Bei „Brooks on East“ treffen moderne Wohntürme auf Bauten des alten Schlesischen Güterbahnhofs. Ein starker Kontrast mitten in Friedrichshain.

Die 86 und 95 Meter hohen Türme von „Brooks on East“ ragen über das Quartier an der Mediaspree in Berlin-Friedrichshain.

Die Architektur von „Brooks on East“ prägt inzwischen die Silhouette zwischen Ostbahnhof und Spree. Die beiden Wohntürme erreichen 86 und 95 Meter. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

ANZEIGE

 

Zwischen Ostbahnhof, Spree und Uber Arena ist in den vergangenen Jahren eine neue Stadtkulisse entstanden. Besonders deutlich wird der Wandel an einem Ort, den man neben den beiden hohen Türmen von „Brooks on East“ leicht übersehen könnte. Direkt am Fuß des Neubauprojekts stehen kleine historische Gebäude. Sie erzählen von einer Zeit, in der hier keine Wohnungen mit Panoramablick geplant wurden, sondern Güterzüge, Kohlelager und Eisenbahner den Alltag bestimmten.

  • Bezirk: Friedrichshain-Kreuzberg
  • Adresse: Mariane-von-Rantzau-Straße 8 / Mühlenstraße, 10243 Berlin
  • Projektstatus: Im Bau
  • Fertigstellung: nach aktuellem Stand 2027
  • Höhe: 86 und 95 Meter
  • Nutzung: Eigentumswohnungen, Serviced Apartments, Büro-, Gastronomie- und Gewerbeflächen

Wer heute an der Mühlenstraße steht, sieht zunächst die Dimensionen von „Brooks on East“. Die beiden Türme erreichen 86 und 95 Meter und wachsen aus mehrgeschossigen Sockelbauten heraus. Nöfer Architekten, die das Projekt seit 2013 bearbeiten, beziehen die Formensprache ausdrücklich auf die Berliner Frühmoderne.

ANZEIGE

Horizontale Fassadenbänder ziehen sich über die Türme und die niedrigeren Gebäudeteile. Travertin verbindet die unterschiedlichen Baukörper optisch miteinander. Insgesamt umfasst das Ensemble nach Angaben des Architekturbüros rund 60.000 Quadratmeter Geschossfläche. Doch gerade auf Straßenniveau zeigt sich, dass hier nicht nur ein neues Hochhausquartier entstanden ist.

Die moderne Architektur von „Brooks on East“ zeigt helle Natursteinfassaden, Balkone, große Fenster und einen der beiden Hochhaustürme in Friedrichshain.

Helle Natursteinfassaden, horizontale Linien und gerundete Gebäudeecken bestimmen die Architektur der Sockelbauten und Türme von „Brooks on East“. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

„Brooks on East“ trifft auf mehr als 100 Jahre Eisenbahngeschichte

Direkt neben den hellen Natursteinfassaden, großen Fensterflächen und gerundeten Ecken der Neubauten stehen deutlich kleinere Gebäude aus einer anderen Epoche. Besonders auffällig sind ein niedriges Pförtnerhaus sowie ein mehrgeschossiger Bau mit gelber Putz- und roter Backsteinfassade. Sie gehören zum historischen Bestand des früheren Schlesischen Güterbahnhofs.

ANZEIGE

Das Landesdenkmalamt Berlin führt die Anlage an der Mühlenstraße 33 und 34 als geschützte Gesamtanlage. Zum erhaltenen Bestand gehören ein Amts- beziehungsweise Verwaltungsgebäude, ein früheres Übernachtungsgebäude für Bahnpersonal, die Toranlage und das kleine Pförtnerhaus. Damit stehen am Fuß der neuen Hochhäuser mehrere Zeugnisse der früheren Nutzung des Areals.

Nahe „Brooks on East“: Historische Bahnbauten stammen aus den Jahren 1907 bis 1910

Die heute noch vorhandenen Gebäude entstanden zwischen 1907 und 1910. Bauherr war die Königliche Eisenbahndirektion. Das Übernachtungsgebäude wurde 1907 im Zusammenhang mit einem neuen Lokomotivschuppen errichtet. Dort konnten Beschäftigte der Bahn unterkommen. Heute dient der Bau nach Angaben des Landesdenkmalamts als Verwaltungsgebäude. Das Pförtnerhaus und die Toranlage folgten 1910 und markierten den Zugang zum Güterbahnhof.

Die Geschichte des Standorts reicht allerdings wesentlich weiter zurück. Bereits 1842 eröffnete hier der Bahnhof der Frankfurter Bahn. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Bahninfrastruktur stark. 1867 nahmen die Güteranlagen der Schlesischen Bahn an der Mühlenstraße ihren Betrieb auf. Hinzu kamen Werkstätten für die Wartung von Lokomotiven und Wagen. Schritt für Schritt entwickelte sich daraus ein großer Güterbahnhof.

ANZEIGE

Historisches Bahngebäude mit gelber Putz- und roter Backsteinfassade vor einem Wohnturm des Projekts „Brooks on East“ in Friedrichshain.

Mehr als 100 Jahre Baugeschichte auf engem Raum: Historische Gebäude des Schlesischen Güterbahnhofs treffen unmittelbar auf die Neubauten von „Brooks on East“. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Schlesischer Güterbahnhof war ein wichtiger Umschlagplatz

Wie groß die Anlage einmal war, lässt sich im heutigen Stadtbild kaum noch erkennen. Nach Angaben des Landesdenkmalamts gehörten unter anderem eine 18 Meter breite Güterfahrstraße, eine weitere Fahrstraße, Freiladegleise, eine überdachte Säurerampe und Lagerplätze für Kohle aus Schlesien zum Bahnhof. Außerdem führten zahlreiche private Gleisanschlüsse auf das Gelände.

Eine rund 200 Meter lange Pferderampe ermöglichte im Mobilmachungsfall auch eine militärische Nutzung. Das Landesdenkmalamt beschreibt den Schlesischen Güterbahnhof für diese Epoche als wichtigsten Umschlagplatz des Osthandels. Die wenigen erhaltenen Gebäude an der Mühlenstraße sind damit Überreste eines wesentlich größeren Bahnareals, das diesen Teil Friedrichshains über Jahrzehnte prägte.

Architektur von „Brooks on East“ setzt bewusst einen eigenen Akzent

Die Architektur von „Brooks on East“ versucht nicht, die historischen Bahnbauten nachzuahmen. Nöfer Architekten, die das Konzept für den Neubau geliefert haben, setzten stattdessen auf eine eigenständige Großform. Die beiden Hochhäuser wachsen aus zwei sieben Geschosse hohen Flügelbauten empor. An deren Süd- und Westseiten sind zwei Stadtplätze angeordnet. Starke horizontale Linien gliedern die Fassaden der Türme, während sich die Fassaden in den unteren Geschossen stärker schließen. Als gestalterischen Bezug nennt das Büro die Berliner Frühmoderne.

Dadurch bleibt der architektonische Gegensatz zum historischen Bestand deutlich sichtbar. Backstein, Putz, Satteldächer und kleinteilige Fenster treffen unmittelbar auf helle Natursteinfassaden, große Fensterflächen und Hochhäuser von mehr als 80 Metern Höhe. Besonders das niedrige Pförtnerhaus wirkt vor den neuen Baukörpern fast maßstäblich entrückt.

Historisches Pförtnerhaus und ehemalige Bahngebäude stehen direkt vor der modernen Architektur des Hochhausprojekts „Brooks on East“ in Berlin-Friedrichshain.

Am Fuß der modernen Architektur von „Brooks on East“ stehen erhaltene Gebäude des früheren Schlesischen Güterbahnhofs, darunter das historische Pförtnerhaus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Vom Güterbahnhof zum dicht bebauten Stadtquartier

Gerade dieser Kontrast macht die Entwicklung des Standorts sichtbar. Dabei geht es nicht allein um unterschiedliche Baustile. Auch die Funktion des Areals hat sich grundlegend verändert. Wo einst Güter umgeschlagen, Lokomotiven gewartet und Eisenbahner untergebracht wurden, entstehen heute Wohnungen, Serviced Apartments sowie Büro- und Gewerbeflächen.

Die erhaltenen Bahnbauten bilden deshalb einen direkten historischen Bezugspunkt innerhalb des neuen Quartiers. Zwischen dem kleinen Pförtnerhaus und den beiden Türmen von „Brooks on East“ liegen mehr als 100 Jahre Berliner Baugeschichte.

Während das Hochhausprojekt seiner Fertigstellung entgegengeht, bleibt ein Teil der früheren Eisenbahnstadt direkt an seinem Fuß ablesbar. Direkt angrenzend befindet sich mit dem historischen Postbahnhof ein weiteres ehemaliges Bahngelände, das künftig als Gewerbecampus genutzt werden soll und kürzlich neu eröffnet wurde.

Brooks on East
Das Hochhausensemble Brooks on East in Friedrichshain umfasst zwei 86 und 95 Meter hohe Türme mit Wohnungen, Serviced Apartments sowie Büro- und Gewerbeflächen. Die Fertigstellung ist für 2027 vorgesehen.

 

Quellen: Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank, Nöfer Gesellschaft von Architekten, Brooks on East, Red Square, hww / Projektkommunikation

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.