Das Humboldt Forum hat seine Kritiker eines Besseren belehrt: Statt lebloser Kulisse ist es heute kulturelles Zentrum und Publikumsmagnet der deutschen Hauptstadt. Kein Museum in Berlin zieht derzeit mehr Menschen an. Auch bei der Langen Nacht der Museen war das riesige Haus auf der Museumsinsel die am meisten besuchte Kulturstätte.

Die Prognose vom „toten Bau“ ist nicht eingetreten: Das Humboldt Forum pulsiert wie kein anderes Museum in Berlin. Veranstaltungen und Ausstellungen locken Rekordzahlen ins Haus am Schlossplatz. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
© Foto Titelbild: Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

 

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Als der Wiederaufbau des Berliner Schlosses und die Errichtung des Humboldt Forums vor rund 15 Jahren beschlossen wurden, war die Skepsis vieler Architektur- und Kulturexperten groß, auch zahlreiche Journalisten schrieben düstere Prognosen in die bundesdeutschen Gazetten.

Kritiker warnten, das neue Haus könnte zu einem „toten Gebäude“ ohne Seele werden, eine museale Fassade ohne Relevanz für die deutsche Hauptstadt. Heute zeigt sich, dass diese Prognosen, zumindest was die Besucherzahlen angeht, ins Leere liefen: Das Humboldt Forum ist längst ein zentraler Magnet im Berliner Kulturleben, und inzwischen das meistbesuchte Museum der Stadt, noch vor der Topographie des Terrors, der Gedenkstätte Bernauer Straße oder dem Jüdischen Museum.

Humboldt Forum Berlin: Rekordzahlen bei der Langen Nacht der Museen

Ein eindrucksvolles Beispiel lieferte die diesjährige Lange Nacht der Museen. Rund 50.000 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, mehr als 70 Häuser in Berlin zu erkunden. Kein Ort war so gefragt wie das Humboldt Forum: Das Haus im rekonstruierten Schloss an der Spree verzeichnete die meisten Eintritte des Abends. Lange Schlangen bildeten sich vor den Eingängen, die Ausstellungen und Programme im Inneren waren bis spät in die Nacht stark frequentiert.

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Die Zahlen belegen, dass das Humboldt Forum nicht nur architektonisch, sondern ganz offenbar auch inhaltlich eine zentrale Rolle im kulturellen Leben der Stadt übernommen hat. Das Konzept, internationale Sammlungen, moderne Sonderausstellungen und interdisziplinäre Diskurse an einem Ort zu bündeln, findet beim Publikum großen Zuspruch, aller Unkenrufe zum Trotz. So hatte die ZEIT kurz nach der Eröffnung des Hauses 2021 das Humboldt Forum in einem Kommentar noch als „Rummelbude“ verschrien.

Spitzenposition im Museumsranking der Hauptstadt

Nicht nur bei einzelnen Veranstaltungen führt das Humboldt Forum die Ranglisten an. Laut der offiziellen Übersicht der meistbesuchten Museen Berlins belegt das Haus auch im regulären Jahresbetrieb Platz eins. Damit hat es sich an die Spitze einer starken Museumslandschaft gesetzt, zu der auch Institutionen wie das Deutsche Historische Museum, das (teilweise offene) Pergamonmuseum oder die Alte Nationalgalerie gehören.

Diese Spitzenposition ist keineswegs selbstverständlich. Denn die Konkurrenz um die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher ist in Berlin groß, die Auswahl an renommierten Häusern vielfältig. Dass sich das Humboldt Forum dennoch durchsetzen konnte, zeigt die Relevanz des Standorts ebenso wie die Attraktivität der gebotenen Inhalte.

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Lebendiges Forum statt „toter Architektur“: Das Humboldt Forum in Berlins historischem Zentrum

Die anhaltende Kritik am Wiederaufbau des Berliner Schlosses konzentrierte sich lange auf die architektonische Dimension: Die Rekonstruktion der barocken Fassaden wurde als rückwärtsgewandt bezeichnet, die Nutzung als Museum als unklar und schwer zu füllen. Doch das Ergebnis hat diese Einwände bislang in großen Teilen entkräftet.

Das Humboldt Forum hat sich trotz des komplexen Zusammenspiels mehrerer Player zu einem Ort entwickelt, an dem Geschichte, Gegenwart und Zukunft in Dialog treten. Die Präsentation der außereuropäischen Sammlungen, ergänzt durch aktuelle künstlerische Positionen, gesellschaftspolitische Diskurse und digitale Formate, hat das Gebäude mit Leben gefüllt. Die hohe Besucherresonanz zeigt, dass hier kein leerer Repräsentationsbau entstanden ist, sondern ein Kulturort von internationaler Strahlkraft, der auch mit einfachen Formaten wie Open-Air-Kino und Weihnachtsmarkt Besucher anzulocken vermag.

Humboldt Forum: Außergewöhnliches Symbol für die kulturelle Vielfalt Berlins

Mit seiner Lage im Herzen der Stadt, direkt am Lustgarten und in Nachbarschaft zum Berliner Dom, ist das Humboldt Forum schon architektonisch ein markanter Fixpunkt. Inhaltlich ist es mehr als ein Museum: Es versteht sich als Forum für globale Kultur, als Raum für Austausch und Reflexion.

Dass dieses Konzept aufgegangen ist, beweist der Zuspruch des Publikums. Kaum ein anderes Haus in Berlin zieht so viele Menschen an und bietet zugleich ein so breites Spektrum an Veranstaltungen – von großen Ausstellungen über Performances bis hin zu Diskussionen über Themen wie Kolonialismus, Nachhaltigkeit oder Urbanität.

Die früheren Befürchtungen, auf dem historischen Schlossplatz entstünde ein seelenloses Bauwerk, haben sich als falsch erwiesen. Stattdessen hat sich das Haus in kürzester Zeit als lebendiger Ort etabliert, der die Berliner Museumslandschaft bereichert und weit über die Stadt hinaus Aufmerksamkeit erzeugt.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: berlin.de, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Wikipedia, Der Tagesspiegel, DIE ZEIT, Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

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