Berlin plant den Einsatz von XXL-Bussen im BVG-Netz. Der Nahverkehrsplan zeigt, welche Linien betroffen sind und welche Herausforderungen für Infrastruktur und Betrieb entstehen.

© Titelbild: depositphotos.com

 

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Der Berliner Senat plant, den Busverkehr in der Hauptstadt grundlegend zu verbessern. Im Entwurf des neuen Nahverkehrsplans sieht die Verwaltung vor, künftig sogenannte XXL-Busse auf besonders stark frequentierten Linien einzusetzen. Ziel ist es, die steigenden Fahrgastzahlen im BVG-Netz besser zu bewältigen, ohne die Taktung weiter zu verdichten. Die Umsetzung soll nach aktuellem Stand noch vor 2030 erfolgen.

Konkret geht es um 24 Meter lange Doppelgelenkbusse. Diese Fahrzeuge bieten laut Planung rund 30 bis 40 Prozent mehr Kapazität als die bislang eingesetzten Gelenkbusse oder Doppeldecker. Der Senat bewertet sie als praktikable Lösung, da dichtere Takte mehr Personal und zusätzliche Fahrzeuge erfordern und im dichten Berliner Straßenverkehr schwer umsetzbar sind.

Nahverkehrsplan Berlin: Für diese Linien sind XXL-Busse vorgesehen

Im Entwurf des Nahverkehrsplans nennt die Verkehrsverwaltung mehrere Linien mit hohem Fahrgastaufkommen, auf denen XXL-Busse künftig zum Einsatz kommen könnten. Besonders im Westen Berlins liegt ein Fokus auf dem Bezirk Spandau, der stark vom Busverkehr abhängt.

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Dort gelten unter anderem die Linien M32, M36 sowie M37 und 137 als geeignete Einsatzstrecken. Auch in anderen Stadtteilen ohne Straßenbahn prüft die Verwaltung den Einsatz. Dazu zählen etwa die Linien M41, M44, M48, M85 und M76. Diese Verbindungen gehören zu den am stärksten ausgelasteten Buslinien im BVG-Netz.

Die BVG selbst äußert sich bislang zurückhaltend zu den konkreten Plänen. Das Unternehmen beteiligt sich nach eigenen Angaben im Rahmen des Verfahrens am Nahverkehrsplan, bewertet sie aber inhaltlich nicht. Nach aktuellen Informationen sind zudem viele Werkstätten noch nicht auf die Wartung von XXL-Bussen ausgelegt.

XXL-Busse für BVG bringen Herausforderungen mit sich

Der Einsatz der langen Fahrzeuge stellt hohe Anforderungen an die bestehende Infrastruktur. Nach Einschätzung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen eignen sich Doppelgelenkbusse vor allem für breite, möglichst gerade Straßen mit wenig Engstellen. Enge Kurven, zugeparkte Busspuren oder komplexe Kreuzungen können den Betrieb erschweren.

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Für Berlin bedeutet das konkrete Anpassungen. Haltestellen müssen verlängert werden, Ein- und Ausfahrten brauchen mehr Platz, und Fahrspuren in Kurven müssen breiter markiert werden. Zusätzlich erfordern die Fahrzeuge aufgrund ihrer Bauweise und Technik einen höheren Wartungsaufwand. Auch rechtlich sind Besonderheiten zu beachten, da für diese Busse Ausnahmegenehmigungen notwendig sind.

Die verfügbaren Modelle stammen derzeit von Herstellern wie Hess aus der Schweiz und Solaris aus Polen. Beide bieten die Fahrzeuge ausschließlich mit Elektroantrieb an. Damit passt das Konzept grundsätzlich zu den Klimazielen des Landes Berlin.

In Frankreich fährt ein XXL-Bus für den öffentlichen Nahverkehr.

Frankereich als Vorbild für BVG: Hier sind schon XXL-Busse auf den Straßen unterwegs. / © Foto: Wikimedia Commons, Chabe01, CC BY-SA 4.0

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Neue Betriebshöfe: Infrastruktur für E-Busse wird ausgebaut

Bei den Berliner Verkehrsbetriebe läuft der Umstieg auf Elektroantrieb schon länger. Derzeit fahren rund 280 Busse rein elektrisch durch die Stadt. In den nächsten Jahren soll der Anteil deutlich steigen: Bis 2027 plant das Unternehmen, etwa jedes dritte Fahrzeug der rund 1.500 Busse umfassenden Flotte auf E-Antrieb umzustellen. Rückenwind gibt dabei das Förderprogramm „BIG2025“, das vom Bund mit einer Summe im hohen dreistelligen Millionenbereich finanziert wird.

Damit die neuen Fahrzeuge zuverlässig betrieben werden können, baut die BVG ihre Infrastruktur gezielt aus. Eine Schlüsselrolle übernimmt der neue E-Bus-Betriebshof in Treptow-Köpenick. Eine weitere Anlage ist in Marienfelde vorgesehen. Bestehende Depots werden parallel modernisiert und auf den Einsatz von Elektrobussen vorbereitet.

Quellen: Tagesspiegel, Nahverkehrsplan Berlin

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12 Kommentare

  1. Otto 9. April 2026 at 00:30 - Reply

    Berlin ist grössenwahnsinnig. Geht mal in die sogenannte Provinz. Wer bezahlt Euch das alles? …

  2. Böhme 9. April 2026 at 01:22 - Reply

    Die Hamburger haben diesen Quatsch gerade abgeschafft. Wird das genauso ein Desaster wie die XXL-Straßenbahnen???

    • Immo Janssen 10. April 2026 at 17:32 - Reply

      Nach der Magnetschwebebahn und der Shuttlefähre nach Spandau zieht die CDU-geführte Verkehrsverwaltung die nächste teure und anderswo bereits gescheiterte „Wundertechnik“ aus dem Zauberhut.

      Hamburg hatte sich vor 20 Jahren (2005) wie die Berliner CDU im allgemeinen und der (CDU-geführte) Bezirk Spandau im speziellen durch die „XXL-Busse“ eine Alternative zur Straßenbahn erhofft – die man scheut wie der Teufel das Weihwasser, da dafür Platz auf der Straße gebraucht würde, die derzeit der Kfz-Verkehr quasi vollumfänglich für sich beansprucht.

      Das öffentlichkeitswirksam gestartete Hamburger Experiment ist nach der ersten Fahrzeuggeneration gescheitert und bereits 2018 beendet worden.

      Natürlich: Technik entwickelt sich weiter. Nur, das Grundproblem der überlangen Busse bleibt – zu viele bewegliche Teile, höhere Last führen bei zu den Standardmodellen längeren, aber konstruktiv wenig veränderten Sondervarianten – technisch zwangsläufig – zu höheren Ausfällen.

      Resultat: Mehr Wartung nötig, längere Stand- und weniger Fahrzeit, höhere Kosten. Mehr auch hier:
      https://omnibus.news/tschuess-xxl

      Dazu ein enormer Aufwand für die Infrastruktur, Sondergenehmigungen und Ausbildungsaufwand.

      Das Geld steckt man dann eben doch gleich besser in die bewährte Technik der Straßenbahn – aber auf separatem Bahnkörper und mit Vorrangschaltung.

      • Immo Janssen 10. April 2026 at 17:35 - Reply

        (Dass auch eine solche Technik in seltenen Fällen eine Nischenfunktion einnehmen kann, sei hier noch angefügt – z.B. einen Tram-Betrieb vorzubereiten, wenn die langen Stationen bereits gebaut, der Betrieb aber noch nicht aufgenommen werden kann, wobei auch da Kosten den Nutzen für solch einen Zeitraum übersteigen würden – es müsste dafür systematisch in das Bestands- oder Entwicklungssystem integriert sein)

  3. Mitte-Mitte-Anwohnerin 9. April 2026 at 08:15 - Reply

    Berlin wächst. Der ÖPNV muss mitwachsen. Egal wie.

    Da alle Straßenbahnprojekte und auch U-Bahnprojekte gestrichen werden, bleibt nicht viel Handlungsspielraum.

    Mir wäre U-Bahn am liebsten (am effizientesten), dann Straßenbahn. Zur Not auch Bus.

    • Anwohnerin Leipziger 10. April 2026 at 14:17 - Reply

      U-Bahn ist das effektivste. Noch besser als Busse.

  4. Chris Da 9. April 2026 at 08:21 - Reply

    Berlin ist eine dicht bebaute Großstadt mit extremen Flächenmangel.

    Wir haben einfach nicht genug Platz, als das jeder mit einem eigenen Auto fahren könnte. Hier ist ÖPNV alternativlos.
    Zudem wird sehr viel mehr ÖPNV benötigt (Wachstum, moderne Stadtentwicklung, Luftreinhaltung,…)

    Provinz/ländlicher Raum und Stadt haben einfach mal unterschiedliche Verhältnisse. Sogar innerhalb der Stadt liegen Unterschiede vor.
    Planungen/Lösungen müssen den Unterschieden gerecht werden.

    • Böhme 9. April 2026 at 16:37 - Reply

      Es dürfte kaum eine zweite Großstadt auf der Welt geben, die mehr Platz hat als Berlin. Berlin hat endlos platz!

      • Martina 10. April 2026 at 14:15 - Reply

        In den Außenbereichen.

        In der Stadtmitte als auch in den Bezirkskernen ist Platz Mangelware. Das ist zu unterscheiden.

      • Mitte-Mitte-Anwohnerin 10. April 2026 at 14:23 - Reply

        Schon mal die Leipziger Straße langgefahren?

        Die Pauschalisierung entspricht nicht der Realität.

        Es gibt hochverdichtete Bereiche in Berlin, die aus allen Nähten platzen. Extremer Platzmangel. Egal wie viel mehr als welche andere Stadt – es ist zu wenig. Mit Tendenz zur Verschlimmerung, da Berlin stetig wächst. Da hilft nur ÖPNV.

        Siehe oben:
        „Sogar innerhalb der Stadt liegen Unterschiede vor.
        Planungen/Lösungen müssen den Unterschieden gerecht werden.“

  5. Jörg Barth 9. April 2026 at 15:15 - Reply

    Diese XXL Busse sind bestimmt in ihrer Anschaffung recht teuer und verursachen einen höheren Wartungsaufwand. Die BVG sollte lieber Doppeldecker bestellen und auf den genannten Linien und mehr einsetzen, teurer als die XXL-Busse sind die bestimmt auch nicht, wenn man denn eine entsprechende Anzahl davon bestellt. Hier wäre das Geld jedenfalls sinnvoller eingesetzt.

    • Martina 10. April 2026 at 14:28 - Reply

      Doppeldecker auf Linie und nicht Touri ist schwierig:
      Der Bus hat längere Standzeiten an der Haltestelle, weil die Menschen mehr Zeit brauchen um nach oben zu klettern. Solange darf er nämlich nicht fahren.
      Viele Menschen wollen in Linie auch nicht nach oben. Unten überfüllt, oben viel Platz ist keine Seltenheit.
      Die Anzahl an Plätzen für Geheingeschränkte ist deutlich geringer als in allen anderen Bussen, allein schon wegen den beiden Treppen.

      Dem entgegen stehen für die Langbusse mehr Platzbedarf an den Haltestellen. Nicht jede Strecke ist durch Sie befahrbar.

      Vom Preis her geben sich die beiden wohl nicht viel.

      Aufgrund der Plätze für Geheingeschränkte bevorzuge ich persönlich die Langbusse zu den Doppeldeckerbussen.

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