Auf dem Gelände des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Friedrichshain könnten deutlich mehr Wohnungen entstehen als bislang angenommen. Eine nun abgeschlossene Machbarkeitsstudie der WBM zeigt Potenziale für bis zu 680 Wohnungen und skizziert ein neues, überwiegend autofreies Stadtquartier am Volkspark Friedrichshain. Damit rückt eines der umstrittensten Entwicklungsareale Berlins in eine neue Phase.

Nach den Entwürfen des Büros Stefan Forster könnte sich das künftige SEZ-Areal so aus Richtung Volkspark Friedrichshain als neues Wohnquartier zeigen. Die Gebäude sollen in serieller und modularer Bauweise errichtet werden und rund 680 Wohnungen für etwa 1.500 Menschen bieten. / © Visualisierung: Stefan Forster GmbH
© Visualisierung Titelbild: Stefan Forster GmbH
Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM hat die Machbarkeitsstudie für die Entwicklung des ehemaligen SEZ-Geländes in Friedrichshain-Kreuzberg abgeschlossen. Grundlage war ein städtebaulicher Entwurf des Büros Stefan Forster, das zuvor aus einem qualitätsorientierten Auswahlverfahren hervorging. Ziel der Untersuchung war es, das bauliche und funktionale Potenzial des zentral gelegenen Areals an der Landsberger Allee zu bestimmen.
Das Ergebnis fällt deutlich größer aus als bislang angenommen. Statt rund 550 Wohnungen könnten auf dem Gelände künftig bis zu 680 Wohnungen entstehen, also etwa ein Viertel mehr. Nach Angaben der WBM soll die Hälfte davon als geförderter Wohnraum realisiert werden. Damit würde das Projekt einen spürbaren Beitrag zum angespannten Berliner Wohnungsmarkt leisten.
Nutzungsmix und serielle Bauweise für bis zu 680 Wohnungen an der Landsberger Allee
Neben dem Wohnungsbau sieht das Konzept eine klare Nutzungsmischung vor. Entlang der Landsberger Allee sollen in den Erdgeschossen Gewerbe-, Dienstleistungs- und Sportnutzungen Platz finden. Ziel ist es, das Quartier stärker in die Umgebung einzubinden und Angebote der Nahversorgung direkt vor Ort zu schaffen. Damit knüpft die Planung an städtische Leitbilder an, die lebendige Erdgeschosszonen und kurze Wege fördern.
Die Wohnungen selbst sollen überwiegend in serieller oder modularer Bauweise entstehen. Diese Bauform soll die Bauzeit verkürzen, Kosten begrenzen und die Belastung für Anwohnerinnen und Anwohner reduzieren. Gleichzeitig verspricht sich die WBM davon ökologische Vorteile, etwa durch effizienteren Materialeinsatz.
SEZ-Areal Friedrichshain: Autofreier Quartierskern, Grünflächen und Schulbau ab 2026
Im Inneren ist ein weitgehend autofreies Quartier vorgesehen. Ein zentraler, parkähnlicher Freiraum soll Aufenthaltsqualität bieten und durch Entsiegelung zusätzliche Grünflächen schaffen. Geplant sind außerdem Sportangebote sowie ein Historien-Parcours, der an die Geschichte des Standorts erinnert. Einzelne prägende Bauteile des früheren SEZ sollen sichtbar integriert werden.
Ergänzend zum Wohnungsbau ist auf dem Gelände auch eine neue Schule geplant. Sie entsteht im Rahmen der Berliner Schulbauoffensive. Nach Angaben der Senatsverwaltung soll der Bau Ende 2026 beginnen und frühzeitig soziale Infrastruktur in das Quartier bringen.
SEZ Friedrichshain: Kritik von über 150 Wissenschaftlern an Umgang mit dem Bestandsgebäude
Gleichzeitig ist das Projekt von Kritik begleitet. Noch Anfang Dezember forderten mehr als 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler den Erhalt des SEZ. Sie verweisen dabei auf die hohe architektonische und stadtgeschichtliche Bedeutung sowie auf klimapolitische Aspekte, des Gebäudes, da ein Abriss gebundene Ressourcen und CO₂-Speicher zerstören würde.
Zugleich betonen sie, dass sich der Bau trotz jahrelanger Vernachlässigung in einem grundsätzlich intakten Zustand befinde und Potenzial für neue Nutzungen biete. Daher verlangen sie vom Land Berlin, den Abriss zu überdenken und eine transparente Diskussion über alternative Entwicklungsmöglichkeiten zu führen.
Land Berlin und WBM: Bis zu 680 Wohnungen und Wohnraum für rund 1.500 Menschen
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler erklärte, das Areal solle Raum für bezahlbares Wohnen, Bildung, Grünflächen und Sportangebote bieten. Besonders hob er hervor, dass die gestiegene Zahl möglicher Wohnungen einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Berliner Wohnungsmarktes leisten könne.
Auch WBM-Geschäftsführer Lars Dormeyer betonte, mit bis zu 680 Wohnungen könnten künftig rund 1.500 Menschen ein neues Zuhause finden. Die nun vorliegenden Ergebnisse bilden die Grundlage für die nächsten Planungsschritte und die weitere Konkretisierung des Projekts.
Während die Debatte über den Umgang mit dem SEZ und das Vorgehen des Landes weitergeführt wird, laufen auf dem Gelände bereits Abrissarbeiten für die künftige Entwicklung. Mit der nun abgeschlossenen Machbarkeitsstudie und der deutlich höheren Zahl möglicher Wohnungen rückt die bauliche Umsetzung des Quartiers näher. Das Areal am Volkspark Friedrichshain steht damit beispielhaft für den Zielkonflikt zwischen dem Umgang mit dem baulichen Erbe und dem zunehmenden Druck, in zentraler Lage neuen Wohnraum zu schaffen.

Im Innenhof des seit Jahren leerstehenden Gebäudes fallen bereits die ersten Wände, auf der Nordseite des Areals ist eine Baufirma bereits mit Rodungs- und Aufräumarbeiten beschäftigt. Die Abrissarbeiten am SEZ haben bereits Ende November begonnen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: WBM, Landesdenkmalamt Berlin, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Stefan Forster GmbH, Berliner Zeitung, Der Tagesspiegel, Wikipedia, Berliner Morgenpost, Taz, Architektenkammer Berlin
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10 Kommentare
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Was war eigentlich die architektonische Vorgabe bei der Entwicklung des Gebiets? So hässlich, trist und eintönig wie die Umgebung drumherum? Einzelne Gebäude in dem Stil wären ja okay, aber ein ganzer Komplex?
Stimmt? Fast wie mit den DDR-Platten. Oder den “ Gestaltungen“ in Gropiusstadt oder dem Märkischen Viertel. *Ironie aus. Zur Wahrheit dürfte aber gehören, dass nur im seriellen Bauen derzeit Kostenvorteile liegen. Dementsprechend kommt es in diesem Rahmen darauf an, eine akzeptable Stadtgestaltung hinzukriegen.
Ja, was denken Sie, wo die WBM herkommt? Da ist die „Plattenoptik“ geradezu logisch und schlüssig.
Danke.. Das war auch mein Gedanke. Das ist absolut trostlos.
Die Wohnungen werden Preise haben die sich der normale Bürger nicht leisten kann. Die WBM bekommt ihre Neubauwohnungen an der Landsberger Allee und in Spandau auch nicht vermietet, weil die Preise exorbitant sind. Ohne WBS Förderung ist das nicht machbar. Dafür verdienen allerdings die meisten zu viel, für die Miete der Wohnungen aber zu wenig. All diese Pläne gehen an der Realität vorbei. Meiner Meinung nach hätte das SEZ erhalten bleiben müssen und kulturelle und sportliche Aktivitäten gestellt werden müssen. Davon hat Berlin nämlich eindeutig zu wenig Angebote.
Warum eigentlich noch eine Grünfläche auf dem Areal anstatt mehr Wohnungen, wo das Areal doch direkt am Park liegt
Ich finde es nach wie vor entsetzt darüber, dass das SEZ abgerissen werden soll. Meiner Meinung nach gab es nie vom Senat den Willen, es zu erhalten. EINZELNE BAUELEMENTE zu erhalten empfinde ich als Hohn. Es war auch nie nur ein Spaßbad, wie gerne gesagt wird. Hier konnte man viele sportliche Aktivitäten durchführen und/oder sich mit Freunden und Verwandten in einem Café treffen. Vielleicht sollten sich die Verantwortlichen mal genauer informieren.
Palast, Ahornblatt, Jahn-Sportpark, SEZ usw….Diesen östlichen Schwung würde ich jetzt mal nutzen und in Richtung Westteil der Stadt umlenken, so z.B. für diesen dystopisch-architektonischen Klops und Kratzpullover, auch ICC genannt.
Schade, dass hier nach meiner Meinung mehrheitlich pessimistische Bemerkungen überwiegen.
Endlich passiert etwas mit dieser Stadtbrache! Es entstehen Wohnungen für uns alle- für Berliner, Neuberliner, jung und alt und in einer großen Zahl. Das vorliegende Konzept wirkt für mich auf den ersten Blick: lebendig, vernetzt und voller Chancen.
Dieses Quartier in zentraler Lage bietet die Chance auf kurze Wege, weniger Verkehr und eine nachhaltige Lebensweise. Das spart Zeit, schafft Miteinander und verbessert das Umfeld.
Das verdichtete Bauen schützt (uns alle ) vor weiterer Zersiedelung und nutzt die hier bestehende Infrastruktur und ermöglicht den Einsatz energieeffizienter Technologien.
Übrigens finde ich, dass es gerade nicht gerastert modular- eintönig wirkt.
Auf mich wirkt die hier dargestellte Architektur eher positiv städtisch und schafft durch das geschickte Schließen der Ränder einen tollen grünen Innenraum.
Endlich ein Projekt für den dringend benötigten Wohnraum in unserer Stadt- vielleicht bekommen meine Kinder falls Sie zum Studieren und Arbeiten in Berlin bleiben oder wieder kommen dann auch eine erschwingliche Wohnung bei der WBM. ;-)
Das SEZ darf nicht der zweite Palast der Republik werden .
Es sollte vielmehr wieder genutzt werden , ist es auch heute noch modern , was seine Konzept betrifft .
Man braucht nut den guten Willen dazu .
Der ist leider nicht vorhanden .
Zur Erinnerung , viele Wohnungen sind in Berlin abgerissen worden .
Man kann auch neue bauen , dazu braucht man diesen Standort nicht .
Es ist vorallem eine politische Entscheidung .
Noch ist es nicht zu spät .
Das SEZ kann erhalten und genutzt werden .
Auch den Denkmalschutz hätte es verdient , es gehört zu den Palästen , die in der Hauptstadt der DDR gebaut wurden .
Mit dem SEZ ist ein ehemaliges Land , seine Bevölkerung verbunden , kamen die Besucher aus der gesamten DDR .
Ich als Schüler auch , als wir auf Klassenfahrt in Berlin waren , ein einmaliges Erlebnis , unvergessen .
Das weiß das Landesdenkmalamt natürlich auch .
Zudem ist das SEZ im wesentlichen einen Bau aus dem Westen , wenn man seine Geschichte kennt .
Das sollte doch zu denken geben .