Der Bolongaropalast befindet sich aktuell im Umbau und wird zu einem modernen Zentrum für Kultur, Verwaltung und Veranstaltungen. Bei den Arbeiten stießen Archäologinnen und Archäologen auf einmalige Spuren römischer Ansiedlungen aus der augusteischen Zeit.

Neben dem „Tritonbrunnen“ wurden bei den Sanierungsarbeiten des Bolongaropalasts Spuren einer römischen Ansiedlung aus der Zeit des Kaisers Augustus entdeckt. / © Fotos: Wikimedia Commons, Eva K., FAL
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Mylius
© Fotos: Wikimedia Commons, Eva K., FAL
Der Bolongaropalast am Höchster Mainufer ist seit über zwei Jahrhunderten ein prägendes Bauwerk der Stadt Frankfurt. Heute ist das historische Ensemble eingerüstet, Baustellenzäune markieren die umfangreichen Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten.
Während das Gebäude Schritt für Schritt erneuert wird, haben Archäologinnen und Archäologen im Garten überraschende Spuren einer römischen Ansiedlung aus der Zeit des Kaisers Augustus entdeckt. Die Funde, die in dieser Konzentration in der Region einzigartig sind, begleiten die Arbeiten, die den Palast ab Mitte 2027 als Bürger- und Kulturzentrum wieder zugänglich machen sollen.
Archäologische Entdeckungen im Bolongaropalast: Römische Siedlungsspuren aus der Zeit Kaiser Augustus
Die archäologischen Befunde stammen aus der Regierungszeit des Kaisers Augustus zwischen 27 v. Chr. und 14 n. Chr. und sind deutlich älter als die bislang bekannten römischen Spuren im Frankfurter Raum, deren früheste Aktivitäten erst nach 70 n. Chr. nachweisbar sind. Die Grabungen konzentrieren sich auf die Bereiche, in denen neue Brunnenkammern entstehen.
Trotz der punktuellen Arbeiten zeigte sich eine bemerkenswerte Funddichte. Unter anderem stießen die Archäologen auf Keramikfragmente, darunter ein Bruchstück einer Öllampe mit Gladiatordarstellung. Die Entdeckungen lassen auf eine feste römische Ansiedlung schließen und liefern neue Einblicke in das Leben der Römer im „Barbaricum“, den Regionen außerhalb des Imperiums. Fachleute vergleichen die Funde mit Waldgirmes bei Wetzlar, wo ähnliche Strukturen dokumentiert sind.
Geschichte und Nutzung des Bolongaropalasts: Von italienischer Tabakfabrik bis zum historischen Verwaltungszentrum in Höchst
Der Palast wurde zwischen 1772 und 1775 von den italienischen Brüdern Bolongaro als Wohn- und Wirtschaftssitz errichtet. Die Familie nutzte das Gebäude für ihre Tabakproduktion und wohnte hinter der über 100 Meter langen Fassade.
Später nutzte Napoleon den Palast für einen kurzen Aufenthalt. Von 1908 bis 1928 diente das Gebäude als Rathaus der ehemals selbstständigen Stadt Höchst. Anschließend beherbergte der Palast das Standesamt, eine Stadtpolizeistation, Verwaltungsstellen und Bürgerdienste. Heute steht das Ensemble unter Denkmalschutz und gilt als eines der markantesten historischen Gebäude Frankfurts.
Bereits 2003 wiesen Gutachten erhebliche Schäden an Dach, Fassade und technischer Infrastruktur nach. Zudem bestanden Mängel im Brandschutz, und das Gebäude war nicht barrierefrei zugänglich. Die Stadt beschloss, das Gebäude umfassend zu sanieren und gleichzeitig als Bürger- und Kulturzentrum neu zu nutzen.
Herausforderungen und Kostensteigerungen: Unerwartete Schäden, Baukranlogistik und Integration des Porzellanmuseums
Die Bauarbeiten begannen im Februar 2017. In den ersten Jahren führten die Verantwortlichen Rückbauarbeiten durch, ertüchtigten die Statik, sanierten Dach und Fassade und modernisierten die technischen Anlagen. Während der Arbeiten wurden unerwartete Schäden entdeckt, darunter echter Hausschwamm, der das Gebäude zusätzlich belastete.
Ein Baufirmenwechsel, die komplexe Aufstellung eines Baukrans über Medientrassen sowie die nachträgliche Integration des Höchster Porzellanmuseums führten zu weiteren Verzögerungen. Steigende Baupreise infolge der Pandemie und des Ukraine-Kriegs erhöhten die Gesamtkosten zusätzlich.
Die ursprünglich veranschlagten 37 Millionen Euro stiegen auf rund 73 Millionen Euro. Für die zusätzliche Erneuerung der Gartenanlage sind weitere fünf Millionen Euro vorgesehen. Den größten Teil tragen die Stadt Frankfurt, Zuschüsse fließen lediglich für den barrierefreien Ausbau.
Fortschritt der Sanierung am Bolongaropalast: Fertigstellung des Kulturzentrums Mitte 2027
Mit der Sanierung entsteht ein Bürger- und Kulturzentrum, das weit über die bisherigen Verwaltungsfunktionen hinausgeht. Geplant sind ein Museum, Veranstaltungs- und Theaterbereiche, ein Musiksaal, Gastronomie und Räume für das Büro des Oberbürgermeisters.
Die Fliesenarbeiten sollen bis Ende 2025 abgeschlossen sein, Maler-, Putz- und Tapezierarbeiten sowie der Einbau der Brandschutztüren bis Mitte 2026. Die Wiedereröffnung ist aktuell für Mitte 2027 vorgesehen.
Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Frankfurter Neue Presse, Bund der Steuerzahler Hessen
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