Die Tangentialverbindung Ost sollte den Berliner Osten verkehrlich entlasten, doch das Straßenbauprojekt wird immer teurer. Neue Haushaltszahlen lassen die Kosten erneut stark steigen und verschärfen die Debatte um Finanzierung, Prioritäten und Zukunftsfähigkeit der TVO. Politisch wächst der Druck, das Vorhaben neu zu bewerten.

TVO

Die Verkehrsverwaltung erwartet, dass die TVO vor allem die Köpenicker Straße entlastet und den Durchgangsverkehr bündelt. Gleichzeitig rechnen Fachleute mit höheren Belastungen auf angrenzenden Straßen, während die Entlastung anderer Hauptachsen begrenzt bleibt. / © Foto: Wikimedia Commons, A.Savin, CC BY-SA 3.0

© Foto: Wikimedia Commons, A.Savin, CC BY-SA 3.0 
© Visualisierung Titelbild: Kolb und Ripke Gesellschaft von Architekten mbH

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Die Tangentialverbindung Ost (TVO) gehört zu den größten und zugleich umstrittensten Verkehrsprojekten im Berliner Osten. Geplant ist eine vierspurige Schnellstraße, die den Verkehr zwischen Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick bündeln und Wohngebiete entlasten soll. Seit Jahren wird über Nutzen, Umweltfolgen und Kosten diskutiert.

Nun zeigt sich erneut, wie fragil die Grundlage des Projekts ist. Mit dem Entwurf für den Doppelhaushalt 2026/27 rechnet der Senat inzwischen mit Gesamtkosten von bis zu rund 632 Millionen Euro, deutlich mehr als bislang angenommen.

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Kostenexplosion bei der TVO: Von 80 Millionen auf über 600 Millionen Euro

Die Kostenentwicklung der TVO liest sich wie eine Chronik permanenter Nachjustierungen. Ursprünglich war das Projekt mit rund 80 Millionen Euro kalkuliert. Später folgten Schätzungen von 155 Millionen Euro und schließlich 351 Millionen Euro, die lange als maßgeblich galten.

Doch auch diese Zahl ist inzwischen überholt. Der Senat geht nun von weiter steigenden Baupreisen aus und rechnet mit einer Fertigstellung nicht vor 2035. Damit droht sich der finanzielle Rahmen im Vergleich zu den ersten Planungen nahezu zu verachtfachen.

Finanzierungslücke bei der TVO: Bund beteiligt sich nur mit 26,5 Millionen Euro

Besonders brisant ist die Finanzierungsfrage. Nach aktuellem Stand gilt die TVO als nicht förderfähig durch den Bund. Lediglich ein vergleichsweise kleiner Betrag von rund 26,5 Millionen Euro steht in Aussicht. Den überwiegenden Teil der Kosten müsste das Land Berlin selbst tragen.

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Schon früher hatte sich abgezeichnet, dass die Hauptstadt rund 90 Prozent der Ausgaben übernehmen muss. Angesichts der angespannten Haushaltslage verschärft das die politische Debatte erheblich.

Politischer Streit um die TVO: Verkehrsverwaltung hält fest, Opposition zweifelt

Während Anwohnerinitiativen und Umweltverbände das Projekt seit Jahren kritisieren, hält die Verkehrsverwaltung unter Ute Bonde (CDU) grundsätzlich an der TVO fest. Sie verweist auf mögliche Entlastungen für stark belastete Straßen und eine bessere Anbindung des Wirtschaftsstandorts.

Gleichzeitig mehren sich Zweifel an der Umsetzbarkeit. Kritiker aus der Opposition, wie der Linke-Verkehrspolitiker Kritian Ronneburg sprechen laut Tagesspiegel von einem finanziellen Fass ohne Boden und bezweifeln, dass ein Senat die nötigen Mittel tatsächlich aufbringen kann. Auch innerhalb der Koalition wird zunehmend gefordert, Prioritäten neu zu setzen.

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Umwelt und Klimaziele im Fokus: Kritik an der Trassenführung der TVO

Neben den Kosten spielen ökologische Fragen eine zentrale Rolle. Die geplante Trasse verläuft in unmittelbarer Nähe sensibler Grün- und Waldflächen. Umweltverbände warnen vor Eingriffen in wichtige Naherholungsgebiete und sehen die Klimaziele des Landes gefährdet.

Demgegenüber fordern Kritikerinnen und Kritiker eine stärkere Konzentration auf den Ausbau des Schienenverkehrs, etwa durch die parallel diskutierte Schienen-TVO. Diese dürfe nicht durch das Straßenprojekt verdrängt oder finanziell geschwächt werden.

Umstrittenes Großprojekt: Steht die Tangentialverbindung Ost vor dem Aus?

Ob die Tangentialverbindung Ost tatsächlich realisiert wird, ist offener denn je. Steigende Baukosten, fehlende Bundesmittel und wachsender politischer Widerstand stellen das Projekt auf eine harte Probe.

In den kommenden Jahren wird sich entscheiden, ob der Senat an der TVO festhält, neue Förderquellen erschließt oder das Vorhaben grundlegend neu bewertet. Sicher ist nur: Die TVO bleibt eines der umstrittensten Infrastrukturprojekte Berlins.

Demo gegen die TVO

Neben Politikerinnen und Politikern kritisieren auch Bürgerinnen und Bürger immer wieder das Projekt: Bereits 2021 gab es Demonstrationen gegen den Bau der Tangentialverbindung Ost durch die Wuhlheide. / © Foto: Wikimedia Commons, Leonhard Lenz, CC0

Quellen: Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, CDU, BUND Berlin, Tagesspiegel, nd, Berliner Morgenpost

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6 Kommentare

  1. BI-Wuhlheide 13. Dezember 2025 at 10:15 - Reply

    „In den kommenden Jahren wird sich entscheiden, ob der Senat an der TVO festhält“

    … tatsächlich könnte der Senat schon heute entscheiden. … Dafür braucht es keine weiteren Jahre!

    Der Auftrag an den Senat wäre – seine Verantwortung im Sinne aller gerecht zu werden, Entscheidungen nicht nur nach ihrem Wert für die nächste Umfrage ins Schaufenster zu stellen, sondern den Weg der Abwägung nachvollziehbar zu erklären. Also wirkliche Transparanz walten zu lassen und sich vor allem unzweifelhaft mit den Fakten auseinanderzusetzen. Stattdessen immer wieder neue Ignoranz gegenüber relevanten Arguementen und vor allem neue Tricksereien rund um Kosten, Lastenverteilung und dem Erhalt einer angeblich breiten positiven öffentlichen Meinung zum Projekt.

    Solange wie am Projekt unter aufzeigen falscher Tatsachen weiter festgehalten wird, werden nur weitere Millionen für Planungen und Verfahren verbrannt werden und die TVO fortwehrend nur noch teurer werden. Schon jetzt ist kein positiver wirtschaftlicher Nutzen mehr gegenüber den anfallenden, letztendlich von der Gemeinschaft zu tragenden Kosten darstellbar. Von der Umweltbilanz ganz zu schweigen.

    Sich durch Ignoranz gegenüber Gesetzen oder dem fragwürige Herumdoktern an geltendem Recht (siehe Allgemeines Eisenbahngesetz Juli 2025) oder das Aussetzen von Ausführungsverordnungen (siehe Ausführungsvorschriften zu § 25 Berliner Mobilitätsgesetz – Bewältigung von Konfliktlagen bei der Umsetzung von Maßnahmen / AV Konfliktbewältigung -Okt.2025) neue Luft für den Bau der TVO zu verschaffen, ist schon seit Jahren der einzige Ausweg um den immer wieder gemachten Wahlversprechen überhaupt noch gerecht werden zu können. Die Bürger werden in ihren Bedenken nicht mitgenommen, sondern letztendlich in die Klage gezwungen. Der bittere Preis dafür ist schlimstenfalls ein weiterer Verlust an Vertrauen in den Rechtsstaat und die Lösungskompetenz von Politik genau auf der Seite, die eigentlich zu einer starken und wehrhaften Demokratie beiträgt.

  2. Suppe 13. Dezember 2025 at 22:49 - Reply

    Immer entlarvend, wenn etwas von Entlastung der Wohnviertel geredet wird, aber bei den parallel bestehenden Straßen weder Fahrstreifen reduzieren werden noch verkehrsberuhigende Maßnahmen genannt werden. Nicht anders als bei der A100.

    Sie sollten die TVO endlich verwerfen. Das wird aber unter der CDU nie passieren. Zur Not holt Frau Bonde noch eine erfundene Verkehrssimulation aus der Schublade, die dären Nutzen bestätigen soll, wäre ja nicht das erste mal.

  3. Ewald Karl 15. Dezember 2025 at 09:42 - Reply

    Die Verkehrspolitik der CDU ist wirklich unterirdisch. Eine Partei, die ausschließlich die Interessen der autofahrenden Berliner vertritt, verpulvert unsere Steuergelder ausschließlich dafür, unsere Wälder und unsere Stadt zu zerstören.
    Es sind offenbar Menschen, die nicht lernfähig gegenüber wissenschaftlichen Erkenntnissen sind und die aus der engen Gedankenwelt der Fünfzgerjahre nicht herausfinden.

    • Philipp 15. Dezember 2025 at 13:32 - Reply

      Klasse. Und unter Rot-Grün haben wir dann Klientel Politik für Fahrräder. Sorry, aber ich bin es auch leid völlig unnötige links-populistische Entscheidungen ertragen zu müssen wie z.B. „Begegnungszonen“ oder ähnlichen Unsinn, nur um Vor-Ort Parkraum zu vernichten. Der gleiche Schwachsinn wie diese „Pop-Up“ Radwege. Und als Fußgänger bin ich mittlerweile so und so deutlich besorgter wenn es um pöbelnde Fahrradfahrer geht, also um eher defensiv fahrende Autofahrer…

  4. Christian 15. Dezember 2025 at 10:05 - Reply

    Statt der A100 hätte man die TVO bauen sollen. Hier besteht wirklich Bedarf. Das wird jeder bestätigen, der mal durch die Rudolf-Rühl-Allee gefahren ist. Hier geht es nicht um die Zerstörung von Wald etc., sondern es entsteht ein tatsächlicher Nutzen für alle Autofahren und Anwohner.

  5. Sonja 15. Dezember 2025 at 14:09 - Reply

    @Christian (Gräff ??)… Das sehe ich völlig anders! … Die TVO postuliert vor allem eine Entlastung vom Wirtschaftsverkehr. Einlösen könnte sie dieses Versprechen allerdings nie.

    Die Masse des Verkehrs auf der RR-Allee besteht leicht nachprüfbar aus Berufspendlern. Zu einem wesentlichen Teil auch aus dem Umland von Berlin. Den federführenden Beführwortern einer TVO geht es aber garnicht um das Wohl der Pendler, sondern um eine Erschließung für den LKW-Verkehr. Denn LKW über 12t dürfen die dortige Brücke über den Bahndamm aktuell garnicht nutzen (… siehe https://maps.app.goo.gl/bYi1AG3pK28ZThuB9). Der Einsatz von IHK und anderen Verbänden ist also keinesfalls ganz uneigennützig auf das Wohl von Anwohnenden oder Pendlern gerichtet.

    Unternehmen außerhalb des Logisitk-Bussiness wiederum pledieren klar und deutlich für einen besseren Anschluss an den ÖPNV und insbesondere die Schiene. Denn ihre Mitarbeitenden würden damit tatsächlich entlastet. Die Attraktivität als Arbeitgeber würde steigen. Nebeneffekt, deutlich geringere Umweltauswirkungen und deutlich geringerer Schaden für die Gesundheit der Anwohnenden. …

    Das Einzugsgebiet der Automassen jedenfalls, die sich heute der RR-Allee entlangquälen und sich dann wegen der Dauerbaustellen entlang der Treskow-Alle und am Bahnhof Köpenick durch die Köpenicker Straße quetschen, geht deutlich über den für das Projekt betrachteten Untersuchungsraum hinaus. Die z.B. über eine NVT erreichbaren Entlastungen bei Umlenkung dieser Verkehre auf die Schiene sind sehr wahrschienlich nie realistisch untersucht worden. Warum sonst herrscht dazu keinerlei Transparenz? … Alles hängt daran, dass der aktuelle Senat für den LKW -Verkehr undbedingt die 4-spurige Lösung durchdrücken will. Es ist aber nicht nur die CDU sondern genauso die SPD, die sich einer Neubewertung verweigert. Denn nur zusammen können sie die dafür notwendingen Mehrheiten aufbringen. … Die jetzige CDU gebe ich diesbezüglich persöhnlich verlohren. Denn die will auch keine NVT! … Die SPD hingegen, müsste sich einfach mal entscheiden. Dass sie trotz Mit-Blockade einer Neubewertung zur TVO weiter für eine NVT kämpft, nimmt ihr glaube so langsam Niemand mehr ab.

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