Der Regional-Express RE3 verbindet Stralsund, Angermünde, Berlin, Luckenwalde und Lutherstadt Wittenberg künftig stündlich ohne Umstieg. Die neuen Doppelstockzüge bieten deutlich mehr Platz und eine verbesserte Barrierefreiheit.

Der Innenraum des neuen Regional-Express RE3 zeigt breite Fahrradbereiche, Klappsitze und viel Platz für Fahrräder, Kinderwagen und Gepäck.

Große Mehrzweckflächen mit markierten Fahrradbereichen gehören zur Ausstattung der neuen Züge für den RE3. / © Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

© Titelbild: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

ANZEIGE

 

Ein roter Doppelstockzug steht in der hellen Werkhalle in Hennigsdorf. Noch fehlen einzelne Verkleidungen, an den Sitzreihen sind technische Komponenten sichtbar. Doch schon beim ersten Rundgang zeigt sich, zeigt sich, worauf DB Regio und Stadler bei den neuen Doppelstockzügen für den künftig neu organisierten Regional-Express RE3 setzen. Die Linie bleibt bestehen, erhält mit dem Verkehrsvertrag Nord-Süd 2 jedoch eine neue Linienführung und mehr Kapazität. Bis Fahrgäste regulär einsteigen können, dauert es allerdings länger als geplant.

  • Region: Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt
  • Fahrzeugtyp: fünfteiliger Doppelstocktriebzug Stadler KISS
  • Kapazität:147 Fahrgastplätze, darunter 575 Sitzplätze
  • Besonderheiten: 84 Fahrradstellplätze, zwei Rollstuhlplätze, drei Kinderwagenplätze, vier Toiletten und zwei Einstiegshöhen
  • Höchstgeschwindigkeit: 160 Kilometer pro Stunde

In der Werkhalle wirkt der neue Regionalzug KISS vor allem durch seine Länge. Der fünfteilige Zug misst nach Herstellerangaben rund 133 Meter. Die beiden Endwagen tragen den Antrieb, dazwischen liegen drei weitere Doppelstockwagen. Insgesamt stehen 575 Sitzplätze zur Verfügung. Davon entfallen 28 auf die erste Klasse und 378 auf reguläre Sitze der zweiten Klasse. Weitere 169 Plätze sind als Klappsitze ausgeführt. Einschließlich der ausgewiesenen Stehplätze kann ein Zug bis zu 1.147 Fahrgäste aufnehmen.

ANZEIGE

Neue Regionalzüge schaffen mehr Platz für Fahrräder und Kinderwagen

Besonders auffällig sind die breiten Mehrzweckbereiche. Auf dem Boden markieren große Fahrradsymbole die vorgesehenen Stellflächen. Insgesamt bieten die neuen Züge 84 Fahrradstellplätze. Mindestens 24 davon sollen nach den Vorgaben des Verkehrsvertrags nicht durch Klappsitze eingeschränkt sein. Damit reagiert das Konzept auf die hohe Nachfrage im Berufs- und Ausflugsverkehr zwischen Berlin, der Uckermark und der Ostseeküste.

Auch der Einstieg soll einfacher werden. Der Servicewagen besitzt Türen mit zwei unterschiedlichen Einstiegshöhen von 600 und 730 Millimetern. Sie sind außen mit „A“ und „B“ gekennzeichnet. Dadurch können Fahrgäste an Bahnsteigen mit verschiedenen Höhen möglichst ebenerdig einsteigen. Davon profitieren Menschen im Rollstuhl sowie Reisende mit Kinderwagen, Fahrrädern oder schwerem Gepäck. Im Zug befinden sich zwei Rollstuhlplätze, drei ausgewiesene Kinderwagenplätze und vier Toiletten.

Das helle Oberdeck eines neuen RE3-Doppelstockzugs ist mit blauen Sitzen, Tischen und digitalen Fahrgastanzeigen ausgestattet.

Im Oberdeck bieten die neuen Doppelstockzüge blaue Sitze, Tische und große Monitore mit Informationen zum Fahrtverlauf. / © Foto: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben

ANZEIGE

Der Fahrgastraum ist hell gestaltet. Blaue Sitze stehen in Reihen und Vierergruppen mit Tischen. Große Monitore zeigen den Fahrtverlauf und die nächsten Halte. An jedem Sitzplatz sind Steckdosen vorgesehen. Hinzu kommen Flächen zum induktiven Laden geeigneter Smartphones.

Mobilfunkoptimierte Fensterscheiben sollen den Empfang im Zug verbessern. Videoüberwachung, Außenkameras zur Bahnsteigbeobachtung sowie ein digitales Diagnose- und Fahrzeugleitsystem gehören ebenfalls zur technischen Ausstattung.

RE3 verbindet Stralsund, Berlin und Wittenberg ohne Umstieg

Mit dem Verkehrsvertrag Nord-Süd 2 verändern sich die Regional-Express-Linien RE3, RE4 und RE5 deutlich. Die Liniennummern bleiben erhalten, allerdings passen die Länder das Angebot an. Neue Linienführungen, dichtere Takte und zusätzliche Verbindungen sollen den Regionalverkehr zwischen Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin und Sachsen-Anhalt ausbauen.

ANZEIGE

Für den RE3 bedeutet das die größte Veränderung. Die Linie fährt künftig stündlich ohne Umstieg von Stralsund über Prenzlau, Angermünde, Eberswalde und Berlin bis nach Luckenwalde, Jüterbog und Lutherstadt Wittenberg. Der bisherige Streckenast nach Schwedt wird künftig von der RB61 übernommen.

Regional-Express um mehr als zwei Millionen Zugkilometer erweitert

Auch die bestehenden Linien RE4 und RE5 werden im Rahmen des Verkehrsvertrags Nord-Süd 2 neu organisiert. Der RE4 verbindet Stendal, Rathenow, Berlin und Falkenberg an der Elster. Der RE5 fährt von Rostock beziehungsweise Stralsund über Berlin nach Ludwigsfelde. Zusammen sollen die neuen Fahrpläne das Angebot um mehr als zwei Millionen Zugkilometer pro Jahr erweitern. Nach Angaben des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg verbindet kein anderes Netz im VBB-Gebiet gleichzeitig vier Bundesländer und drei Verkehrsverbünde.

Zwischen Berlin und Jüterbog ergänzen sich RE3 und RE4 grundsätzlich zu zwei Verbindungen pro Stunde und Richtung. Der RE3 übernimmt dabei mehr Zwischenhalte, während der RE4 auf diesem Abschnitt schneller verkehren soll. Zwischen Berlin und Ludwigsfelde steigt das Angebot nach Angaben der Berliner Verkehrsverwaltung von zwei auf drei Züge je Stunde.

Lieferverzögerung: RE3 startet zunächst mit älteren Doppelstockzügen

Der Verkehrsvertrag beginnt offiziell am 12. Dezember 2026. Die neuen Stadler-Züge stehen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht vollständig zur Verfügung. Das technische Faktenblatt nennt 2027 als Jahr der Inbetriebsetzung. Wann genau der erste neue Regional-Express tatsächlich mit Fahrgästen fährt, bleibt daher unsicher.

DB Regio plant deshalb ein Ersatzkonzept. Auf den Linien RE3, RE4 und RE5 sollen zunächst fünfteilige Doppelstockzüge mit Elektrolokomotiven fahren. Die Angebotsausweitung und der neue Stundentakt sollen damit trotzdem zum Fahrplanwechsel starten. Weil DB Regio dafür Bestandsfahrzeuge umverteilt, kommen auf den Linien RB24 und RB32 vorübergehend Talent-2-Triebzüge zum Einsatz. Diese bieten überwiegend 420 Sitzplätze pro Fahrt.

Die neuen Züge versprechen damit zwar mehr Platz. Zunächst verändert sich jedoch vor allem das Betriebskonzept mit neuen Fahrplänen und Linienführungen. Die neuen KISS-Doppelstockzüge ersetzen die Übergangsfahrzeuge erst nach ihrer Auslieferung.

 

Quellen: Deutsche Bahn AG, Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, Stadler, Verkehrsgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

4 Kommentare

  1. DIETER 14. Juli 2026 at 08:03 - Reply

    84 Fahrradplätze und 2 Rollstuhlplätze.Umgekehrt wäre es richtig.Ohbe Fahrrad kann man leben, ohne Rollstuhl nich wenn man wie zehntausende Menschen darauf angewiesen ist.
    Artikel 3 Abs 3 letzter Satz des Grundgesetzes schützt Behinderte, nicht Radfahrer.Wer sich sowas ausdenkt sollte bestraft werden.

    • Yasmin 15. Juli 2026 at 11:29 - Reply

      Ich stimme dir vom Prinzip her zu, allerdings hatte ich als Lokführer selten mehr als 3 Rollstühle, dafür aber oft wesentlich mehr als 84 Fahrräder in meinem Zug

  2. a.t. 14. Juli 2026 at 14:38 - Reply

    Egal welche Zugsorte: Der letzte Wagen ist ausschließlich für Rollstühle, Fahrräder u.ä. reserviert und das ganze Gehakel ist ein für allemal vorbei…auch auf den Bahnsteigen.

    • Yasmin 15. Juli 2026 at 11:40 - Reply

      Vielleicht bist du darüber im Bilde das Züge in zwei Richtungen fahren, der „letzte“ Wagen ist also zwangsläufig immer vorne oder hinten ist und nie nur hinten.
      Aktuell ist der Fahrradwagen grundsätzlich vor bzw. hinter der Lok, je nach Fahrtrichtung, so funktioniert es ja auch ganz gut. Für Lokbespannte Züge ist bei Regio Nordost festgelegt auf welcher Seite sich die Lok befindet, allerdings aus bestimmten betrieblichen Gründen. Bei Triebwagen entfallen diese Gründe.
      Der Wagen für mobilitätseingeschränkte Reisende ist meistens in der Mitte, weil dort auch die barrierefreie Toilette ist.

      Außerdem würden Fahrräder und Rollstühle bei deiner Version sehr schlecht nach oben kommen, es ist ja ein Doppelstockzug.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.