Der Ersatzneubau des Waisentunnels ist gestartet. Damit soll eine zentrale Verbindung im Berliner U-Bahn Netz wiederhergestellt werden, die seit Jahren fehlt. Bis Züge wieder durch den Tunnel fahren, wird es jedoch noch dauern.

© Titelbild: BVG Projekt GmbH

 

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Seit Februar 2026 läuft die Bauphase für den Ersatzneubau des Waisentunnels. Mit dem vorliegenden Planfeststellungsbeschluss können nun erste Maßnahmen umgesetzt werden. Den Auftakt bilden vorbereitende Arbeiten, bei denen Leitungen verlegt werden, die bislang direkt über dem historischen Tunnel verlaufen.

Diese Umverlegung ist notwendig, damit die eigentlichen Bauarbeiten später ohne Eingriffe in bestehende Versorgungsstrukturen erfolgen können. Das Projekt befindet sich bereits seit mehreren Jahren in der Planung und hat sich wiederholt verzögert. Aktuell geht die BVG davon aus, dass der Tunnel erst im Jahr 2030 fertiggestellt wird.

Funktion des Waisentunnels im Berliner Streckennetz: Fehlende Verbindung belastet den Betrieb

Der Waisentunnel wurde 1918 in Betrieb genommen und verband die U-Bahn-Linien U5 und U8 miteinander. Über Jahrzehnte stellte er die einzige direkte Verbindung zwischen dem östlichen und westlichen Netzbereich dar. Für die Berliner Verkehrsbetriebe war er eine wichtige Grundlage, um Fahrzeuge flexibel zwischen Linien und Werkstätten zu bewegen.

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Seit der Stilllegung im Jahr 2018 fehlt diese Verbindung. Die U5 ist seither vom restlichen Netz getrennt. Fahrzeuge können Werkstätten nicht mehr eigenständig erreichen und müssen stattdessen aufwendig per Tieflader durch die Stadt transportiert werden. Dieser Prozess gilt als zeitintensiv, störanfällig und kostenintensiv.

Bau des Tunnels unter der Spree: Komplexe Umsetzung in mehreren Phasen

Eine besondere Herausforderung stellt der Tunnelabschnitt unter der Spree dar. Da der Fluss als Bundeswasserstraße gilt, darf der Schiffsverkehr während der Bauarbeiten nicht eingeschränkt werden. Geplant ist daher ein Bau in zwei Abschnitten.

Zunächst wird der bestehende Tunnel mit Stahlbetonschotten vom restlichen Netz getrennt, um das Eindringen von Wasser zu verhindern. Anschließend entsteht auf der südlichen Spreeseite eine Baugrube, in der die erste Hälfte des neuen Tunnels errichtet wird. Nach der Flutung dieser Baugrube folgen die Arbeiten auf der nördlichen Seite.

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Planung, Kosten und Zeitrahmen des Tunnelneubaus: Projekt hat sich mehrfach verschoben

Die Vorbereitungen für das Projekt begannen bereits 2021, die Planungsphase folgte ein Jahr später. Ursprünglich war ein Baubeginn für 2025 vorgesehen, die Fertigstellung wurde zunächst für 2028 erwartet. Inzwischen geht die BVG davon aus, dass der Tunnel erst 2030 in Betrieb gehen kann.

Auch die Kosten sind gestiegen. Während 2021 noch von rund 55 Millionen Euro ausgegangen wurde, lagen die Schätzungen 2024 bereits bei 77,4 Millionen Euro. Unter Berücksichtigung weiterer Baupreissteigerungen dürfte das Projekt inzwischen deutlich teurer geworden sein.

Quellen: BVG, BVG Projekt GmbH

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