Am nördlichen Rand des Kulturforums soll ein Neubau entstehen, der während der Sanierung der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße als Ausweichstandort dient. Der Bau soll Arbeitsplätze, Magazinflächen und öffentliche Bereiche aufnehmen. Gleichzeitig ist er Teil der umfangreichen Vorbereitung für die mehrjährige Grundinstandsetzung des Scharoun-Baus.

Modellfoto ZLB

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz plant einen Ersatzneubau an der Tiergartenstraße. Das Gebäude entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemäldegalerie und zum Kunstgewerbemuseum. / © Till Budde, bearbeitet vom BBR

© Titelbild: gmp Architekten

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Die Staatsbibliothek am Kulturforum gehört zu den prägendsten Kulturbauten der Berliner Nachkriegsmoderne. Hans Scharoun entwarf das Gebäude zwischen 1967 und 1978. Seitdem prägt das sogenannte „Bücherschiff“ das Ensemble zwischen Philharmonie und Neuer Nationalgalerie. Mit rund 114.000 Quadratmetern Brutto-Grundfläche zählt der Bau zu den größten Bibliotheken Deutschlands und steht heute unter Denkmalschutz.

Nach mehr als vier Jahrzehnten intensiver Nutzung zeigen sich jedoch deutliche bauliche und technische Probleme. Viele Anlagen erreichen ihre Belastungsgrenzen und verursachen immer wieder Störungen. Gleichzeitig führen Wasserschäden zu zusätzlichem Sanierungsbedarf. Außerdem verbaute man in den 1960er- und 1970er-Jahren Materialien, die heute teilweise als schadstoffbelastet gelten. Besonders die komplexen Lesesaaldecken lassen sich jedoch nur bei vollständiger Schließung sanieren.

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Ersatzneubau an der Tiergartenstraße am Kulturforum: Zwischenstandort für Bibliothek und Institut

Damit die Grundinstandsetzung beginnen kann, muss die Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße vollständig geräumt werden. Insgesamt benötigen rund 650 Beschäftigte neue Arbeitsplätze, außerdem müssen mehr als fünf Millionen Bücher und Medien ausgelagert werden. Deshalb plant die Stiftung Preußischer Kulturbesitz einen Ersatzneubau an der Tiergartenstraße.

Das Gebäude entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zur Gemäldegalerie und zum Kunstgewerbemuseum. Während der Sanierung entstehen dort rund 480 Arbeitsplätze sowie Magazinflächen für etwa 230.000 Bücher. Zusätzlich plant man einen Lesesaal mit rund 70 Leseplätzen und mehrere Veranstaltungsräume. Auch das Ibero-Amerikanische Institut setzt dort seinen Betrieb als Informations-, Forschungs- und Kulturzentrum fort.

Planung und Architektur des Ersatzneubaus am Kulturforum: Entwurf von gmp

Die Planung des Neubaus übernimmt die Generalplanungsgesellschaft gmp. Der Entwurf stammt von Stephan Schütz und Christian Hellmund. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung betreut das Projekt.

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Städtebaulich soll der Bau bis 2029 eine Lücke an der Tiergartenstraße schließen. Der Entwurf sieht einen Anbau an der Rückseite der Gemäldegalerie vor. Dadurch ergänzt der Neubau das Kulturforum und fügt sich zugleich in die bestehende Struktur ein. Entlang der Tiergartenstraße prägen Botschaften und Stiftungsgebäude das Stadtbild. Für öffentlich zugängliche Bereiche, besonders für die Fassadengestaltung, sieht das Vergabeverfahren zudem eine wettbewerbliche Ausarbeitung vor.

Sanierung der Staatsbibliothek am Kulturforum: Umfangreiche Modernisierung ab 2030

Der Ersatzneubau bildet eine wichtige Voraussetzung für die Sanierung der Staatsbibliothek. Ab 2030 soll das Haus an der Potsdamer Straße schließen. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich rund elf Jahre dauern. Während dieser Zeit bleibt der Standort Unter den Linden weiterhin geöffnet.

Im Zentrum der Grundinstandsetzung steht die vollständige Erneuerung der technischen Infrastruktur. Dazu gehören Klima- und Elektrotechnik, Datennetze, Beleuchtung und Buchtransportanlagen. Auch die Aufzüge ersetzt man vollständig. Für das Projekt wurden rund 1,1 Milliarden Euro genehmigt, zusätzlich kalkuliert man etwa 350 Millionen Euro für Risiken und mögliche Baupreissteigerungen.

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Quellen: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, rbb24

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3 Kommentare

  1. Böhme 7. März 2026 at 13:40 - Reply

    Wenn denn der Ersatzneubau erforderlich ist, also dafür ohnehin Millionen ausgegeben werden müssen, dann baut ihn so, dass hinterher die ZLB dort einziehen kann! Die Kosten für den Ersatzneubau lassen eine Absicht, die ZLB in das Galeria Kaufhof am Alexanderplatz ziehen zu lassen, noch absurder!

    Man kann es nicht oft genug wiederholen: Alle, auch die Befürworter, sind sich einig, dass ein Umzug der ZLB an den Alexanderplatz der größte Blödsinn ist. Es geht überhaupt nicht um die ZLB, sondern darum, das ehemalige Benko-Objekt, dass eine Immobilientochter der Commerzbank AG von dem Pleitier erworben hat, um die eigenen Kredite zu retten, wirtschaftlich zu retten, im Interesse der Commerzbank AG. Der Steuerzahler soll also mal wieder dafür blechen, dass die Privatwirtschaft geradezu tragische – und saudumme – Fehlentscheidungen getroffen hat. Das kann, das darf nicht sein!!!

  2. Chris Da 7. März 2026 at 20:34 - Reply

    Mir fehlt auch die Nachnutzung des Neubaus. Zudem scheint dieser so speziell zu sein, dass eine Nachnutzung schwierig ist.
    Wozu überhaupt ein Neubau? Gibt es im Bestand nicht irgendetwas geeignetes? Es muss ja nicht perfekt sein, sondern nur für die Übergangszeit irgendwie hinhauen.
    Überall gibt es Neubauten für Sanierungen (vom Schloss Bellvue mit Bundespräsidialamt bis hier).
    Wozu überhaupt für Provisorien neu bauen und das oft ohne einen Plan was mit dem Provisorium später gemacht werden soll. Ist das wirklich günstiger als sich irgendwo temporär einzumieten?

  3. Martina 11. März 2026 at 07:33 - Reply

    Wenn es nur eine temporäre Nutzung ist:
    Warum eine Ersatz-NEUBAU?????
    Das macht nur für dauerhafte Nutzung Sinn. Ein Gebäude hat übliche Nutzungszeiten von min. 100 Jahren.

    Hört auf unsere Steuergelder zu verschwenden.

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