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Berlin erlebt seit fast einem Jahrzehnt eine bemerkenswerte Schulbauoffensive, die weiter anhält. An vielen Standorten entstehen neue Bildungsbauten, die weit mehr sein sollen als reine Unterrichtsorte. Sie folgen modernen pädagogischen Konzepten, setzen auf Nachhaltigkeit und schaffen flexible Lernlandschaften für eine neue Generation von Schülerinnen und Schülern.

© Titelbild: HOWOGE, AFF Architekten GmbH

 

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Wer heute eine Berliner Schule betritt, erlebt einen radikalen Wandel. Klassische Flure, die Unterrichtsräume aneinanderreihen, weichen offenen Lernlandschaften. Architektur und Pädagogik sind dabei eng verbunden: Lernstrategien bestimmen den Grundriss, Materialien und Lichtführung spiegeln didaktische Konzepte wider.

Das sogenannte Compartmentkonzept steht im Zentrum dieses Umdenkens. Es ersetzt die traditionelle Trennung von Unterricht, Gruppenarbeit und Pause durch flexible Räume, die Rückzug, Austausch und individuelle Förderung zulassen. Die Architektur soll aktiv produktives Lernen unterstützen.

Schulbau: In Berlin entstehen Bildungsprojekte mit sehr unterschiedlichen architektonischen Ansätzen

Es gibt nur wenige Disziplinen, bei denen der Berliner Senat in den vergangenen Jahren so glänzen konnte wie beim Bau neuer Kitas und Schulen. In allen Bezirken wurden moderne und auch großformatige Bildungsstrukturen geschaffen – und die Entwicklung ist längst nicht am Ende.

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Ausgewählte Projekte zeigen dabei, dass der architektonische Ansatz jeweils sehr unterschiedlich sein kann, abhängig von den städtebaulichen Gegebenheiten rund um die Schule. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt eine Auswahl zukünftiger Berliner Schulen, die mitunter sehr unterschiedlich konzipiert sind.

Grundschulneubau Bruno-Baum-Straße in Marzahn-Hellersdorf: Grundschulneubau in modularer Holzbauweise

Grundschulneubau Bruno-Baum-Straße in Marzahn-Hellersdorf

Der modulare Holzbau an der Bruno-Baum-Straße wurde bereits fertiggestellt. Die Schule ist Teil des Berliner HOCOMP-Programms, das serielle Holzmodulbauten in hoher Vorfertigung umsetzt. Vorgefertigte Module bilden die Basis der dreizügigen Schule. / © Visualisierung: bloomimages + ARGE HOCOMP

Für die Grundschule in der Bruno-Baum-Straße in Marzahn-Hellersdorf wurden 195 vorgefertigte Module, mit integrierter Technik, angefertigt und vor Ort montiert, dadurch konnte die Bauzeit deutlich verkürzt werden und die Schule pünktlich bezogen werden. Große Fenster und ein begrüntes Dach verbessern Tageslicht und das Mikroklima.

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Das pädagogische Konzept ordnet Klassen, Teamflächen und offene Lernzonen zu Compartments, was unterschiedliche Lernformen unterstützt und Abläufe verkürzt. Zudem schafft die Sporthalle ermöglicht vielfältige Nutzungen, auch für den Vereinssport.

Gymnasium Schulstraße in Wedding: Komplexe Form auf engem Raum

Gymnasium Schulstraße in Wedding

(NEIN) Der Entwurf von a+r Architekten nutzt polygonale Baukörper, um das beengte Grundstück optimal zu erschließen. Eine innere Schulstraße und offene Lernzonen fördern Kommunikation und Orientierung zugleich. / © Visualisierung: moka-studio für a+r Architekten GmbH

Im dicht bebauten Wedding entsteht ein Gymnasium, das die Enge des Grundstücks als Entwurfsmotiv nutzt. Drei polygonale Baukörper fügen sich um eine „innere Schulstraße“, diese lenkt Tageslicht tief ins Gebäude. Große Glasflächen öffnen den Blick nach außen, während ruhige Innenhöfe konzentriertes Arbeiten ermöglichen.

Der Entwurf reagiert sensibel auf das städtische Umfeld. Die klare Gliederung schafft Orientierung, die Doppelsporthalle im Baukörper verleiht dem Ensemble Maßstäblichkeit. Die Architektur verbindet Funktion mit Präzision, sie nimmt Rücksicht und setzt zugleich ein Zeichen für den Bildungsbau in verdichteten Stadtlagen.

Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichshain-Kreuzberg: Verdichtung als Gestaltungsmittel

Heinrich-Hertz-Gymnasium in Friedrichshain-Kreuzberg

Die Schule liegt an einem Übergang zwischen dichter Wohnbebauung und offener Bahntrasse. Das neue Ensemble schafft mit Terrassen, grünen Dächern und einem kleinen Vorplatz eine städtebauliche Verbindung zwischen Quartier und Ostbahnhof. / © Visualisierung: HOWOGE, AFF Architekten GmbH

Das derzeit wachsende Heinrich-Hertz-Gymnasium zeigt, wie kompakte Architektur dennoch Weite erzeugen kann. Terrassen, Dachgärten und unterschiedliche Höhenniveaus verbinden die Räume zu einer Lernlandschaft. Die Schülerinnen und Schüler bewegen sich zwischen Ebenen, ohne den Bezug zu Licht und Außenraum zu verlieren.

Das Gebäude reagiert auf unterschiedliche Lernrhythmen: stille Ecken wechseln sich mit offenen Treffpunkten ab, Arbeitszonen mit grünen Klassen auf dem Dach. Diese Architektur versteht Lernen als Bewegung durch Raum, Zeit und Idee. Sie macht Bildung sichtbar, indem sie sie begehbar macht. Die Besonderheit dieses Projektes ist, dass das Gebäude auf einem äußerst kleinen Grundstück umgesetzt wird.

Die Clay-Schule in Neukölln: Licht, Klang und Konzentration

Clay-Schule in Neukölln

Der 19.000 Quadratmeter große Neubau ist eine von drei Berliner Pilotschulen für innovative Lernarchitektur. Eine „innere Schulstraße“ verbindet alle Gemeinschaftsbereiche und schafft Sichtbeziehungen zwischen Aula, Mensa und Lernclustern. / © Staab Architekten GmbH, Ruben Beilby

Die Clay-Schule übersetzt das pädagogische Prinzip der Balance in architektonische Form. Drei Lichthöfe strukturieren den Bau und sorgen für wechselnde Lichtstimmungen, die den Tagesverlauf spürbar machen. Im Erdgeschoss liegen Aula, Mensa und Ganztagsbereich, darüber Lerncluster mit Terrassen, in denen Jahrgänge gemeinsam lernen und sich zurückziehen können.

Sichtbeton und Holz bilden eine sinnliche Komposition aus Ruhe und Wärme. Das Gebäude fördert selbstständiges Arbeiten ebenso wie gemeinsames Musizieren, Diskutieren und Forschen. Architektur wird hier zu einer Bühne für Lernprozesse, die Vielfalt und Individualität gleichberechtigt zulassen.

Gemeinschaftsschule Adlershof: Übergänge zwischen Aktivität und Rückzug

Gemeinschaftsschule Adlershof, Berlin

Die Planung entstand in enger Abstimmung mit künftigen Lehrkräften und Schülergruppen. Der Entwurf nutzt die Senke des Geländes, um unterschiedliche Niveaus zu schaffen, und integriert Bäume direkt in die Freiflächen. / © AFF Architekten Berlin, Gruppe Planwerk, nhst Architekten, ZECH Hochbau AG

In Adlershof entsteht ein Schulcampus, der die Bewegung des Lernens in seine Form integriert. Mehrere Schulhäuser staffeln sich entlang einer Piazza, die Begegnung und Orientierung bietet. Innen verbinden offene Treppen, Brücken und Innenhöfe die Ebenen miteinander. So entsteht ein fließender Übergang zwischen Unterricht und Alltag.

Die räumliche Organisation folgt der Idee des forschenden Lernens. Lehrkräfte begleiten den Prozess, statt ihn zu lenken, und die Architektur reagiert darauf: Räume sind offen, Übergänge sichtbar, Zwischenzonen bewusst gestaltet. Die Schule wird zu einer kleinen Stadt, in der Schüler und Schülerinnen zum Lernen angeregt werden.

Integrierte Sekundarschule und Gymnasium an der Allee der Kosmonauten: Zwei Schulen mit einer Mitte

Integrierte Sekundarschule und Gymnasium an der Allee der Kosmonauten

Hier wurde erstmals das Compartmentmodell in großem Maßstab umgesetzt. Eine Photovoltaikanlage und Retentionsdächer dienen als Lehr- und Forschungsobjekte im Unterricht zu Energie und Nachhaltigkeit. / © Foto: Jan Bitter, Architektur: PPAG architects ztgmbh

An der Allee der Kosmonauten vereinen sich zwei Schulen in einem großen Ensemble. Fünf sternförmige Gebäudeflügel umringen zentrale Sporthallen, die als Herzstück dienen. Diese Mitte ist nicht nur architektonischer, sondern auch sozialer Kern.

Die Compartments bilden kleine Lernhäuser, in denen Jahrgänge und Teams selbstständig arbeiten können. Foren, Bibliothek und Aula sind offen und transparent gestaltet. So entstehen Orte, die Kommunikation fördern, ohne Lautstärke zu erzeugen. Hier zeigt sich, wie räumliche Gliederung Lernkultur prägt: Der Bau denkt in Begegnungen, nicht in Trennungen.

ISS Eisenacher Straße in Mariendorf: Offene Struktur für flexible Lernzonen

ISS Eisenacher Straße in Mariendorf

Das Grundstück war früher Teil einer Kleingartenanlage. Alte Baumstrukturen wurden erhalten und in die Freianlagen integriert, um Schattenzonen und ökologische Lernräume zu schaffen. / © AFF Architekten Berlin

In Mariendorf verbindet ein Ensemble aus drei Schulgebäuden und einer Sporthalle klare Geometrie mit Offenheit. Einschnitte im Baukörper schaffen Zwischenräume, die Ruhe und Orientierung zugleich bieten. Durch Glaswände fällt Tageslicht tief in die Compartments, wodurch Transparenz und Konzentration gleichzeitig möglich sind.

Lernen findet hier in Bewegung statt: Gruppen wandern zwischen Lernzonen, Flächen verändern sich nach Bedarf. Diese Flexibilität erlaubt es, Methoden anzupassen, ohne den Raum zu wechseln. Der Bau macht Lernen räumlich erfahrbar, er begleitet statt zu bestimmen.

Gymnasium Erich-Kästner-Straße in Marzahn-Hellersdorf: Verbindung von Nachhaltigkeit mit architektonischer Qualität

Gymnasium Erich-Kästner-Straße in Marzahn-Hellersdorf

Das Gymnasium liegt unweit der Gärten der Welt und bezieht sich in seiner Fassadengestaltung auf die Gartenlandschaft. Rankgerüste und begrünte Höfe fördern das Mikroklima und dienen gleichzeitig als Lernorte für ökologische Bildung. / © rendertaxi für Hausmann Architekten GmbH

Das Gymnasium an der Erich-Kästner-Straße schafft mit seiner Kammstruktur klare Bezüge und offene Sichtachsen. Acht Compartments reihen sich um vier Lichthöfe, die Licht und Ruhe ins Gebäude holen. Holzfassaden, Gründächer und Photovoltaikanlagen verbinden Nachhaltigkeit mit architektonischer Qualität.

Die Räume sind so konzipiert, dass sie verschiedene Lernformen aufnehmen können. Projektarbeit, stille Phasen und Teamlernen wechseln sich ab, ohne den Raumcharakter zu verändern. Architektur und Pädagogik greifen ineinander, sodass das Gebäude selbst zu einer Einladung zum Lernen wird.

Gymnasium Rhenaniastraße in der Wasserstadt Spandau: Vier windmühlenförmig angeordnete Segmente

Gymnasium Rhenaniastraße in Spandau

Der Baukörper steht auf einer erhöhten Plattform als Schutz vor Hochwasser. Rampen und sanft modellierte Wege verbinden die Schule barrierefrei mit dem angrenzenden Quartierspark. / © Wulf Architekten GmbH

Das Gymnasium Rhenaniastraße liegt in der Wasserstadt Spandau und fügt sich behutsam in die Landschaft ein. Vier Flügel gruppieren sich um grüne Höfe, die unterschiedliche Atmosphären erzeugen.

Jedes Segment beherbergt ein Compartment mit eigenem Forum. Glas, Holz und helle Oberflächen schaffen Transparenz und Offenheit. Die Architektur nutzt die Nähe zum Wasser, um Weite und Ruhe zu vermitteln, während der Baukörper eine klare Ordnung wahrt.

Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld in Spandau: Ehemaliger Industriestandort wird zum Schulcampus

Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld in Spandau

Die Architektur nimmt Bezug auf die industrielle Geschichte des Areals. Sichtbare Stahlträger, große Glasflächen und Ziegeldetails erinnern an die ehemaligen Kabelwerke, während grüne Höfe den Neubau mit der Umgebung verweben. / © Visualisierung: Interstitial für gernot schulz : architektur GmbH / HOWOGE

Auf der Insel Gartenfeld entsteht eine Gemeinschaftsschule, die den Eingang zu einem neuen Quartier markiert. Begrünte Höfe und großzügige Glasflächen öffnen das Gebäude zur Landschaft.

Die Compartments sind wie kleine Schulen organisiert. Mensa, Aula und Sporthalle liegen am zentralen Platz und verbinden Schule und Stadt. Lernen wird hier als Teil des städtischen Lebens begriffen, der Raum als Brücke zwischen Bildung und Gemeinschaft. Das architektonische Konzept stammt aus der Feder des Büros gernot schulz : architektur GmbH.

Integrierte Sekundarschule „Am Breiten Luch“ in Neu-Hohenschönhausen: Offene Architektur für gemeinsames Lernen

Integrierte Sekundarschule „Am Breiten Luch“ in Neu-Hohenschönhausen

Der Neubau wurde nach dem BNB-Silber-Standard zertifiziert. Eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, Regenwassernutzung und energiesparende LED-Technik tragen zu einem besonders niedrigen Energieverbrauch bei. / © Visualisierung HOWOGE, RENNER Architekten, KHR Architecture

Die Integrierte Sekundarschule „Am Breiten Luch“ verbindet Offenheit mit Struktur. Acht Compartments gliedern das Gebäude, während die halbtransparente Sporthalle als städtebauliches Zeichen wirkt.

Im Inneren schaffen klare Sichtachsen Orientierung. Helle Materialien und großzügige Fenster fördern Konzentration und Wohlbefinden. Die Schule öffnet sich bewusst zur Nachbarschaft und wird auch außerhalb der Unterrichtszeit genutzt.

Berlins neue Schulbauten: Architektur als Spiegel der Lernkultur

Berlins neue Schulen zeigen, dass Architektur mehr sein kann als eine bloße Hülle. Sie wird zum Medium des Lernens, das Atmosphäre schafft, Orientierung gibt und Neugier weckt. Compartmentstrukturen, Lichtführung und Materialwahl sollen dabei pädagogische Ziele in gebaute Formen übersetzen.

Wirklich funktionieren kann dies natürlich nur, wenn auch die strukturellen und personellen Voraussetzungen der Schulen gegeben sind. Das bleibt letztlich noch zu beweisen, doch die reine Quantität an neuen und mitunter innovativ gestalteten Schulen zeigt, dass der Berliner Senat in den vergangenen Jahren das Thema Bildung sehr viel effektiver umgesetzt hat als beispielsweise den landeseigenen Wohnungsbau. Immerhin.

 

Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, HOWOGE, Bezirksamt Lichtenberg, a+r architekten, AFF ARCHITEKTEN, Staab Architekten, PPAG architects, Hausmann Architekten GmbH, Wulf Architekten, gernot schulz : architektur 

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