Der Borsigturm in Berlin-Tegel war 1922 das erste Hochhaus der Stadt und ist bis heute ein Symbol der Industriekultur. Während das Bürohochhaus inzwischen wieder vermietet ist, haben die Borsighallen zwischenzeitlich an Bedeutung verloren, da die Nachfrage im Einkaufszentrum spürbar zurückgegangen ist.

Während das Bürohochhaus inzwischen wieder vollständig vermietet ist, haben die benachbarten Borsighallen an Bedeutung verloren, da die Nachfrage im Einkaufszentrum spürbar zurückgegangen ist. / © Foto: Wikimedia Commons, Fridolin freudenfett, CC BY-SA 4.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Flocci Nivis, CC BY 4.0
Mit dem Bau des Borsigturms erhielt Berlin im Jahr 1922 sein erstes Hochhaus. Der Architekt Eugen Schmohl entwarf den 65 Meter hohen Turm auf einer Grundfläche von nur 20 mal 16 Metern. Das Stahlskelett wurde mit Backstein verkleidet und durch Gesimse in drei Abschnitte gegliedert. Besonders auffällig ist der gezackte Dachaufbau, in dem sich ein Festsaal sowie ein Wasserreservoir für das Werksgelände befanden. Schnell entwickelte sich das Gebäude zum Wahrzeichen der Borsigwerke in Tegel.
Die Borsigwerke selbst gehörten im 19. und frühen 20. Jahrhundert zu den größten Lokomotivproduzenten Europas. Nach der Weltwirtschaftskrise von 1929 verlor das Unternehmen seine Selbstständigkeit, konnte jedoch trotz mehrerer Besitzerwechsel weiterbestehen. Der Turm überstand den Zweiten Weltkrieg beschädigt, wurde in den 1970er und 1990er Jahren saniert und steht heute unter Denkmalschutz.
Der Borsigturm in Tegel als Bürohaus: Neue Nutzungskonzepte und Vollvermietung durch Bosch
Bis heute dient der Borsigturm als Bürogebäude. Nach mehreren Modernisierungen ist er weiterhin ein zentraler Bestandteil des Borsig-Areals. In den 1990er Jahren entwickelte der Architekt Claude Vasconi ein neues städtebauliches Konzept für das Gelände, das neben dem Turm auch ein Hotel, Bürogebäude und ein Einkaufszentrum vorsieht.
Jüngst hat die Bosch Home Comfort Group, vormals Bosch Thermotechnik, einen langfristigen Mietvertrag über rund 4.000 Quadratmeter Bürofläche im Borsigturm abgeschlossen. Damit ist das Hochhaus vollständig vermietet. Der Einzug soll Ende des Jahres erfolgen und das Umfeld wieder stärker in den Fokus rücken.
Leerstand in den Borsighallen: Einkaufszentrum kämpft mit fehlender Kundschaft
Während der Borsigturm neue Stabilität erfährt, zeigen die benachbarten Borsighallen ein gegenteiliges Bild. In den umgenutzten Werkshallen befindet sich seit den 1990er Jahren ein Einkaufszentrum, das jedoch seit einiger Zeit mit sinkender Nachfrage und leerstehenden Ladenflächen zu kämpfen hat. Viele Geschäfte berichten von einem deutlichen Rückgang der Kundenzahlen.
Die Schwierigkeiten in Tegel sind kein Einzelfall. Auch andere ehemalige Einkaufszentren in Berlin, etwa das leerstehende Karstadt-Gebäude am Leopoldplatz, verdeutlichen den Strukturwandel im Einzelhandel. Große Verkaufs- und Gewerbeflächen lohnen sich immer weniger an dezentralen Standorten. Damit stellt sich auch für die Borsighallen die Frage nach einer Neuausrichtung, während der Borsigturm weiterhin als Symbol einer vergangenen Industrieepoche erhalten bleibt.
Quellen: Berlin.de, visit BERLIN, Immobilien Zeitung, BZ
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