 

Quellen: BVG, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, rbb24, Berliner Morgenpost

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