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Auf dem Gelände des ehemaligen Polizeipräsidiums sollte das neue Stadtquartier „Das Präsidium“ entstehen. Nach der Insolvenz des Projektträgers droht der historische Standort weiterhin ungenutzt zu bleiben.

© Foto: Wikimedia Commons, Karsten Ratzke, CC BY-SA 3.0 

 

Das ambitionierte Frankfurter Hochhaus- und Quartiersprojekt „Das Präsidium“ steht nach der Insolvenz des verantwortlichen Projektentwicklers Gerchgroup vor einer ungewissen Zukunft. Die Gerchgroup hat 2023 Insolvenz angemeldet. Als Gründe für diesen Schritt nennt die Projektgesellschaft stark gestiegene Zinsen sowie massiv erhöhte Baukosten, die eine wirtschaftliche Umsetzung des ursprünglich geplanten Bauvorhabens nicht mehr ermöglichen.

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Angesichts der derzeit angespannten Lage auf dem Immobilienmarkt gilt ein zeitnaher Baustart als unwahrscheinlich. Auch von Seiten der Stadt Frankfurt gibt es bislang keinen neuen Zeitplan für eine Fortsetzung des Projekts. Auf Nachfrage von ENTWICKLUNGSSTADT bestätigte eine interne Quelle den aktuell ruhenden Projektstatus. 

Das war geplant: 175 Meter hoher Turm als Herzstück, der Wohnen, Arbeiten und Freizeit im Frankfurter Quartier kombiniert

Auf dem rund 15.000 Quadratmeter großen Gelände des ehemaligen Polizeipräsidiums an der Friedrich-Ebert-Anlage plante die Gerchgroup gemeinsam mit dem Frankfurter Architekturbüro Meixner Schlüter Wendt ein neues Stadtquartier mit gemischter Nutzung.

Das Herzstück des Projekts sollte ein 175 Meter hoher Hochhausturm mit 48 Geschossen bilden, ergänzt durch weitere sechsgeschossige Blockrandbauten. Vorgesehen waren Büroflächen, Wohnungen, Gastronomie, Hotelnutzung sowie eine öffentlich zugängliche Skybar.

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Zusätzlich sollten auf dem Areal eine Kindertagesstätte sowie eine neue Sporthalle und Mensa für die benachbarte Falkschule entstehen. Der denkmalgeschützte Altbau des ehemaligen Polizeipräsidiums aus dem Jahr 1914 war fester Bestandteil des Konzepts. Nach einer statischen Prüfung der Bausubstanz war vorgesehen, das Gebäude zu erhalten und denkmalgerecht zu sanieren.

Insolvenz der Gerchgroup setzt Baupläne außer Kraft und wirft Zukunft des Frankfurter Projekts in Frage

Das Land Hessen hatte das Grundstück im Jahr 2018 für rund 212 Millionen Euro an die Gerchgroup verkauft. Die Investitionssumme für die vollständige Umsetzung des Projekts bezifferte das Unternehmen auf etwa 800 Millionen Euro. Der Baustart war ursprünglich für das Jahr 2022 vorgesehen. Die Fertigstellung des Gesamtprojekts einschließlich der Sanierung des Altbaus sollte bis spätestens 2026 erfolgen.

Mit der Insolvenz der Gerchgroup im Jahr 2023 wurden diese Pläne jedoch hinfällig. Aktuell ist unklar, ob und wann ein neuer Investor das Projekt übernehmen oder ein alternativer Plan für das Grundstück entwickelt wird.

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Historische Bedeutung des Frankfurter Areals und der Altbau des Polizeipräsidiums

Das Grundstück blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das Polizeipräsidium Frankfurt wurde 1914 nach Entwürfen von Richard Wiesmann errichtet und diente über viele Jahrzehnte hinweg als Zentrale der Frankfurter Polizei. Während der Luftangriffe auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude im Jahr 1944 etwa zur Hälfte zerstört.

Die Polizei verlagerte daraufhin einen Großteil ihrer Dienststellen übergangsweise an andere Standorte im Stadtgebiet. Erst 1954 erfolgte die vollständige Wiederherstellung des Gebäudes an der Friedrich-Ebert-Anlage.

Leerstand und punktuelle Gewerbenutzung: Der Frankfurter Standort im westlichen Bahnhofsviertel

Im Jahr 2002 zog das Polizeipräsidium in einen Neubau an der Adickesallee im Nordend um und gab den Standort im westlichen Bahnhofsviertel endgültig auf. Seitdem steht das Gebäude weitgehend leer und wird nur noch punktuell gewerblich genutzt. Aufgrund seiner baugeschichtlichen Bedeutung und seines architektonischen Erbes ist es heute ein Kulturdenkmal gemäß dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Das denkmalgeschützte Gebäude gilt mit seiner massiven Bauweise und seiner städtebaulichen Präsenz als bedeutendes Zeugnis der wilhelminischen Amtsarchitektur in Frankfurt. Trotz der langen Planungsphase und wiederholter Anläufe für eine Nachnutzung blieb das Gelände bis heute unentwickelt.

Zweifel an zeitnahem Baustart: Unsichere Perspektiven für das Projekt „Das Präsidium“

Mit dem Insolvenzantrag der Projektgesellschaft ist der ursprünglich für 2026 avisierte Fertigstellungstermin nicht mehr haltbar. Auch ein Baustart innerhalb der kommenden Jahre erscheint angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Immobiliensektor zweifelhaft.

Die Stadt Frankfurt verfolgt das Verfahren, um gegebenenfalls Einfluss auf eine künftige Nutzung oder einen Weiterverkauf nehmen zu können. Solange kein neuer Projektträger benannt ist, bleibt das ehemalige Polizeipräsidium weiterhin ein ungenutztes Areal mitten im Herzen der Stadt.

Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Skyline Atlas, Wikipedia

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