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An der Bernauer Straße in Berlin-Mitte hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte insgesamt 87 neue Mietwohnungen auf der Fläche des ehemaligen Mauerstreifens realisiert. Wo einst Niemandsland war, leben seit fast einem Jahr Menschen in einem neuen, modernen Wohnquartier.

Spielplatz bei Neubauten Bernauer Straße, Berlin

Die Wohnungen in den Neubauten an der Bernauer Straße sind längst bezogen, während auf den Spielplätzen und im Erdgeschoss noch letzte Arbeiten laufen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

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Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft WBM hatte im Februar 2024 Richtfest für ein ganz besonderes Wohnprojekt gefeiert, welches auf dem Areal des einstigen Mauerstreifens an der Bernauer Straße in Berlin-Mitte entstanden ist. Ein Jahr später, im Februar 2025, war das neue Wohnquartier offiziell fertiggestellt worden.

Die beiden fünf- und sechsgeschossigen Neubauten befinden sich inmitten der Erinnerungslandschaft entlang der Bernauer Straße zum Gedenken an die Berliner Mauer. Während die Wohnungen bereits bezogen sind, wird im Erdgeschoss noch nach Gewerbemietern gesucht, einige Flächen sind jedoch schon ausgebaut und die Arbeiten laufen dort weiterhin. Auch die Spielplätze sind noch gesperrt, doch die Anlage zeigt sich insgesamt als lebendiger Wohnort mitten im historischen Umfeld.

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Gedenkort Bernauer Straße: 87 Wohnungen auf dem einstigen Mauerstreifen in Berlin-Mitte

Der ehemalige Postenweg im Bereich zwischen Brunnen- und Schwedter Straße führt über den hinteren Teil des Grundstücks und ist in Abstimmung mit der Stiftung Berliner Mauer weiterhin als Teil der Erinnerungskultur öffentlich zugänglich. Diese Zugänglichkeit war Voraussetzung dafür, dass das Wohnprojekt letztlich grünes Licht vom Berliner Senat bekam.

Der während der Arbeiten auf der Baustelle entdeckte Fluchttunnel wurde behutsam durch das Verfüllen mit einem Flüssigboden gesichert, „um seine Bedeutung für kommende Generationen zu bewahren,“ wie es seitens der WBM heißt.

Die WBM hatte das Grundstück auf dem Mauerstreifen bereits 2019 erworben, um Wohnungen zu bauen

Visualisierung WBM Bernauer Straße

© Visualisierung: WBM

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Bereits im Juni 2019 hatte die WBM das Grundstück von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erworben, um auf der Fläche, auf der es vor dem Mauerbau eine historische Blockrandbebauung gegeben hat, wieder Wohnungen zu errichten.

Anfang 2023 hatten die Bauarbeiten schließlich begonnen. Die neuen Wohnhäuser sind auf zwei separaten Grundstücken entstanden, die eben durch den oben erwähnten historischen Postenweg getrennt sind. Direkt an diesem einstigen Postenweg gab es schon vorher eine erste Bebauung auf dem Grundstück. In diesem Gebäude ist unter anderem ein Kiosk untergebracht.

Bernauer Straße: Die neuen Wohngebäude orientieren sich an der Traufhöhe der Umgebung

Links und rechts davon sind in den vergangenen Jahren die neuen Wohngebäude, die sich architektonisch an den bislang an der Bernauer Straße neu entstandenen Wohnhäusern orientieren und diese nicht überragen. Der Entwurf für das Ensemble kommt vom Architekturbüro Mars Architekten.

Die neuen Wohnhäuser verfügen über fünf bzw. sechs Geschosse und bleiben damit in der umgebenden Traufhöhe. Über dem Erdgeschoss, welches für Gewerbe- und Einzelhandelsflächen freigegeben ist, sind die 87 Wohnungen errichtet worden.

WBM-Projekt in Berlin-Mitte: Die Hälfte der Wohnungen wurden barrierefrei errichtet

Rund die Hälfte dieser Wohnungen wurden barrierefrei errichtet, über ein bis vier Zimmer verfügen die Wohneinheiten heute. Die kleinste Wohnung umfasst 35 Quadratmeter, die größte 100 Quadratmeter. 26 der 87 Wohnungen werden zudem als Sozialwohnungen genutzt.

Aufgrund des historisch relevanten Baugrunds wurden begleitend zu den Tiefbauarbeiten archäologische Untersuchungen der sogenannten “Tiefenkeller” der ehemaligen Grenztruppen zu Dokumentationszwecken vorgenommen.

Mauerstreifen: Wohnungsbau auf historisch sensiblem Gelände

Gedenktafeln Brunnenstraße / Bernauer Straße, Berlin

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Der Bebauungsplan für das Projekt war, was nicht immer üblich ist, ausgesprochen detailliert konzipiert, mit stringenten Vorgaben zur Gebäudekubatur und Fassadengestaltung, was der sensiblen Umgebung rund um das Wohnhaus geschuldet ist.

Die Dachflächen des Neubaus sollten extensiv begrünt und mit einer mineralischen Dämmung versehen werden. Das Unternehmen Otto Wulff Bauunternehmung GmbH fungierte während der Bauzeit als Generalübernehmer des Projekts.

Auf dem einst tödlichen Grenzstreifen im Zentrum Berlins wird heute gewohnt

Petra Kahlfeldt äußerte sich vor zwei Jahren wie folgt zum Projekt: „Wo die deutsche Teilung einst eine Zäsur in die Stadt geschlagen hat, finden heute Menschen ein neues Zuhause. Der Bau von Wohnungen an der Bernauer Straße – eingebettet in die bekannte Gedenkstätte Berliner Mauer – geht auf ein Gutachterverfahren für den Gesamtbereich im Jahr 2007 zurück.

Mit dem viel diskutierten und aufwendig vorbereiteten Wohnprojekt wurde schließlich eine lange vorhandene, städtebauliche Wunde behutsam – mit einer sicher sinnvollen Nutzung – geschlossen. Der architektonische Fußabdruck kommt eher zurückhaltend daher, die entstandenen Wohnhäuser wurden äußerst nüchtern und sachlich gestaltet, was die neuen Bewohnerinnen und Bewohner allerdings kaum stören wird.

Neubauten Bernauer Straße, Berlin

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Neubauten Bernauer Straße, Berlin

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Neubauten Bernauer Straße, Berlin

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: WBM, Berliner Zeitung, Architektur Urbanistik Berlin, Berliner Woche, MARS Architekten, LINIE CREUTZFELDT, Stiftung Berliner Mauer, Otto Wulff Bauunternehmung GmbH

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