Die BVG will ihre Zuverlässigkeit deutlich steigern und hat dazu ein umfassendes Stabilitätsprogramm gestartet. Erste Kennzahlen zeigen, dass die Trendwende in Bussen, Bahnen und bei der Straßenbahn gelingen könnte.

Neue Zahlen der BVG zeigen: Im Busbetrieb, wo die Pünktlichkeit von 95,5 auf 99 Prozent stieg, trugen verbesserte Abläufe, ein optimiertes Ersatzteilmanagement und technische Aufrüstungen der E-Bus-Flotte zur deutlichen Steigerung bei. / © Foto: depositphotos.com / chrissi
© Fotos: depositphotos.com / chrissi
Viele Berlinerinnen und Berliner kennen die typischen Probleme im Nahverkehr: Baustellen, Verspätungen und volle Züge gehören oft dazu. Genau das soll sich spürbar ändern. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) wollen nach Jahren unzuverlässiger Fahrpläne und Ausfälle wieder an Vertrauen gewinnen.
Dafür setzt das Unternehmen seit Ende 2023 auf ein umfassendes Stabilitätsprogramm, das sowohl die Infrastruktur als auch die Fahrzeugflotten und die Arbeitsbedingungen verbessern soll. Ziel ist, mittelfristig eine Zuverlässigkeit von 99 Prozent zu erreichen. Laut Henrik Falk, Vorstandsvorsitzender der BVG, brauche die Stabilisierung Zeit, erste Fortschritte seien jedoch erkennbar. Der Trend gehe klar in die richtige Richtung.
Verbesserte Pünktlichkeit der BVG: Berliner Busse und Straßenbahn legen bei Zuverlässigkeit deutlich zu
Vor allem im Busbetrieb sei der Effekt bereits messbar. War die Pünktlichkeitsquote im zweiten Halbjahr 2023 noch bei 95,5 Prozent gelegen, erreichte sie zwischen Januar und Mai 2025 stabile 99 Prozent. Möglich machten das unter anderem verbesserte Abläufe im Betrieb, ein optimiertes Ersatzteilmanagement und gezielte Wartungsmaßnahmen, so die BVG. Auch die E-Bus-Flotte wurde technisch aufgerüstet, um die Reichweite zu erhöhen.
Die Straßenbahn konnte ebenfalls Fortschritte erzielen. Dort stieg die Zuverlässigkeit von 95,8 auf 97,3 Prozent im gleichen Zeitraum. Verantwortlich dafür seien laut BVG modernisierte und bedarfsgerechte Instandhaltungsprozesse, die für mehr Fahrzeugverfügbarkeit sorgen.
Wegen hohem Wartungsaufwand: U-Bahn bleibt größte Herausforderung für die BVG
Bei der Berliner U-Bahn stellt die BVG nach wie vor besondere Herausforderungen fest. Alte Fahrzeuge und komplexe Anlagen aus verschiedenen Jahrzehnten sorgen für einen hohen Wartungsaufwand. Dennoch konnte die Zuverlässigkeit auch hier leicht gesteigert werden, von 92 Prozent im zweiten Halbjahr 2024 auf 93,6 Prozent bis Mai 2025.
Ab Herbst 2025 soll die Einflottung neuer Fahrzeuge weitere Entlastung bringen. Die ersten neuen Züge vom Typ JK wurden bereits geliefert und befinden sich im Testbetrieb. Ab Herbst sollen sie auf der U2 eingesetzt werden, bis Ende 2025 sollen rund 140 neue Wagen verfügbar sein. Für die Linien U5 bis U9 ist der Start mit neuen Fahrzeugen im Sommer 2026 geplant.
Personaloffensive der Berliner Verkehrsbetriebe: Neue Mitarbeitende sollen Stabilität sichern
Zentraler Bestandteil der BVG-Strategie ist auch die Personaloffensive. Im ersten Halbjahr 2025 wurden rund 800 neue Beschäftigte eingestellt, drei Viertel davon im operativen Bereich. Das soll vor allem Ausfälle durch Personalmangel verhindern.
Nach Angaben von Personalvorständin Jenny Zeller-Grothe trage auch der neue Tarifvertrag dazu bei, dass mehr Menschen sich bewerben. Die Bewerbungszahlen seien um mehr als ein Viertel gestiegen, gleichzeitig gingen die Krankenstände leicht zurück. Die BVG sieht darin einen Beleg dafür, dass die Zufriedenheit im Unternehmen steige und der Betrieb damit stabiler werde.
Langfristige Investitionen in Infrastruktur: Digitale Technologien sollen Berliner Nahverkehr stärken
Parallel arbeite die BVG daran, infrastrukturelle Rückstände aufzuarbeiten. Investiert werde in Betriebshöfe, Werkstätten und Anlagen, ebenso wie in digitale Technologien. So soll unter anderem die U2 als Teststrecke für digitale Echtzeit-Informationen dienen. Außerdem werden moderne Signalsysteme erprobt, um den U-Bahn-Betrieb effizienter zu steuern.
Mit Blick auf die kommenden Jahre wolle die BVG verstärkt auf den Ausbau von Technologie und Automatisierung setzen. Das Ziel: Ein noch zuverlässigerer Nahverkehr, der dem wachsenden Bedarf in Berlin standhält. Ob es der BVG gelingt, damit das Vertrauen der Fahrgäste dauerhaft zurückzugewinnen, wird sich in den kommenden Monaten im Alltag erweisen.
Quelle: BVG
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


