Die geplante Anlage zur Holzverbrennung der BEW in Spandau stößt auf wachsende Kritik. Laut einem neuen Gutachten vom BUND Berlin werden zentrale Anforderungen des Immissionsschutzrechts nicht erfüllt. Insbesondere die langfristige CO₂-Bilanz und der hohe Holzbedarf gelten als problematisch.
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Olivier Cleynen, CC BY 4.0
Das geplante Holzkraftwerk am Standort Reuter West in Berlin-Spandau steht vor erheblichen rechtlichen und fachlichen Hürden. Ein aktuelles Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass das von der landeseigenen BEW geplante Projekt in seiner derzeitigen Form nicht genehmigungsfähig ist. Damit gerät ein zentrales Vorhaben der Berliner Wärmewende unter Druck – und mit ihm die Frage, wie die Hauptstadt ihre Wärmeversorgung künftig klimaneutral sichern will.
Ausgangspunkt der Debatte ist ein im Auftrag des BUND Berlin erstelltes Rechts- und Fachgutachten. Dieses prüfte die Voraussetzungen für eine immissionsschutzrechtliche Genehmigung des geplanten Holzheizkraftwerks und kommt zu einem klaren Befund: Die rechtlichen Anforderungen würden an mehreren Stellen verfehlt. Insbesondere die angenommene Klimaneutralität der Holzverbrennung sowie die Herkunft der eingesetzten Biomasse werden kritisch bewertet.
BEW-Holzkraftwerk entspricht nicht den Anforderungen des Bundes-Immissionsschutzgesetzes
Kern des Gutachtens ist die Einschätzung, dass das Projekt nicht den Maßgaben des Bundes-Immissionsschutzgesetzes entspricht. Demnach sei die Verbrennung großer Mengen Holz nicht automatisch als klimaneutral zu bewerten. Zwar werde Holz politisch oft als erneuerbarer Energieträger eingeordnet, tatsächlich entstünden jedoch erhebliche CO₂-Emissionen, die erst über Jahrzehnte durch nachwachsende Wälder wieder gebunden würden. Für den dringend notwendigen kurzfristigen Klimaschutz sei dieser Ansatz daher problematisch.
Hinzu kommen offene Fragen zur Herkunft des Holzes. Der prognostizierte Bedarf des Kraftwerks liege deutlich über dem regional verfügbaren Rest- und Abfallholz. Das Gutachten geht davon aus, dass ein erheblicher Teil der Biomasse importiert werden müsste. Das würde zusätzliche Emissionen durch Transport bedeuten und die ökologischen Belastungen in andere Regionen verlagern. Damit gerät auch die Versorgungssicherheit ins Wanken.
Kritik am Vorhaben: Steigende Wärmepreise durch starke Preisschwankungen möglich
Neben den ökologischen Aspekten werden auch wirtschaftliche Risiken benannt. Umweltverbände und politische Akteure warnen davor, dass ein holzbefeuertes Großkraftwerk langfristig zu steigenden Wärmepreisen führen könnte. Denn die Beschaffung von Holz auf internationalen Märkten unterliege starken Preisschwankungen. Gerade vor dem Hintergrund steigender Energiepreise und sozialer Spannungen gewinnt diese Frage an Gewicht.
Auch innerhalb der Berliner Politik stößt das Projekt zunehmend auf Kritik. Die Grüne Fraktion Berlin sieht in dem Gutachten eine Bestätigung ihrer Skepsis und fordert, den Fokus stärker auf echte Alternativen zu legen. Dazu würden der konsequente Ausbau von Großwärmepumpen, die Nutzung industrieller Abwärme, Geothermie sowie eine deutlich schnellere energetische Sanierung des Gebäudebestands zählen.
Spandau: Reuter West soll zum zentralen Standort der Fernwärmeversorgung werden
Für Berlin ist der Standort Reuter West von zentraler Bedeutung. Nach dem Kohleausstieg soll das Areal eine Schlüsselrolle in der Fernwärmeversorgung übernehmen. Das nun vorliegende Gutachten verschärft jedoch den Handlungsdruck auf Senat und landeseigene Energieunternehmen.
Ob die BEW ihre Planungen anpasst oder das Projekt grundlegend neu ausrichtet, ist derzeit offen. Klar ist jedoch: Die Diskussion um das Holzkraftwerk Reuter West markiert einen Wendepunkt in der Berliner Wärmedebatte. Sie zeigt, wie komplex der Umbau der Energieinfrastruktur ist; und dass Klimaschutz, Genehmigungsrecht und soziale Fragen dabei untrennbar miteinander verbunden sind.
Quellen: BUND Berlin, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Berliner Morgenpost, taz
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



