Berlin braucht Wohnungen und zugleich Flächen, die bei Hitze für Abkühlung sorgen. Ein Dossier des BUND Berlin sucht deshalb an ungewöhnlichen Orten nach Bauland. Dabei geraten Parkplätze, Autohändler und eingeschossige Märkte in den Blick.
Dreifaltigkeit III
Emmauswald
Dreieck Späthsfelde
Pankower Tor
Nordend
Elisabethaue
Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik
Westkreuzpark
Klimainsel
© Titelbild: Hosoya Schaefer Architects AG / AgenceTer.de GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Große Parkplätze, eingeschossige Supermärkte, Flächen des Autohandels oder überdimensionierte Straßen: In Berlin gibt es zahlreiche Orte, die viel Fläche beanspruchen und vergleichsweise wenig genutzt werden. Der BUND Berlin hat untersucht, welchen Beitrag solche Grundstücke zum Wohnungsbau leisten könnten. Das Ergebnis stellt einige der derzeit diskutierten Berliner Großprojekte in einen neuen Zusammenhang.
- Stadt: Berlin
- Untersuchte Wohnungsbauvorhaben: neun
- Wohnungen in den untersuchten Ausgangsplanungen: 360
- Potenzial auf vorgeschlagenen Alternativflächen: 510 Wohnungen
Berlin plant zahlreiche neue Wohnquartiere, doch einige davon greifen in bislang unbebaute Flächen ein. Der BUND Berlin stellt diesem Vorgehen eine andere Strategie gegenüber. Für sein 46-seitiges Dossier „Bauprojekte auf grünen Flächen?“ ließ der Verband das Umfeld von neun geplanten Wohnungsbauprojekten untersuchen. Gesucht wurden Flächen, die bereits weitgehend versiegelt und gut erschlossen sind. Das Ergebnis: Nach Berechnung des BUND könnten dort insgesamt 8.510 Wohnungen Platz finden.
BUND-Dossier: 8.510 Wohnungen auf bereits versiegelten Flächen
Die errechneten 8.510 Wohnungen verteilen sich dabei nicht auf neun große Ersatzgrundstücke. Für jedes der neun untersuchten Bauvorhaben kombiniert das Dossier mehrere kleinere Standorte. Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu großen neuen Stadtquartieren: Statt eines zusammenhängenden Areals müssten zahlreiche Grundstücke entwickelt werden. Der BUND kommt über alle untersuchten Alternativstandorte auf eine durchschnittliche Dichte von rund 145 Wohnungen je Hektar.
Allerdings ersetzt dieses Potenzial die untersuchten Neubauvorhaben rechnerisch nicht vollständig. In den neun Ausgangsprojekten sind zusammen 11.360 Wohnungen vorgesehen. Zwischen beiden Zahlen liegen damit 2.850 Wohnungen. Der BUND verweist für diese Differenz unter anderem auf weitere Baulücken, die Umnutzung von Gewerbeflächen und eine stärkere Mischung von Wohnen und Arbeiten. Auch leerstehende Büroflächen betrachtet der Verband als zusätzliches Potenzial.

Das Baufeld des künftigen Quartiers „Neulichterfelde“ auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Parks Range in Berlin-Lichterfelde. Von den rund 97 Hektar des Gesamtareals werden 36 bis 39 Hektar bebaut. / © Foto: degewo mit WÖHR + BAUER
Von Lichterfelde Süd bis Pankow: BUND stellt Großprojekte infrage
Wie unterschiedlich die Konflikte ausfallen, zeigt Neulichterfelde im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Nach aktuellem Projektstand sollen dort rund 2.700 Wohnungen entstehen. Der BUND kritisiert vor allem den Flächenbedarf von Reihen- und Doppelhäusern und argumentiert, dass eine stärkere Konzentration auf Mehrfamilienhäuser Eingriffe in Naturflächen verringern könnte. Das Gesamtprojekt sieht zugleich den Erhalt großer Teile der Lichterfelder Weidelandschaft vor.
Auch das Pankower Tor gehört zu den vom BUND thematisierten Fällen. Auf dem ehemaligen Rangierbahnhof sollen nach Angaben des Verbands 2.000 bis 2.500 Wohnungen sowie soziale Infrastruktur und Handel entstehen. Zugleich leben auf Teilen des Geländes Kreuzkröten. Der Konflikt zwischen Artenschutz und Bebauung begleitet das Projekt seit Jahren. Gerade solche Auseinandersetzungen führt der BUND als Argument dafür an, zunächst stärker auf bereits versiegelten Flächen zu bauen.

Im Quartier Pankower Tor soll ein fein abgestuftes Wegenetz aus kleinen Nachbarschaftswegen und übergeordneten Verbindungen entstehen, das kurze Alltagswege ebenso ermöglicht wie die Anbindung an das umliegende Stadtgefüge. / © Visualisierung: Nöfer Architekten
Elisabeth-Aue: 5.000 Wohnungen und eine grundsätzliche Flächenfrage
Besonders groß ist die Dimension auf der Elisabeth-Aue in Pankow. Dort plant Berlin inzwischen ein Quartier mit rund 5.000 Wohnungen auf etwa 73 Hektar. Vorgesehen sind außerdem Schulen, Kitas, Nahversorgung und ein großer Landschaftspark. Die Fläche wird derzeit überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Auch dieses Vorhaben zeigt damit die grundsätzliche Frage, die hinter dem BUND-Dossier steht: Wie viel bislang unbebaute Fläche soll Berlin für neue Wohnungen nutzen?
Die 8.510 Wohnungen aus dem Dossier sind dabei keine genehmigten oder bereits konkret geplanten Wohnungen. Der BUND legt städtebauliche Vorschläge vor. Eigentumsverhältnisse, bestehendes Planungsrecht, Nutzungskonflikte, Wirtschaftlichkeit und weitere Voraussetzungen müssten für die einzelnen Standorte separat geprüft werden. Das Dossier zeigt damit vor allem ein rechnerisches und städtebauliches Potenzial – und macht sichtbar, wie viel Fläche in Berlin heute durch Nutzungen wie ebenerdige Parkplätze oder eingeschossigen Handel belegt ist.
Quellen: BUND Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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Man müsste Verbände wie den BUND entmachten und das durchsetzen was die Demokratisch gewählte Politik fordert !