Die Berliner Stadtautobahn steht vor einer ihrer größten Modernisierungen seit der Wiedervereinigung – und die Stadt bekommt die Folgen im Alltag deutlich zu spüren. Zwischen milliardenteuren Sanierungen und ständigen Baustellen zeigt sich, wie sehr das marode Bauwerk die Hauptstadt herausfordert.  

Visualisierung Westendbrücke

Ringbahnbrücke und Westendbrücke werden zeitgleich erneuert, was westlich des Autobahndreiecks Funkturm aktuell zu erheblichen Behinderungen führt. Die beiden Bauprojekte gehören zu den wichtigsten Maßnahmen entlang der A100. / © Visualisierung: Deges GmbH

© Titelbild: IMAGO
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Berlin zählt zu den Städten in Deutschland, in denen sich die Sanierungsfälle großer Infrastrukturbauwerke zunehmend bündeln. Besonders deutlich zeigt sich dies entlang der Stadtautobahn A100 und an wichtigen Knotenpunkten im Westen und Norden der Stadt. Dort treffen alternde Brücken, komplexe Planungsverfahren und wachsende Verkehrsströme aufeinander. Der Überblick zeigt, welche Projekte derzeit geplant oder bereits im Bau sind und welche Konfliktlinien dabei sichtbar werden.

Dreieck Funkturm: Sanierungsfall ohne Planfeststellung

Autobahn Funkturm Berlin

Konflikte mit Anwohnenden, Kritik an Lärmschutzwänden und Sorgen vor zusätzlichem Verkehr in den angrenzenden Quartieren haben das Planfeststellungsverfahren wiederholt verzögert. Zwar fanden 2024 umfangreiche Erörterungstermine statt, ein Zeitplan für den Baubeginn fehlt jedoch weiterhin. / © Foto: Wikimedia Commons, A. Savin

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Das Autobahndreieck Funkturm gehört zu den am stärksten belasteten Verkehrsknotenpunkten der Hauptstadt. Rund 230.000 Fahrzeuge passieren dort täglich ein Bauwerk, dessen Brücken aus den 1960er Jahren stammen und den heutigen Belastungen nicht mehr gerecht werden. Schon seit 2013 wird an einem grundlegenden Umbau gearbeitet, der sowohl die Verkehrsführung vereinfachen als auch die Bausubstanz erneuern soll. Bis heute fehlt jedoch ein Planfeststellungsbeschluss, der den Start der Bauarbeiten ermöglichen würde.

Ringbahnbrücke: Ersatzneubau mit ambitioniertem Zeitplan

Ringbahnbrücke, Westend

Beim Neubau der Ringbahnbrücke soll der Lärmschutz entlang der Strecke verbessert werden, unter anderem durch neue Schallschutzwände und den Einsatz von Flüsterasphalt, um die Belastung für das Umfeld zu verringern. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Etwas weiter westlich, unmittelbar am Dreieck Funkturm, ist die Lage konkreter. Dort haben im Oktober 2025 offiziell die Arbeiten für den Ersatzneubau der Ringbahnbrücke begonnen. Das Bauwerk war in den vergangenen Jahren stark beschädigt worden, die Verkehrslast lag nach Angaben des Bundes inzwischen beim Zehnfachen der ursprünglich geplanten Kapazität. Nach der Entdeckung von Rissen wurde die Brücke zunächst eingeengt, im Frühjahr 2025 dann innerhalb weniger Wochen vollständig abgerissen. Der Neubau der Ringbahnbrücke ist bis Sommer 2027 terminiert. Um den ambitionierten Zeitplan zu sichern, wurden vertragliche Bonus- und Malus-Regelungen vereinbart.

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Westendbrücke: Neubau auf alten Fundamenten

Westendbrücke, Baustelle

Neubau der Westendbrücke: Die Maßnahmen in Charlottenburg gelten als priorisiert und sind nach aktuellem Stand nicht von möglichen Haushaltskürzungen betroffen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Inzwischen ist klar, dass die neue Westendbrücke auf den alten Fundamenten errichtet werden soll. Die benachbarte Westendbrücke in Charlottenburg musste nach Schäden im Tragwerk gemeinsam mit der Ringbahnbrücke vollständig abgerissen werden. Die Projektgesellschaft Deges hat das Vorhaben ausgeschrieben, die Bauzeit wird mit 22 Monaten veranschlagt. Beide Brücken, Ringbahnbrücke und Westendbrücke, sollen nach derzeitigen Planungen zeitgleich fertiggestellt werden. Am Freitag ist der offizielle Startschuss für das Projekt zelebriert worden, bis 2027 soll das Projekt abgeschlossen werden. 

Rudolf-Wissell-Brücke: Neubau mit sozialen Folgen

Rudolf-Wissell-Brücke, Charlottenburg

Trotz laufender öffentlicher Anhörung zum Großbauprojekt im Frühjahr 2025 wurde mit ersten Abrissarbeiten in Charlottenburg begonnen, wobei die traditionsreiche Kneipe und damit das langjährige Zuhause der Familie Vogt betroffen sind. / © Foto: Wikimedia Commons, Lukas Beck, CC-BY-SA-4.0

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Die Rudolf-Wissell-Brücke ist eine der meistbefahrenen Autobahnbrücken Deutschlands und seit Jahren als sanierungsbedürftig eingestuft. Der geplante Neubau wird die Verkehrsanbindung in den Berliner Norden nachhaltig beeinflussen, geht jedoch auch mit Eingriffen in bestehende Nutzungen einher. Unter anderem wird die  Gaststätte „Tunneleck“ in Charlottenburg, die unterhalb der Brücke liegt, abgerissen. 

Viel kritischer jedoch ist die noch immer andauernde Sanierung der U6-Trasse, die bis zum Abriss und Neubau der Rudolf-Wissell-Brücke abgeschlossen werden sollte, um den Berliner Norden nicht vollends vom Verkehrsstrom abzuschneiden. 

Breitenbachplatz: Langsamer Abschied von der Autobahnbrücke

Breitenbachplatz, Dahlem

Der eigentliche Abriss der Autobahnbrücke am Breitenbachplatz soll nach aktueller Planung Anfang 2026 starten und etwa 13 Monate dauern. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Am Breitenbachplatz in Dahlem rückt der Rückbau einer seit Jahren ungenutzten Autobahnbrücke schrittweise näher. Obwohl der Abriss bereits 2024 vergeben worden war, kam es durch einen Rechtsstreit zwischen Senatsverwaltung und Bauunternehmen zu Verzögerungen. Der Vertrag wurde aufgehoben, die Leistungen mussten neu ausgeschrieben werden. Nun haben erste technische Vorarbeiten begonnen, bei denen Asphaltschichten und Abdichtungen entfernt werden.

Tunnel Schlangenbader Straße: Grundsanierung unter der „Schlange“

Schlangenbader Straße, Charlottenburg-Wilmersdorf

Der Tunnel an der Schlangenbader Straße wird für die Dauer der Bauzeit vollständig gesperrt bleiben. Damit verbunden sind Einschränkungen für den motorisierten Verkehr, für Fußwege und für angrenzende Zufahrten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Unter der Schlangenbader Straße in Charlottenburg-Wilmersdorf läuft seit Mai 2025 eine umfassende Sanierung des Tunnels, der seit 2023 aus Sicherheitsgründen gesperrt ist. Das Bauwerk war einst Teil der A104 und verläuft unter einem markanten Wohnriegel mit rund 1.200 Wohnungen. Die geplanten Arbeiten umfassen eine Grundinstandsetzung, Schadstoffsanierung sowie die Erneuerung der technischen Infrastruktur, etwa von Belüftung, Notrufanlagen und Überwachungstechnik.

Brücke Mecklenburgische Straße: Prüfungen in Wilmersdorf

Brücke an der Mecklenburgischen Straße

An der Mecklenburgischen Straße wurden Schäden an der Brücke aus den 1960er-Jahren festgestellt: Abblätternder Beton und Korrosionsstellen am Spannbeton erfordern eine Entlastung und weitere Untersuchungen, um die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. / © Foto: Wikimedia Commons, Bodo Kubrak, CC BY-SA 4.0

An der Brücke über die Mecklenburgische Straße in Wilmersdorf haben Bauwerksprüfungen Schäden am Spannbeton zutage gefördert. Sichtbare Betonausbrüche und Korrosion an der Bewehrung machten eine sofortige Entlastung notwendig. In der Folge wurden Fahrstreifen gesperrt und die Auffahrt Detmolder Straße geschlossen, um Platz für Messgeräte und Prüfgerüste zu schaffen und die Belastung des Bauwerks zu verringern. Noch ist nicht klar, ob und wann die Brücke abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden muss.

A114 in Pankow: Marode Schönerlinder Brücke steht vor dem Abriss

A114, Schönerlinder Straße Berlin

Während die Planungen noch am Anfang stehen, bleibt offen, ob Vollsperrungen der A114 notwendig werden und wie stark der Pendelverkehr belastet sein wird. / © Foto: Wikimedia Commons, Lukas Beck, CC BY 4.0

Im Norden Berlins muss die Schönerlinder Brücke über der A114 vollständig ersetzt werden, da ihr Bauwerk aus dem Jahr 1973 erhebliche Standsicherheitsmängel aufweist. Seit Ende Oktober 2024 ist die Verbindung zwischen Französisch Buchholz und dem Umland nur noch einspurig befahrbar. Nach Angaben der Autobahn GmbH besteht keine akute Einsturzgefahr, dennoch verzögert sich der Ersatzneubau deutlich. Mit einer Fertigstellung ist nicht vor 2028 zu rechnen.

Sanierung der A100: Eine Mammutaufgabe für die Berliner Verkehrsplanung

Die umfassende Sanierung und Modernisierung der A100 zählt zu den größten Berliner Infrastrukturvorhaben der gesamten Nachwendezeit. Die Brücken, Tunnel und Verkehrsknoten aus den 1960er- und 1970er-Jahren haben inzwischen einen Zustand erreicht, der den Landeshaushalt erheblich belastet, auch wenn der Bund große Teile der Maßnahmen finanziell mitträgt. 

Für Berlin bleibt das Gesamtpaket dennoch ein milliardenschweres Mammutprojekt, dessen Dimensionen die verfügbaren Mittel und Kapazitäten spürbar beanspruchen. Gleichzeitig führen die jahrelangen Baustellen, Umleitungen und Sperrungen für die Bevölkerung zu täglichen Einschränkungen, die im Stadtverkehr deutlich sichtbar sind – und noch lange bleiben werden.  

Quellen: Tagesspiegel, Deges, Autobahn GmbH des Bundes, Deges, rbb24.de, Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Autobahn GmbH des Bundes

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2 Kommentare

  1. Löwe 8. Dezember 2025 at 15:05 - Reply

    Die Berlin City Maut würde helfen Gelder von den Personen zu generieren welche diese Straßen auch nutzen.

    In New York half der neu gewählte Bürgermeister Mamdani 2024 eine Straßen Maut einzuführen, diese wurde aber kürzlich vom U.S. Innenminesterium beendet, allerdings möglich das diese wieder eingeführt wird.

    Die Ankündigung eines Exodus der Reichen bei Mamdani als Wahlgewinner waren wohl falsch, der Immobilen Markt boomt aktuell.

    Manhattan luxury home sales surge after mayoral election, undercutting predictions of doom and escape to Florida https://fortune.com/2025/12/04/mamdani-effect-new-york-city-real-estate-manhattan-luxury-millionaires-billionaires/

  2. Dipl. Ing. Verkehrswesen 15. Dezember 2025 at 11:24 - Reply

    Irgendwie erscheint mir das irrsinnig. In Berlin sind die meisten Leute zu Fuß, mit den Öffis oder mit dem Fahrrad unterwegs. Warum geben wir so viel Geld für private PKW und extrem teure Autoinfrastruktur aus, wobei nur eine kleinere Gruppe von Menschen davon profitiert und die anderen dadurch Nachteile erleiden. Ich würde mir wünschen, dass die Politik hier einen ideologiefreien Ansatz wählen würde, mit dem Ziel für alle Bürgerinnen und Bürger von Berlin und außerhalb die beste Form der Mobilität zur Verfügung zu stellen:

    zum Beispiel mehr Trams im Gebiet des ehemaligen Westberlins, damit die Randbezirke besser an die S und U Bahn angebunden werden
    – Züge sind effizienter als Autos und bringen viele Menschen an ihr Ziel ohne dabei massiv Raum einzunehmen

    hochfrequentierte Buslinien durch Trams mit eigener Trasse ersetzen, zum Beispiel in Spandau
    – warum ist das sinnvoll? eine Tram auf 60m Länge kann im Regelfall 350 Personen transportieren und damit eine Autoschlange von fast 2 Kilometern ersetzen (1 PKW inkl. Abstände = 6m, Besetzungsgrad 1,2). Wie beseitigt man Stau? durch weniger Autos. Busse stehen mit den Autos im Stau, weil Busspuren nicht beachtet werden und ihre Fehlbenutzung „preiswert“ ist, sind unzuverlässig, eng und vor allem unkomfortabel durch das Bremsen und Beschleunigen.
    ausreichend kostenfreie PKW Stellplätze (P+R) an den Verbindungspunkten des Speckgürtels zur S/U-Bahn
    sichere Fahrradstellplätze an S/U-Bahn Stationen
    höhere Taktung, Sicherheit und Komfort der schienegebundenen Verkehrsmittel
    günstigeres ÖPNV Ticket
    – das sollte Selbsterklärend sein

    Im gleichen Zuge sollte man die A100 zu einer zweispurigen Stadtstraße herabstufen, mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 60 km/h
    – bei einem Limit von 60 km/h können die Abstände zwischen den Fahrzeugen verringert werden und die Verkehrsleistung steigt, da trotz niedrigerer Geschwindigkeit mehr Fahrzeuge einen Abschnitt passieren können
    – das niedrigere Tempo führt zu einer geringeren Belastung der Infrastruktur, insb. bei LKW
    – es macht kaum einen Unterschied ob man 60 oder 80 km/h fährt in Hinblick auf die Zielerreichung, für die Verkehrssicherheit und für die Leistungsfähigkeit der Straße hingegen macht es einen Unterschied
    – weniger Lärm und Feinstaub führt zu höherer Akzeptanz der A100 innerhalb der Bevölkerung
    – an Ein- und Ausfahrten kann ein großzügiger Einfädelungsstreifen genutzt werden, was das Staurisiko weiter senkt

    Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man die Mobilität in Berlin besser, zuverlässiger, stressfreier und komfortabler machen kann. Nur sollte die Politik ergebnisoffen und wissenschaftsbasiert vorgehen anstatt sich an ein mögliches Wählerpotential zu klammern, das immernoch den Traum der autogerechten Stadt lebt, und im Gegenzug alle anderen Wähler/innen zu verprellen. Die Inkompetenz und mangelnde Lösungsfähigkeit der Senatsverwaltung wirkt langsam echt lächerlich.

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