Einst vor dem Berliner Schloss errichtet, später vor dem Roten Rathaus wieder aufgebaut: Der historische Neptunbrunnen in Berlin-Mitte blickt auf eine außergewöhnliche Geschichte zurück. Nun beginnt die Sanierung des historischen Wahrzeichens, während der Streit um seinen Standort weiter anhält.

Nach der Sprengung des Stadtschlosses: Der Neptunbrunnen auf einer Aufnahme aus dem Jahr 1951. / © Foto: Wikimedia Commons / Bundesarchiv, Bild 183-10694-0015 / Rudolph (CC-BY-SA 3.0)
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons (Public domain)
Als im Frühjahr 1945 Bomben auf das historische Zentrum Berlins fielen und große Teile der Stadt in Trümmern versanken, stand auch der Neptunbrunnen vor einer ungewissen Zukunft. Rund um das Berliner Schloss loderten Brände, Fassaden stürzten ein, Straßenzüge wurden zerstört.
Der monumentale Brunnen des Bildhauers Reinhold Begas überstand die letzten Kriegstage zwar beschädigt, aber weitgehend intakt. Dass er Jahrzehnte später zu einem der umstrittensten Kunstwerke der Berliner Mitte werden würde, ahnte damals noch niemand.
Der Neptunbrunnen entstand als repräsentatives Kunstwerk vor dem Berliner Schloss
Der Neptunbrunnen wurde zwischen 1888 und 1891 nach Entwürfen des Bildhauers Reinhold Begas geschaffen. Auftraggeber war Kaiser Wilhelm II., der den Brunnen als repräsentatives Schmuckstück für den Schlossplatz errichten ließ. Standort war die Südseite des Berliner Schlosses, direkt auf dem Schlossplatz, zwischen Marstall und Stadtschloss.
Mit seiner opulenten Gestaltung gilt der Brunnen bis heute als eines der bedeutendsten Werke des Berliner Neobarock. Im Zentrum thront die Figur des Meeresgottes Neptun mit Dreizack. Umgeben wird er von vier weiblichen Figuren, die die damals wichtigsten preußischen Ströme symbolisieren: Rhein, Elbe, Weichsel und Oder.
Der Brunnen war dabei weit mehr als ein dekoratives Element. Er sollte die Macht und Bedeutung Preußens unterstreichen und zugleich den städtebaulichen Mittelpunkt des Schlossumfeldes markieren. Bereits kurz nach seiner Fertigstellung entwickelte sich das Ensemble zu einem der bekanntesten Orte der Berliner Mitte.
Zweiter Weltkrieg: Der Neptunbrunnen übersteht die Zerstörung des historischen Zentrums
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Umfeld des Brunnens massiv zerstört. Das Berliner Schloss brannte nach schweren Luftangriffen 1945 weitgehend aus. Auch der Neptunbrunnen erlitt Schäden, unter anderem an den Figuren und technischen Anlagen.
Anders als das Schloss selbst blieb der Brunnen jedoch erhalten. Während die DDR-Führung die schwer beschädigte Schlossruine 1950 sprengen ließ, wurde der Neptunbrunnen eingelagert und gesichert. Damit entging das Kunstwerk jenem Schicksal, das zahlreiche historische Bauwerke der Berliner Mitte ereilte.
Dass der Brunnen die politische Neuordnung der Stadt überhaupt überdauerte, galt lange als bemerkenswert. In der jungen DDR stand die monarchische Symbolik des Werkes eigentlich im Widerspruch zum sozialistischen Stadtbild, das rund um den Marx-Engels-Platz entstehen sollte.

Eine Postkarte aus dem Jahr 1905: Der Neptunbrunnen vor der Südseite des Schlosses. / © Foto: Wikimedia Commons
Wiederaufbau in Ost-Berlin: Der Neptunbrunnen zieht vor das Rote Rathaus
Erst Ende der 1960er-Jahre kehrte der Brunnen in den öffentlichen Stadtraum zurück. Die DDR entschied sich jedoch gegen eine Rückkehr an den ursprünglichen Standort vor dem Schloss. Stattdessen wurde der Neptunbrunnen zwischen Rotem Rathaus und Marienkirche neu aufgebaut.
Erst im Jahr 1970 wurde die Anlage offiziell wiedereröffnet. Der neue Standort entwickelte sich schnell zu einem zentralen Aufenthaltsort im Ost-Berliner Zentrum. Insbesondere die großzügigen Freiflächen rund um den Fernsehturm verliehen dem Brunnen eine neue städtebauliche Wirkung, eingebettet in die sozialistische Stadtplanung der DDR-Regierung.
Bis heute prägt der Neptunbrunnen den Bereich vor dem Roten Rathaus maßgeblich. Für viele Berlinerinnen und Berliner gehört er inzwischen selbstverständlich zu diesem Ort, obwohl er ursprünglich nie dort vorgesehen war.
Rekonstruktion des Berliner Schlosses löst neue Debatte um den Standort aus
Mit dem Wiederaufbau des Berliner Schlosses und der Eröffnung des heutigen Humboldt Forum flammte die Diskussion um den historischen Standort erneut auf. Verschiedene Initiativen und Bürgerbündnisse fordern seit Jahren, den Brunnen an seinen ursprünglichen Platz zurückzuführen.
Befürworter argumentieren, dass der Brunnen als Teil des historischen Schlossensembles konzipiert worden sei und nur dort seine eigentliche räumliche Wirkung entfalten könne. Kritiker einer Rückführung verweisen hingegen darauf, dass sich der Brunnen längst am Roten Rathaus etabliert habe und inzwischen selbst Teil der neuener Berliner Stadtgeschichte geworden sei.
Auch städtebaulich bleibt die Frage umstritten. Während einige Planer den Schlossplatz stärker historisch rekonstruieren möchten, plädieren andere für eine eigenständige Gestaltung des Umfelds des Humboldt Forums.

Schwere Zerstörungen: Das Berliner Stadtschloss in den Tagen nach der endgültigen Kapitulation der Wehrmacht. Große Teile der historischen Berliner Bausubstanz waren vernichtet. / © Foto: Wikimedia Commons, U.S. National Archives and Records Administration
Berliner Politik spricht sich gegen eine Rückführung des Brunnens aus
In den vergangenen Jahren deutete sich zunehmend an, dass eine Rückversetzung politisch kaum noch gewollt ist. Stattdessen soll das Umfeld des Humboldt Forums mit neuen Wasserflächen und zusätzlichen Brunnenanlagen aufgewertet werden.
Im Gespräch waren zuletzt zwei neue Wasserspiele auf dem Schlossplatz. Damit soll einerseits die Aufenthaltsqualität verbessert werden, andererseits könnte die jahrzehntelange Debatte um den Neptunbrunnen entschärft werden.
Jahrzehnte der Nutzung hinterlassen deutliche Schäden am historischen Brunnen
Inzwischen zeigt der Neptunbrunnen deutliche Alterserscheinungen. Witterung, technische Probleme und jahrzehntelange Nutzung haben dem Denkmal zugesetzt. Immer wieder mussten einzelne Bereiche abgesperrt oder provisorisch repariert werden.
Nun hat eine umfassende Sanierung begonnen. Dabei sollen Natursteinflächen, Bronzeelemente, Wassertechnik und Fundament instandgesetzt werden. Ziel ist es, den Brunnen langfristig zu sichern und technisch zu modernisieren.
Die Arbeiten markieren zugleich ein neues Kapitel in der Geschichte des Neptunbrunnens. Denn unabhängig von der weiterhin emotional geführten Standortdebatte scheint eines inzwischen klar: Der Brunnen bleibt eines der prägendsten historischen Kunstwerke im Zentrum Berlins – und ein Symbol dafür, wie eng Architektur, Stadtgeschichte und politische Umbrüche in der Hauptstadt miteinander verwoben sind. Denn damit ist der Neptunbrunnen ja kein Einzelfall.

Der Schlossplatz mit dem 1891 aufgestellten Schlossbrunnen (Neptunbrunnen) im Jahr 1913. Links befindet sich der Marstall, rechts das Stadtschloss. / © Foto: Wikimedia Commons / Archiv Rudolf Albert Schwartz – Kartenabteilung, Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz

Der Neptunbrunnen heute, an seinem Platz zwischen Marienkirche und Rotem Rathaus. Kürzlich hat eine umfassende Sanierung begonnen. Eine Rückführung des Brunnens an seinen ursprünglichen Platz vor dem heutigen Humboldt Forum ist vom Berliner Senat verweigert worden. / © Foto: Wikimedia Commons, A.Savin

Die Zukunft: Mit moderner Brunnenanlage und mehr Grün, aber ohne historischen Neptunbrunnen. Der südliche Vorplatz des Humboldt Forums soll neu gestaltet werden. / © Visualisierung: bbz Landschaftsarchitekten
Quellen: Gesellschaft Berliner Schloss e.V., Wikipedia, Berlin.de, Förderverein Berliner Schloss
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2 Kommentare
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Wie verschenkt die Schönheit des Brunnens ist, zeigt besonders das vorletzte Foto! Er verliert sich völlig in der Weite und
Trostlosigkeit dieses Standortes. Im übrigen aus allen Blickrichtungen und an einer vielbefahrenen Durchgangsstrasse.
Gerade vor der wundervollen Schlossfassade und frisch saniert, könnte der Brunnen seine volle Pracht entfalten.
Der Brunnen sollte ein Symbol dafür sein, wie eng Architektur und Stadtgeschichte miteinander verwoben sind und eben nicht politische Umbrüche, wie im Beitrag beschrieben. Zeichen des politischen oder auch kulturellen Umbruches gibt es in Berlin wie in keiner anderen Stadt wie Sand am Meer. Leider reicht Tradition oft nur bis zu Ostzeiten.
Interessanter Artikel. Ich überlege aber immer noch, ob ein zeitgenössischer Brunnen statt auf dem Schlossplatz nicht besser vor dem Roten Rathaus sein sollte. Und der Neptunbrunnen besser wieder am Schlossplatz zu finden sein sollte. Wobei: Hauptsache, es kommt in Mitte schnell ein zweiter Brunnen dazu.