Leerstehende Karstadt-Häuser könnten künftig zu Musterungszentren der Bundeswehr werden. Das Verteidigungsministerium prüft offenbar bundesweit geeignete Standorte, auch in Berlin. Mehrere Eigentümer zeigen sich gesprächsbereit.
Leopoldplatz, Wedding
Tempelhofer Damm
Wilmersdorfer Straße
Carl-Schurz-Straße
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Das seit geraumer Zeit am Leopoldplatz leerstehende Karstadt-Gebäude könnte ein zukünftiger Standort für Bundeswehrmusterungen werden. Seit der Schließung einer der größten Berliner Karstadt-Filialen wird heftig darüber diskutiert, was aus diesem, von außen betrachtet nach wie vor raumgreifenden Gebäudekomplex werden soll.
Neben den bisherigen Ideen, Überlegungen und Projektplanungen, die auf ihre Umsetzung warten, betritt jetzt ein neuer, gewichtiger Akteur den Ring und bekundet anscheinend ernsthaftes Interesse.
Bundesverteidigungsministerium plant bundesweit 24 neue Musterungsstandorte
Nach dem Beschluss des Deutschen Bundestages zum neuen Wehrdienstgesetz beschleunigt das Bundesverteidigungsministerium bundesweit massiv den Aufbau von 24 neuen Musterungszentren.
Bei der Auswahl der Gebäude legt man seitens des Verteidigungsministeriums den Fokus auf „atmosphärisch moderne und helle Räume“, die im Gegensatz zu früheren unwirtlichen Musterungsstuben zukünftig eine freundlichere und einladende Willkommenskultur ausstrahlen sollen.
Neue Musterungsstandorte sollen freundlich und einladend sein
Die bisherigen Musterungsstandorte sollen zunächst mit den derzeit vorhandenen räumlichen Gegebenheiten auskommen, bis die neuen Räumlichkeiten zum Sommer 2027 hin kapazitiv an den neuen Bedarf angepasst werden.
Das Bundesverteidigungsministerium beabsichtigt, so berichtete es Der Spiegel am 14. November 2025, „unter anderem leerstehende Karstadt-Filialen in Innenstädten als Musterungszentren anmieten zu wollen“. Dieses Prozedere wäre vergleichbar mit den Corona-Testzentren im Verlauf der Pandemie.
Anmietung leerstehender Berliner Karstadt-Filialen?
Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten, aber die bisher vernommenen Hinweise deuten auf Derartiges hin. Laut rbb24 soll die Versicherungskammer Bayern als Eigentümerin von drei ehemaligen Berliner Karstadt-Standorten ihre Bereitschaft für derartige Vermietungen bekundet haben.
Dabei betonte laut RBB eine Sprecherin, dass man der Vermietung von Gebäudeflächen aus dem Bestand der Versicherungskammer „zum Zwecke der Musterung von Wehrdienstleistenden offen gegenüberstehe“.
Musterungszentren: Mögliche Standorte in der Müllerstraße und am Tempelhofer Damm
Allerdings sei man mit Behörden und dem Bund „über Nutzungsoptionen in ihren Gebäuden im Austausch“, so die Sprecherin weiter. Konkreter hinsichtlich einer eventuellen Nutzung für Musterungen wurde man nicht.
Das Gebäude in der Müllerstraße steht – bis auf einen LIDL-Markt im Erdgeschoss – seit dem Ende der Karstadt-Ära leer. Der vorliegende Bebauungsplan beabsichtigt einen Umbau für kulturelle, soziale und sportliche Nutzungen.
Auch im Gebäude am Tempelhofer Damm hat LIDL eine Filiale eröffnet. Die oberen Etagen will die Bayerische Versicherungskammer vermieten. Angeblich soll es bereits Nachmieter geben, aber man wolle – sicher aus Gründen der Pietät – „kommenden Eröffnungen nicht vorgreifen“, so die Eigentümerin. Sollte es zu einer „Musterungsnutzung“ kommen, wäre eine „teilweise Abstimmung mit den bestehenden Nutzern“ erforderlich, so die Sprecherin.
Bundeswehr-Anforderungen: Was wird aus den Karstadt-Standorten Wilmersdorf und Spandau?
Übrigens ist die Bayerische Versicherungskammer auch Eigentümerin der ehemaligen Karstadt-Filiale in der Spandauer Carl-Schurz-Straße. Nach der Insolvenz des Karstadt-Konzerns konnte der Betrieb dieser Filiale durch Verhandlungen und ein „angepasstes Konzept“ vorerst aufrechterhalten werden.
Die ehemalige Karstadt-Filiale in der Wilmersdorfer Straße, Eigentümer ist der Immobilieninvestor Mark Capital Management, äußerte sich auf eine rbb24-Anfrage bisher nicht.
Quellen: RBB, Berliner Morgenpost, Bundesministerium für Verteidigung, Der Spiegel, Versicherungskammer Bayern
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Na, Mensch. Da haben sich alle mit Händen und Füßen gegen die Pläne der „bösen“ Investoren gewehrt, weil man „kulturelle Nutzungen“ wollte, ohne dafür irgendwelche konkreten Konzepte geschweige denn finanzielle Mittel zu haben, und jetzt bekommt man eine Musterungszentrum der Bundeswehr mitten in den Kiez. Na super!