Das Bezirksamt Wandsbek verlagert große Teile seiner Verwaltung in die ehemalige Karstadt-Immobilie am Wandsbeker Markt. Die Nachnutzung des leerstehenden Kaufhauses soll nicht nur moderne Büroflächen schaffen, sondern auch das Quartier städtebaulich aufwerten – ein Modell mit Signalwirkung, das auch über Hamburg hinaus Beachtung findet.

In das denkmalgeschützte Gebäude wird das Bezirksamt Wandsbek mit rund 370 Mitarbeitenden aus verschiedenen Fachbereichen wie Jugendamt, Grundsicherung oder Sozialraummanagement einziehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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Die leerstehenden Karstadt-Gebäude sind vielerorts ein Sinnbild für den Umbruch im innerstädtischen Handel. Auch in Hamburg-Wandsbek bot sich lange ein solcher Anblick, doch nun entsteht hier ein neuer Verwaltungssitz für das Bezirksamt. Rund 11.400 Quadratmeter wurden langfristig von der Stadt angemietet, die Umnutzung des traditionsreichen Gebäudes soll bis 2029 abgeschlossen sein.
Hinter dem Projekt stehen nicht nur pragmatische Gründe wie der Verzicht auf einen teuren Neubau. Es geht auch um eine strategische städtebauliche Neuausrichtung: Mit der Entscheidung für das Quartier Wandsbek Markt verbindet sich das Ziel, neue urbane Nutzungsideen in bestehende Bausubstanz zu integrieren und gleichzeitig eine lebendige Durchmischung von Wohnen, Arbeiten und Freizeit zu fördern.
Verwaltung im Wandel: Neue Arbeitswelten am Wandsbeker Markt
In das denkmalgeschützte Gebäude wird das Bezirksamt Wandsbek mit rund 370 Mitarbeitenden aus verschiedenen Fachbereichen wie Jugendamt, Grundsicherung oder Sozialraummanagement einziehen. Neben Büroarbeitsplätzen ist auch ein Bürgerbereich mit direktem Kontaktangebot vorgesehen. Damit rückt die Verwaltung näher an die Menschen im Bezirk heran – ein „Bezirksamt der kurzen Wege“, wie es von politischer Seite heißt.
Die Umgestaltung der Immobilie sieht moderne, flexible Büroflächen auf etwa 10.500 Quadratmetern vor. Die Mietvereinbarung zwischen Union Investment, der Eigentümerin des Gebäudes, und der zur Finanzbehörde gehörenden ISZ GmbH wurde über 20 Jahre abgeschlossen und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch die Hamburger Bürgerschaft.
„Quartier Wandsbek Markt“: Städtebauliche Aufwertung durch Quartiersentwicklung
Das Projekt ist Teil des umfangreichen Stadtentwicklungsprogramms „Quartier Wandsbek Markt“. Neben dem ehemaligen Kaufhaus sollen weitere Flächen für Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Wohnen entstehen. Der Abriss eines alten Parkhauses wurde bereits vollzogen, im Sommer 2025 folgen Rückbau und Sanierung der rückwärtigen Gebäudeteile. Die historische Fassade zum Markt hin bleibt erhalten.
Projektverantwortliche sehen in der Nachnutzung ein Musterbeispiel für gelungene Transformation: Anstelle von Leerstand oder Abriss wird Bestandsarchitektur zeitgemäß weiterentwickelt. Diese Strategie entspricht aktuellen städtebaulichen Leitbildern – auch andernorts in Deutschland. Wie im Fall des „Jupiter“-Hauses in der Hamburger Innenstadt oder leerstehender Karstadt-Immobilien in Berlin zeigt sich, dass neue Nutzungsideen gefragt sind.
Aus wirtschaftlichen Gründen: Karstadt-Umnutzung als Signal für nachhaltige Innenstadtentwicklung
Die Entscheidung für den Standort Karstadt statt eines Neubaus wurde zudem auch durch wirtschaftliche Faktoren beeinflusst. Gestiegene Baukosten und eine reduzierte Flächenplanung durch Homeoffice-Konzepte machten den Umbau zur effizienteren Lösung. Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel sprach in diesem Zusammenhang von einer „pragmatischen und attraktiven Lösung für Hamburgs größten Bezirk“.
Auch aus Sicht des Bezirksamts Wandsbek bringt der neue Standort Vorteile mit sich. Die Mitarbeitenden konnten in die Planungen einbezogen werden, was zu einer besseren Gestaltung der zukünftigen Arbeitsplätze beiträgt. Der Umzug sei nicht nur organisatorisch sinnvoll, sondern werde auch die Effizienz und Bürgernähe der Verwaltung stärken.
Bezirksamt Wandsbek: Einbindung in den urbanen Kontext
Die zentrale Lage am U-Bahnhof Wandsbek Markt und die Nähe zu weiteren Verwaltungsstellen erleichtert die Erreichbarkeit. Die Integration des Bezirksamts in ein lebendiges Quartier mit vielfältiger Nutzung soll zugleich Synergien erzeugen – ein Ansatz, der auch an anderen Stellen verfolgt wird. Jüngstes Beispiel in Hamburg ist das Kulturprojekt „Jupiter“, das kürzlich aufgrund von Sicherheitsmängeln schließen musste.
Der Umzug des Bezirksamts Wandsbek markiert damit nicht nur ein neues Kapitel für die Verwaltung, sondern ist auch ein städtebauliches Statement: Stadtentwicklung kann gelingen, wenn vorhandene Räume intelligent und nachhaltig neu genutzt werden.
Quellen: Hamburger Abendblatt, NDR, hamburg.de, Immobilienmanager, Union Investment
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