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In der Schlüterstraße 44 entsteht ein neues Büro- und Geschäftshaus, das die gewerbliche Nutzung nahe dem Ku’damm weiter stärken will. Der Neubau soll bis Ende 2026 fertig sein, war aber wegen des Abrisses eines geförderten Wohnhauses nicht unumstritten.

Visualisierung des Neubaus in der Schlüterstraße 44

Visualisierung des geplanten Neubaus in der Schlüterstraße 44 in Berlin-City West. Das sieben­geschossige Gebäude soll künftig hochwertige Büro- und Gewerbeflächen zwischen Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße bieten. / © Visualisierung: christoph ingenhoven und ingenhoven associates

© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Zwischen Kurfürstendamm und Lietzenburger Straße entsteht derzeit ein neues Büro- und Geschäftshaus. In der Schlüterstraße 44 wird ein siebengeschossiger Neubau realisiert, der die gewerbliche Nutzung in diesem Teil der City West deutlich ausbauen soll. Auftraggeber ist die Thomas Bscher Beteiligungsgesellschaft mbH, den architektonischen Entwurf liefert das international tätige Büro Christoph Ingenhoven Architects.

Der Hochbau läuft seit Anfang 2025 und ist inzwischen weithin sichtbar. Nach aktueller Planung soll das Gebäude im November 2026 fertiggestellt werden.

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An der Schlüterstraße entstehen Flächen für Büro und Gewerbe

Das Neubauprojekt umfasst zwei unterirdische Geschosse mit Parkbereichen. Darüber entstehen vom Erdgeschoss bis zum sechsten Obergeschoss Büro- und Geschäftsflächen.

Architektonisch setzt das Gebäude dabei auf eine klare, zeitgenössische Formsprache: Großflächige Glasfassaden, Stahlkonstruktionen und auskragende Erker sollen künftig das Erscheinungsbild prägen und ein repräsentatives Bürohaus zu schaffen, das sich in die dichte City West-Bebauung einfügt, gleichzeitig aber auch neue Akzente setzt. Seit einigen Monaten konzentrieren sich die Arbeiten auf die Fassadenmontage, die auf der Baustelle bereits deutlich voranschreitet.

Grundstück in der City West: Abriss eines geförderten Mietshauses

Von Beginn an wird das Vorhaben jedoch auch von kritischen Stimmen begleitet. Noch bis vor wenigen Jahren stand dort ein Wohnhaus aus dem Jahr 1965, das nach dem Auszug der letzten Mieter zwischen 2023 und 2024 vollständig abgerissen wurde.

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Das Haus war mit öffentlichen Fördermitteln errichtet worden und befand sich nach Angaben aus dem Umfeld in einem guten baulichen Zustand. Noch 2012 hatte der damalige Eigentümer, der bekannte ehemalige Rennfahrer Thomas Bscher, eine umfassende Strangsanierung durchführen und neue Bäder einbauen lassen.

„Kein schützenswerter Wohnraum“: Mietparteien erhielten Verwertungskündigungen

Bereits im März 2021 hatte das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf für das Grundstück jedoch ein sogenanntes Negativattest ausgestellt. Damit wurde festgestellt, dass es sich rechtlich nicht um schützenswerten Wohnraum handele, und die Verpflichtung, Ersatzwohnraum zu schaffen, entfiel. Die verbliebenen Mietparteien erhielten in der Folge Verwertungskündigungen.

Der für Zweckentfremdung zuständige Bezirksstadtrat Arne Herz (CDU) erklärte gegenüber dem Berliner Mieterverein e.V später, ausschlaggebend sei eine wirtschaftliche Betrachtung gewesen: Ein Neubau sei rentabler als der Weiterbetrieb des Wohnhauses. Das Rechtsamt habe diese Einschätzung geprüft und bestätigt.

Bürohaus-Neubau in Charlottenburg zwischen Kritik und Standortstärkung

Vor allem bei Mieterinitiativen stieß das Vorgehen auf deutliche Kritik. Gegner des Projekts verweisen darauf, dass das Haus weder leer gestanden noch vernachlässigt gewesen sei und dennoch abgerissen wurde. Der Neubau gilt vielen als weiteres Beispiel dafür, wie in Charlottenburg-Wilmersdorf zunehmend bezahlbarer Wohnraum zugunsten renditestärkerer Büro- und Gewerbeprojekte verloren geht.

Gleichzeitig ist der Standort am Kurfürstendamm ohnehin von hochwertigen Büros und Geschäften geprägt. In diesem Kontext will sich der Neubau einfügen und einen weiteren Schritt in der städtebaulichen Entwicklung der City West als moderner Büro- und Geschäftsstandort markieren.

Baustelle in der Schlüterstraße

Blick auf die Baustelle in der Schlüterstraße 44. Nach dem vollständigen Abriss des Bestandsgebäudes und dem Start des Hochbaus im Jahr 2025 wird derzeit an der Fassade gearbeitet. Die Fertigstellung des Neubaus ist für November 2026 vorgesehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: christoph ingenhoven architects, Wem gehört Berlin, Berliner Mieterverein e.V., Architektur Urbanistik, Medicke

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2 Kommentare

  1. Max 28. Januar 2026 at 16:36 - Reply

    Die jungen Menschen verlassen Charlottenburg schon seit Jahren, der Stadtteil altert deutlich schneller als andere. Kein Wunder, wenn dem Kommerz mit Maximalanspruch Vorrang vor den Anwohnern gegeben wird. Wohnraum entsteht wenn dann fast ausschließlich im hochpreisigen oder gar Luxus-Segment, der Bestand ist nicht heruntergekommen, aber auch nicht in bestem Zustand und hat mittlerweile einige Jahrzehnte auf dem Buckel. Dazu sind viele zentrale Plätze, Straßen und Wege in schlechtem Zustand und oftmals außerordentlich hässlich. Die Straßenbahn und lebenswertere öffentliche Räume werden von der Bezirkspolitik zu gern torpediert, dem Auto kein Zentimeter genommen, eher sogar noch zuzüglich gewährt.

    Es ist alles nicht überraschend… die Zukunft Berlins liegt nicht im alten Westen, sondern im neuen Osten der Stadt. Dort, wo Wohnen, Arbeiten und sozioökonomische Verhältnisse deutlich mehr gemischt werden als im alten, segregierten Westteil der Stadt

  2. DIETER 29. Januar 2026 at 10:49 - Reply

    The Berlinian am Alex, schon der Nane ist ein Skandal, ist das beste Beispiel für eine misslungenen Baupolitik, nach dem Motto“Büros statt Wohnungen“ ist eine Bankrotterklärung, die sich in den Bezirken fortsetzt.

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