Anzeige
Bevor das Humboldt Forum gebaut wurde, erlebte der Berliner Schlossplatz eine stille, grüne Zwischennutzung. Die Schlossplatz-Wiese wurde von vielen Berlinerinnen und Berlinern als Freiraum mitten in der Stadt geschätzt und ist heute fast vergessen.

Zwischen Abriss und Neubau entstand auf dem Schlossplatz eine der ungewöhnlichsten Freiflächen der Hauptstadt. Die Wiese, auf der sogar Fußball vor dem Berliner Dom gespielt wurde, war eine stille Alternative im Herzen Berlins. / © Foto: IMAGO / imagebroker

© Fotos: IMAGO / imagebroker

 

ANZEIGE

Zwischen dem Abriss des Palastes der Republik und dem Neubau des Humboldt Forums gab es in der Berliner Mitte, zwischen Spree, Lustgarten und Schlossplatz, für wenige Jahre eine Freiflächennutzung, die mittlerweile fast wieder in Vergessenheit geraten ist. Bis zum Baubeginn des Humboldt Forums, der 2014 startete und 2021 abgeschlossen wurde, konnten Berlinerinnen und Berliner den Schlossplatz ganz frei und unkompliziert nutzen.

Denn als Zwischennutzung wurde eine große Wiese angelegt, versehen mit Holzplanken, die eine Überquerung des Geläufs ermöglichten. Erlaubt war auf der Wiese eigentlich alles, auch Fußballspielen vor der historischen Kulisse des Berliner Doms war auf dem 1,4 Millionen Euro teuren Rollrasen, der verlegt worden war, möglich. Eröffnet wurde die Freifläche im Sommer 2009.

Sommer 2009 in Berlin-Mitte: Die Schlossplatz-Wiese wurde als Zwischennutzung eröffnet

Das mediale Echo auf die Schlossplatz-Wiese war durchaus positiv. So schrieb Ralf Schönball im Tagesspiegel im Oktober 2006 zur geplanten Rasenfläche: „Und jetzt mal ehrlich: Gibt es eine Alternative zu einem Plan, der unendlich viel Raum für Gestaltung lässt? Wären tatsächlich Kunstcontainer, wie sie vorgeschlagen wurden, die bessere Wahl? Gerade weil diesmal auf Symbole und große Gesten verzichtet wird, wird der neue Berliner Schlossplatz künftig zu einem Magnet in Mitte.

ANZEIGE

Auch die FAZ konnte dem Konzept etwas positives abgewinnen: „Bis der Bau des Stadtschlosses beginnt, wächst nun Gras auf Berlins wichtigstem Platz. Das gibt einem die Chance, in der symbolischen Mitte des Landes zu stehen.“ Immerhin gab es nicht nur die grüne Wiese, Besucherinnen und Besucher hatten auch die Möglichkeit, Überreste der Kelleranlagen des einstigen Stadtschlosses zu besichtigen, die im Rahmen des Projekts sichtbar gemacht wurden.

Einige Journalisten empfahlen sogar, die Wiese zu belassen und auf den Bau des Humboldt Forums zu verzichten

Andreas Rosenfelder empfahl in seinem Beitrag aus dem Juni 2010 für DIE WELT sogar, die Rasenfläche dauerhaft zu erhalten, anstatt das Projekt Humboldt Forum umzusetzen: „Natürlich wäre es lächerlich, die 18.000 Quadratmeter Wiese auf dem Schlossplatz zur grünen Lunge der neuen Mitte aufzublasen. Ein paar Halme machen keinen Central Park. Aber das Gefühl bleibt, dass auch die Grünfläche ihre eigene Symbolik entfalten könnte, dass die Stadt hier Gras wachsen lassen könnte über ein geschichtspolitisches Projekt, das sie in mancher Hinsicht überfordert – selbst wenn Peter Ramsauer noch daran glaubt.

Die Berlinerinnen und Berliner sowie auch die Touristen nahmen die Wiese auf dem Gelände von Palast der Republik und Stadtschloss dankend an, doch ein neuer Berliner Central Park wurde nicht daraus. Rauschende Kulturfestivals oder lange Partynächte gab es kaum auf der schlichten Wiese, dafür traf man sich ganz offenbar woanders. Denn Grünflächen gibt es in der Hauptstadt ja tatsächlich in großem Ausmaß.

ANZEIGE

Nach der Wiese kam die Baustelle: Der Bau des Humboldt Forums beendete die Rasen-Idylle

Nach der Wiese kam die Baustelle, denn das Humboldt Forum wurde, allen Unkenrufen zum Trotz, dann doch sehr schnell in Angriff genommen. Und so wurde aus dem flauschigen Rasenfeld sehr schnell wieder eine große Baustelle. Heute wird vor allem der zu stark versiegelte Schlossplatz im Süden des Kulturbaus kritisiert, der in den kommenden Jahren daher noch einmal nachträglich begrünt werden soll.

Vielleicht hätte man einen Teil der Schlossplatz-Wiese in den Neubau des Humboldt Forums integrieren sollen, doch in den Wettbewerbsergebnissen der teilnehmenden Architekten dominierten vor allem große Steinflächen. Das bedeutet aber nicht, dass es in der historischen Berliner Mitte keine neuen grünen Freiflächen geben soll.

Denn das sogenannte „Rathausforum“, einst Standort der historischen Altstadt und nordöstlich an das Humboldt Forum angrenzend, wird für 34 Millionen Euro umgestaltet. Eine Grünfläche soll entstehen, die zugleich Freiraum und Erinnerungsort sein soll. Die ersten Bauarbeiten haben Anfang des Jahres begonnen, und in wenigen Jahren wird es also wieder eine neue Wiese mit Blick auf den Berliner Dom geben – und dieses Mal auch mit Blick auf das (rekonstruierte) Stadtschloss.

Geplante Freifläche nordöstlich vom Humboldt Forum: Das „Rathausforum“ entsteht in den kommenden Jahren für 34 Millionen Euro. / © Visualisierung: Grün Berlin GmbH

Quellen: Stiftung Preußischer Kulturbesitz, martin-schuster.com, FAZ, Der Tagesspiegel, Wikipedia, Berliner Morgenpost, Der Spiegel, DIE WELT, Grün Berlin GmbH

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

One Comment

  1. berg 29. August 2025 at 15:47 - Reply

    ja das war eine schöne zeit! und auch super interssant war die freilegung der hist. kellerräume! und jetzt? beton rübergekippt und verzauberter führerbunker.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.