Mit dem Bauvorhaben „Blankenburger Süden“ soll in Berlin-Pankow eines der größten Neubauquartiere Berlins entstehen. Bis 2040 sollen auf einer Fläche von 159 Hektar Wohnungen, Schulen, Gewerbe und Grünräume realisiert werden. Ein Realisierungswettbewerb hat nun die Grundlage für die weiteren Planungsschritte geschaffen.

Die Visualisierung zeigt das geplante Stadtquartier Blankenburger Süden mit Wohnhäusern, Gewerbeflächen und Freiräumen, erstellt vom Wettbewerbsgewinner Studio RW. Geplant sind ein Nutzungsmix aus Wohnungen, Kitas, Schule und Gewerbe, umgesetzt mit Holz-Modulbauten und konventionellen Bautechniken. / © Visualisierung: Ildar Biganiakov / Studio RW/ Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
© Visualisierungen: Ildar Biganiakov, Studio RW, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Zwischen Blankenburg und Heinersdorf plant Berlin ein Stadtquartier von bislang einzigartiger Größe. Auf einer Fläche von 159 Hektar, die heute noch überwiegend aus Rieselfeldern, Kleingärten, Erholungsflächen und Gewerbegebieten besteht, soll in den kommenden Jahren der „Blankenburger Süden“ entwickelt werden.
Vorgesehen sind rund 8.600 Wohnungen, ergänzt durch Gewerbeflächen, mehrere Schulen, Kindertagesstätten sowie großzügige Grünräume. Nach aktuellem Zeitplan könnten erste Wohnungen ab 2030 bezugsfertig sein, die vollständige Fertigstellung wird bis 2040 angestrebt.
Verkehrsanbindung und landeseigener Flächenbesitz als Schlüssel für das Neubaustadtquartier
Die Lage am Berliner Stadtrand bietet günstige Voraussetzungen für eine schnelle Anbindung. Geplant ist die Verlängerung der Straßenbahnlinie M2, die das Quartier mit der Innenstadt verbinden soll. Auch die Nähe zur S-Bahn stärkt die verkehrliche Erreichbarkeit.
Ein wesentlicher Vorteil liegt im überwiegend landeseigenen Flächenbesitz. Dadurch können große Teile des Projekts an landeseigene Gesellschaften, Genossenschaften und gemeinwohlorientierte Bauträger vergeben werden. Damit soll sichergestellt werden, dass ein erheblicher Anteil der Wohnungen bezahlbar bleibt und die Entwicklung nicht allein privatwirtschaftlichen Interessen überlassen wird.
„Blankenburger Süden“ in Pankow: Studio RW gewinnt Wettbewerb für neue Quartiersplanung
Ein zentraler Schritt für die Entwicklung war der städtebaulich-freiraumplanerische Realisierungswettbewerb für die südliche Teilfläche, der im Mai 2025 ausgelobt wurde. Zwölf internationale Planungsteams reichten ihre Entwürfe ein. Den ersten Preis erhielt das Berliner Büro Studio RW. Ihr Konzept dient nun als Grundlage für die weitere Rahmen- und Bauleitplanung.
Die Entscheidung fiel im September 2025 nach einer zweitägigen Sitzung des Preisgerichts, an der auch die Öffentlichkeit beteiligt war. Anwohnende konnten ihre Anregungen zu den Entwürfen einbringen. Unter Vorsitz von Prof. Dr. Barbara Engel wurde der Entwurf von Studio RW ausgezeichnet. Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt erklärte, das Konzept verbinde Holzbau-Typologien mit weiteren Bauformen und schaffe abwechslungsreiche Raumsequenzen, die sich nach Osten hin zur offenen Landschaft öffneten.
Zwischen Heinersdorf und Blankenburg: Siegerentwurf setzt auf Holzbau und Ausgleich zur Landschaft
Die Jury würdigte insbesondere den gelungenen Ausgleich zwischen dichter Bebauung und landschaftlichem Umfeld. Prof. Engel betonte, dass der Entwurf eine robuste Grundlage für die nächsten Planungsschritte bilde. Auch die Eigentümergemeinschaft Gartenstadt Heinersdorf begrüßte das Ergebnis. Vertreter Christian Ruhdorfer erklärte, durch die Integration serieller Holzbauweisen würden sowohl Qualität als auch Innovation ermöglicht.
Damit wurde ein wichtiger Meilenstein erreicht. Das Wettbewerbsergebnis soll nun in eine Rahmenplanung überführt werden, die die Basis für die anschließende Bauleitplanung bildet. Parallel wird die Infrastruktur angepasst. Neben der geplanten Verlängerung der Straßenbahnlinie M2 ist auch der Bau neuer Radwege vorgesehen. Diese Maßnahmen sollen eine umweltfreundliche Mobilität im Quartier ermöglichen und den Verkehr im Berliner Nordosten entlasten.
Kritik am Blankenburger Süden: Sorgen um Flächenverlust, Verkehrsanbindung und bezahlbaren Wohnraum
Jedoch stößt das Projekt „Blankenburger Süden“ seit Jahren auch auf Widerstand. Viele Anwohnende fürchten den Verlust von Kleingärten und Erholungsflächen, die bisher das Gebiet prägen. Auch die Dimension des Vorhabens mit 8.600 Wohnungen und rund 20.000 neuen Bewohnerinnen und Bewohnern sorgt für Bedenken, da ein so massiver Eingriff das bestehende Umfeld stark verändern würde.
Hinzu kommen Zweifel an der Verkehrsanbindung. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, dass die geplante Verlängerung der Straßenbahnlinie M2 nicht ausreiche, um die erwarteten zusätzlichen Verkehrsströme zu bewältigen. Auch die Frage, ob tatsächlich ein hoher Anteil bezahlbarer Wohnungen realisiert werden kann, bleibt angesichts steigender Baukosten und komplexer Planungsprozesse umstritten.

Die Visualisierung von Studio RW soll das Neubauquartier aus der Perspektive der Menschen vor Ort zeigen, mit Erholungs- und Grünflächen zwischen den Gebäuden. / © Visualisierung: Ildar Biganiakov / Studio RW/ Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

Das Modell zeigt den Blankenburger Süden nach dem Entwurf des zweitplatzierten Büros Cityförster im Realisierungswettbewerb. / © Visualisierung: Cityförster/ Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Taz, Bezirksamt Pankow, MLA+, Fugmann Janotta Partner, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt
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Man hätte nicht gedacht, dass die Fehler aus den 70ern und 80ern mit den JWD-Buchten noch einmal gemacht werden würden. Aber man sieht, das geht.
Stadtplaner weigern sich anzuerkennen, dass die Stadt der Gründerzeit mit lebendigen EGs, dichter Bebauung und historisierender Gestaltung die beliebteste und praktischste Form des Wohnens in einer europäischen Großstadt ist.
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