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Am Breitscheidplatz in Charlottenburg-Wilmersdorf sorgt das Sicherheitskonzept seit Jahren für Diskussionen. Seit fast einem Jahrzehnt prägen massive Poller und Metallkörbe den Breitscheidplatz. Was als provisorische Anti-Terror-Maßnahme begann, ist längst zum Dauerzustand geworden. Zwischen Senat und Bezirk herrscht Uneinigkeit über ein neues Sicherheits- und Gestaltungskonzept.
Poller-Absperrungen am Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche.

Am Breitscheidplatz stehen seit Jahren massive Poller, die das Bild des Platzes bestimmen und den Bereich schützen sollen. Doch über ein neues Sicherheitskonzept herrschen weiterhin Differenzen. / © Foto: IMAGO / Nordphoto

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Hunderte Metallkörbe mit Sandsäcken und rot-weiße Poller sichern seit 2016 den Breitscheidplatz in Charlottenburg. Ursprünglich sollten die Absperrungen nur vorübergehend den Weihnachtsmarkt schützen. Inzwischen sind sie fester Bestandteil des Platzes und sorgen für Uneinigkeit und Unzufriedenheit einiger Beteiligter.

Bausenator Christian Gaebler (SPD) kritisierte gegenüber der Berliner Morgenpost, es fehle bisher an einer gestalterisch überzeugenden Lösung. Er verwies auf London, wo Barrieren am Trafalgar Square so gestaltet seien, dass sie wie Stadtmöbel wirkten. Am Breitscheidplatz dagegen dominiere ein martialisches Bild. Zudem sei problematisch, dass die neuen Sperren nicht mehr mobil seien. Dies könne den Aufbau des Weihnachtsmarktes gefährden, wenn nicht rechtzeitig alternative Lösungen entwickelt würden.

Bezirk verweist auf fertiges Sicherheitskonzept: Streit über Umsetzung und dauerhafte Barrieren an Budapester Straße

Während die Stadtentwicklungsverwaltung Anpassungen fordert, betont Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne), dass längst ein Sicherheitskonzept vorliege. Dieses sehe vor, die Stahlgitterkörbe an der Rankestraße durch halb im Boden versenkte Barrieren zu ersetzen. Jene seien weniger auffällig, aber ebenso wirksam. Laut Schruoffeneger habe der Senat das Konzept bereits vor zwei Jahren erhalten, jedoch kaum reagiert, wie die Berliner Morgenpost berichtet.

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Auch für die Budapester Straße gibt es Pläne: Während des Weihnachtsmarktes sollen Poller und Metallkörbe auf den Mittelstreifen versetzt werden, sodass nur eine Fahrspur je Richtung bleibt. Neu wäre, dass diese Barrieren nicht nach Ende des Marktes verschwinden, sondern über mehrere Jahre stehen bleiben. Grund dafür ist die anstehende Sanierung des Glockenturms der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche.

Verkehrsberuhigung statt Poller: Bezirk setzt auf weniger Autoverkehr und mehr Aufenthaltsqualität am Breitscheidplatz

Parallel dazu verfolgt der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ein umfassenderes Konzept, das langfristig auf Poller verzichten könnte. Vorgesehen ist, die Budapester Straße dauerhaft auf eine Spur pro Richtung zu reduzieren. Damit entfiele die Möglichkeit einer direkten Durchfahrt auf den Platz. Sicherheit würde so über Verkehrslenkung erreicht, nicht über massive Sperren.

Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne) erklärte der Berliner Morgenpost, eine Entschärfung des Durchgangsverkehrs sei machbar. Mehr Aufenthaltsqualität, Begrünung und Gestaltungselemente sollen künftig den Platz prägen. Auch Kunstobjekte oder Sitzgelegenheiten könnten eine neue Rolle übernehmen. Vertreterinnen der Grünen betonten, dass solche Elemente nicht ausschließen, sondern den Raum beleben würden.

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Weihnachtsmarkt bleibt trotz Barrieren gesichert: Anschlag von 2016 prägt Debatte um Sicherheit und Stadtgestaltung bis heute

Klar ist, dass der Weihnachtsmarkt auch 2025 stattfinden soll. Schruoffeneger versicherte, die Sicherheit sei gewährleistet. Während der Markt weiter geplant wird, nutzen die Verantwortlichen die Zeit, um die verkehrlichen Auswirkungen der geplanten Barrieren zu prüfen.

Die Erinnerung an den Anschlag von 2016 bleibt präsent. Zwölf Menschen starben, dutzende wurden verletzt. Seitdem ist der Platz von Sicherheitsdiskussionen geprägt. Dass die provisorischen Absperrungen noch immer stehen, zeigt, wie schwierig es ist, zwischen Sicherheit, Stadtgestaltung und Nutzungskonflikten eine tragfähige Lösung zu finden.

Poliezikräfte am Breitscheidplatz 2016 nach einem terroristischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt.

Nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt 2016 wurde der Breitscheidplatz mit provisorischen Pollern gesichert. Künftig soll ein neues Verkehrskonzept mit beruhigter Zone die Sicherheit gewährleisten, ganz ohne Poller. / © Foto: depositophotos.com

Quellen: Berliner Morgenpost, Berlin.de

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2 Kommentare

  1. Tobias Baumann 23. August 2025 at 12:49 - Reply

    „Unzufriedenheit einiger Beteiligter..“ ist hier mal wieder maximal euphemistisch formuliert. Im Klartext müsste man schreiben, dass der Breitscheidplatz mittlerweile zu einem Schandfleck geworden ist und sich dieser wie auch viele andere provisorisch „gestaltete“ Stadträume einreihen in eine lange Liste verhunzter Orte. Diese stehen für eine Mischung aus politischer Ignoranz sowie Staats- und Verwaltungsversagen, was Berlin seit etwa 20 Jahre nun nachhaltig geprägt hat.

  2. Sergio, 24. August 2025 at 15:19 - Reply

    Machen Sie eine Fußgängerzone, von der Joachimstr. bis zur Nürnbergstr. oder nur für Busse,

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