Auf einem Gelände in Hohenschönhausen stehen zahlreiche vorgefertigte BVG-Haltestellen. Die BVG erklärt, welche Funktion der Standort erfüllt, wie viele Wartehallen jährlich aufgebaut werden und nach welchen Kriterien neue Standorte entstehen.

Auf dem zentralen BVG-Gelände in Hohenschönhausen stehen mehrere vormontierte Haltestellen und Wartehallen für den späteren Einsatz im Berliner Verkehrsnetz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Auf einem Gelände an der Plauener Straße in Hohenschönhausen stehen zahlreiche gläserne Wartehäuschen auf Betonplatten. Einige wirken vollständig montiert, andere warten auf ihre weitere Bearbeitung. Was zunächst wie ein Zwischenlager für ausrangierte BVG-Haltestellen aussieht, erfüllt eine zentrale Aufgabe für den Berliner Nahverkehr.
- Bezirk: Lichtenberg
- Standort: Plauener Straße
- Nutzung seit: 2019
- Nutzung: Lagerung, Aufarbeitung und Montage von BVG-Wartehallen
Nach Angaben der BVG gegenüber ENTWICKLUNGSSTADT handelt es sich um den zentralen Standort des Verkehrsunternehmens für seine Wartehallen. Die BVG nutzt das Areal seit 2019. Dort lagert sie Bauteile und komplette Anlagen, arbeitet vorhandene Modelle auf und bereitet Wartehallen für die Montage an Berliner Bus- und Straßenbahnhaltestellen vor.

Eine vormontierte BVG-Wartehalle steht auf einem Betonsockel und wartet in Hohenschönhausen auf ihre weitere Bearbeitung oder Auslieferung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
BVG entscheidet nach Fahrgastzahlen und örtlichen Bedingungen
Der Platz dient damit nicht nur als Lager. Von Hohenschönhausen aus organisiert die BVG sowohl die Aufstellung zusätzlicher Wartehallen als auch den Ersatz älterer Anlagen. Pro Jahr errichtet das Unternehmen nach eigenen Angaben zwischen 70 und 120 Wartehallen.
Ob eine Haltestelle ein Wartehäuschen erhält, hängt von mehreren Faktoren ab. Eine Antwort des Berliner Senats vom Januar 2025 nennt unter anderem das Fahrgastaufkommen, die Erreichbarkeit und die vorhandene Infrastruktur. Auch die verkehrliche Bedeutung einer Haltestelle spielt eine Rolle. Witterungsgeschützte Sitz- und Wartebereiche sollen vor allem an stark genutzten Haltestellen entstehen, sofern die örtlichen Bedingungen dies zulassen.
Mehr als 4.500 BVG-Haltestellen besitzen eine Wartehalle
Für eine Wartehalle benötigt die BVG grundsätzlich eine freie Fläche von rund 20 Quadratmetern. Vor einer Montage müssen die Planer Schächte, Leitungen, Straßenbeleuchtung, Grundstückszufahrten und Hauseingänge prüfen. Auch Rad- und Gehwege, Bäume sowie Abstände zu Wohnhäusern können gegen einen Standort sprechen. Zudem müssen die Anlagen die Vorgaben zur Barrierefreiheit erfüllen.
Die Dimension des Berliner Bestands zeigt, welche Bedeutung der Standort in Hohenschönhausen hat. Anfang 2025 betrieb die BVG nach eigenen Angaben rund 6.400 Bushaltestellen. Davon verfügten 3.709 über ein Wartehäuschen. Bei der Straßenbahn waren 800 von 814 Haltestellen im Berliner Netz entsprechend ausgestattet. Insgesamt ergaben sich damit etwa 4.509 Wartehallenstandorte im Bus- und Straßenbahnnetz.

Die BVG nutzt den Standort in Hohenschönhausen seit 2019 für die Lagerung, Aufarbeitung und Montage von Wartehallen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Beschädigte BVG-Wartehallen werden aufgearbeitet oder ersetzt
Die BVG ersetzt Wartehallen, sobald diese die erforderlichen Sicherheitsstandards nicht mehr erfüllen. Gleiches gilt, wenn eine Reparatur technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Damit übernimmt der Standort in Hohenschönhausen auch eine wichtige Funktion bei Schäden, Verschleiß und Vandalismus. Nicht jede beschädigte Anlage muss vollständig entsorgt werden: Je nach Zustand kann die BVG einzelne Komponenten aufarbeiten oder erneut verwenden.
Auch bei der Entwicklung neuer Modelle spielt die Wiederverwendung vorhandener Bauteile eine Rolle. Ein von der BVG beauftragtes Wartehallenkonzept sieht eine modulare Konstruktion aus Stahl und Glas vor. Rahmen oder Glasscheiben des bisherigen Modells „City Line“ könnten dabei erneut zum Einsatz kommen. Einzelne Teile ließen sich durch die Modulbauweise leichter reparieren und austauschen. Zwei entsprechende Prototypen entstanden im Frühjahr 2024 auf dem BVG-Betriebshof Lichtenberg. Ob und wann dieses Konzept flächendeckend eingesetzt wird, ist bislang nicht veröffentlicht.
BVG testet eine „Wartehalle der Zukunft“ in Berlin-Mitte
Parallel arbeitet die BVG mit dem Außenwerber Wall an weiteren Lösungen. Seit dem 8. Juli 2026 steht an der Bushaltestelle Spandauer Straße/Marienkirche in Mitte eine Test-Wartehalle. Sie besitzt unter anderem digitale Fahrgastinformationen, USB-Anschlüsse, WLAN, Solarelemente, einen Defibrillator und eine direkte Sprechverbindung zur BVG-Sicherheitsleitstelle. Eine mögliche Kameraunterstützung wird zunächst nur mit einer Attrappe erprobt.
Fahrgäste können die Funktionen über einen QR-Code bewerten. Der Test soll mehrere Monate dauern. Welche Bestandteile später in reguläre BVG-Haltestellen übernommen werden, steht noch nicht fest. Der Standort in Hohenschönhausen bleibt unterdessen die zentrale Stelle für die bestehenden Wartehallen: Einen weiteren Lager-, Aufarbeitungs- und Montageplatz dieser Art betreibt die BVG nach eigener Auskunft nicht.
BVG-Haltestellen-Lager
Quellen: BVG, Gruber + Popp Architekt:innen, Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 21 214
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Wenn die Bushaltestelle zwar gut frequentiert ist, der Platz für eine (Standard-) Wartehalle (20 m²) nicht reicht, gibt es auch alternative Lösungen, z. B. ein Glasdach über den zu schmalem Gehweg¹, unter dem Fußgänger durchlaufen können, die Wartenden jedoch vor Regen geschützt sind?
(¹ z. B. Haltestelle M45 Kirschenallee Richtung Zoo)