Berlin erneuert und ersetzt derzeit eine Reihe zentraler Brücken. Die Spanne reicht von stadtteilprägenden Überführungen bis zu Knotenpunkten des Bahn oder Autobahnnetzes. Zeitpläne, Genehmigungen und Baustellenmanagement bestimmen, wie sich Verkehr und Aufenthaltsqualität verändern.
© Titelbild: SenMVKU
Zahlreiche Berliner Brücken müssen ersetzt oder erneuert werden, weil Materialermüdung, veraltete Konstruktionen und steigender Verkehr ihre Tragfähigkeit einschränken. Während einige Projekte bereits Gestalt annehmen, laufen bei anderen erst die Planungen und Genehmigungsverfahren. Der Umfang der Vorhaben zeigt, wie stark sich Berlin in den kommenden Jahren mit seiner alternden Verkehrsinfrastruktur auseinandersetzen muss.
Die Elsenbrücke zwischen Friedrichshain und Treptow: Zentrale Verbindung und langwieriger Ersatzneubau

Das neue Bauwerk erhält eine stählerne Bogenkonstruktion mit breiterem Rad- und Gehweg. Während des laufenden Verkehrsbaus sorgt eine provisorische Stahlbrücke für die Verbindung zwischen beiden Ufern. Das Projekt kostet rund 97,7 Millionen Euro und wird voraussichtlich 2028 abgeschlossen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Elsenbrücke verbindet seit Ende der 1960er Jahre die Bezirke Friedrichshain und Treptow-Köpenick und überquert den ehemaligen Osthafen. Aufgrund erheblicher Schäden an der Spannbetonkonstruktion muss sie vollständig ersetzt werden. Der Neubau erfolgt in vier Bauphasen, um den Verkehr über die Spree trotz Bauarbeiten möglichst aufrechtzuerhalten.
Im Herbst 2025 wurde die Stahlbaumontage des neuen nordwestlichen Teilbauwerks abgeschlossen. Nun folgen Schweißarbeiten und die Anpassung der Verkehrsführung. Fahrstreifen und Busspuren werden verlängert, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Die vollständige Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen, doch der westliche Neubau soll schon vorher Entlastung bringen.
Risiko-Brücke an der Landsberger Allee im Prenzlauer Berg: Priorisierung und Übergangslösung bis zum Neubau

Die Brücke überspannt nicht nur die Ringbahn, sondern auch Gleisanlagen der Deutschen Bahn und mehrere Fahrspuren. Ihre Erneuerung zählt zu den technisch komplexesten Vorhaben im Berliner Osten. Eine neue Konstruktion mit größerer Spannweite soll die Tram- und Straßenführung künftig besser trennen. / © Foto: Wikimedia Commons, Angela M. Arnold, Berlin, CC BY-SA 3.0
Die Brücke über die Ringbahn an der Landsberger Allee gilt wegen des verbauten Spannstahls als besonders risikobehaftet. Sie soll 2031 abgerissen und bis 2033 durch einen Neubau ersetzt werden. Zuvor stabilisiert eine Instandsetzung im Jahr 2026 den Abschnitt stadtauswärts, um die Sicherheit zu gewährleisten.
Vier Tramlinien überqueren hier die Ringbahn, was den Standort zu einem der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Berliner Nord-Osten macht. Damit der Betrieb aufrechterhalten bleibt, stimmen Senatsverwaltung, BVG und Deutsche Bahn ihre Bauzeiten eng aufeinander ab. Die Brücke gilt trotz ihrer Mängel derzeit als ausreichend tragfähig.
Großbaustelle an der S Schönhauser-Allee im Prenzlauer Berg: Trotz früherem Baubeginn kommt es zu längeren Projektlaufzeiten

Die Brücke liegt über einer der verkehrsreichsten Kreuzungen Berlins. Wegen der Nähe zum denkmalgeschützten U-Bahn-Viadukt der Linie U2 muss der Neubau eng mit der BVG abgestimmt werden. Die Stadt plant, während der Bauzeit provisorische Haltestellen und sichere Radumleitungen einzurichten. / © Visualisierung: SenMVKU
Die Schönhauser-Allee-Brücke hat das Ende ihrer Nutzungsdauer erreicht und wird ab Ende 2026 in mehreren Bauabschnitten zurückgebaut. Die neue Brücke soll Ende 2032 vollständig freigegeben werden. Damit verlängert sich die ursprünglich geplante Bauzeit um mindestens ein Jahr.
Während der Arbeiten werden die Straßenbahnhaltestellen barrierefrei in die Mittelpromenade verlegt. Außerdem soll der geschützte Radstreifen künftig über die neue Brücke führen. Der Fußgängertunnel bleibt erhalten, sodass wichtige Verbindungen zwischen U- und S-Bahn bestehen bleiben.
Dunckerbrücke neben zwei Schulen im Prenzlauer Berg: Fokus auf Lärmschutz und kurze Bauzeiten

Die neue Dunckerbrücke soll durch eine leichtere Stahlverbundkonstruktion ersetzt werden, die weniger Gewicht auf die bestehenden Widerlager bringt. Das Projekt berücksichtigt auch ein neues Beleuchtungskonzept und lärmmindernde Beläge, um das Umfeld zu entlasten. / © Visualisierungen: WKP Planungsbüro für Bauwesen GmbH
Die Dunckerbrücke wird ersetzt, da die vorhandene Konstruktion aus dem Jahr 1976 nicht mehr den Anforderungen entspricht. Das Bauwerk liegt in einem dicht bebauten Schulumfeld, weshalb die Planung besonders auf Lärm- und Sicherheitsaspekte achtet.
Die Entwurfsplanung läuft, und der Neubau soll etwa zwei Jahre dauern. Damit Fußgängerinnen und Radfahrende während der Arbeiten queren können, wird in zwei Phasen gebaut. Während eine Hälfte erneuert wird, bleibt die andere als provisorische Verbindung nutzbar.
Ersatzneubau für die Schönfließer Brücke im Prenzlauer Berg: Neue Achse für Fuß- und Radverkehr

Ansicht aus Sonnenburger Straße in Richtung Norden: Der Entwurf des Ingenieurbüros Werner Sobek sieht eine Stabbogenkonstruktion vor, deren Bögen aus wetterfestem Stahl bestehen. Unter der Brücke verlaufen künftig Versorgungsleitungen, um Straßenaufbrüche in der Umgebung zu vermeiden. Die Arbeiten sollen 2027 beginnen. / © Visualisierung: Werner Sobek, SenMVKU
Die Schönfließer Brücke soll ab 2027 durch eine moderne Stabbogenbrücke ersetzt werden. Der Neubau schafft eine klare Trennung von Fuß- und Radverkehr, was die Sicherheit deutlich verbessert. Leitungen werden künftig in das Tragwerk integriert.
Während der Bauzeit bleibt die bestehende Fußgängerbrücke geöffnet, damit die Verbindung zwischen Sonnenburger und Schönfließer Straße erhalten bleibt. Nach Abschluss der Entwurfsplanung 2025 beginnen die Bauarbeiten zwei Jahre später. Die Fertigstellung ist für 2028 vorgesehen.
Brücken am Gleisdreieck in Kreuzberg: Ersatz des U1/U3-Viaduktes und der Dennewitzbrücke

Das denkmalgeschützte U-Bahn-Viadukt wird nach historischem Vorbild neu gebaut, jedoch mit modernen Materialien und höherer Schwingungsdämpfung. Während der Arbeiten müssen Teile des Parks gesperrt werden, die BVG will jedoch Ersatzpflanzungen und Lärmschutzmaßnahmen umsetzen. / © Foto: Wikimedia Commons, Dirk Ingo Franke, CC BY-SA 3.0
Zwei denkmalgeschützte Brücken der U-Bahnlinien U1 und U3 am Gleisdreieck müssen ersetzt werden, da ihre Tragfähigkeit nicht mehr gewährleistet ist. Die Schäden sind seit 2016 bekannt, doch erst 2025 begann das Planfeststellungsverfahren.
Der Baubeginn ist für 2028 vorgesehen, die Eröffnung der neuen Viadukte soll 2030 erfolgen. Während der Bauzeit wird es längere Sperrungen geben, die durch Ersatzverkehr abgefangen werden sollen. Jedoch werden durch die Arbeiten mehrere Bahnlinien massiv beeinträchtigt.
Abriss der Brücke „An der Wuhlheide“ in Oberschöneweide: Rückbau und offene Zielplanung

Die Verwaltung prüft derzeit, ob ein Neubau für den Kfz-Verkehr überhaupt notwendig ist. Der Standort gilt als wichtig für den Anschluss des Technologieparks Wuhlheide, weshalb mehrere Varianten im Verkehrsausschuss diskutiert werden. / © Foto: Wikimedia Commons, GodeNehler, CC BY-SA 4.0
Die Brücke „An der Wuhlheide“ wurde im April 2025 wegen akuter Schäden gesperrt und kurz darauf mit einer Notabstützung gesichert. Danach begann der kontrollierte Rückbau. Seit Juni 2025 ist der Kreuzungsbereich wieder für den Verkehr freigegeben.
Noch offen ist, ob ein Neubau an gleicher Stelle entsteht. Umleitungen und veränderte Ampelschaltungen entlasten die Umgebung aktuell. Ein langfristiges Verkehrskonzept wird derzeit vorbereitet.
Ringbahnbrücke A100 in Charlottenburg: Spatenstich für Ersatzneubau erfolgte im Oktober

Bei der neuen Ringbahnbrücke kommen vorgefertigte Stahlsegmente zum Einsatz, die direkt vor Ort verschweißt werden. Das verkürzt die Sperrzeiten für die Bahn erheblich. Parallel zur Brücke entstehen neue Schallschutzwände, um die Lärmbelastung im Messegelände zu reduzieren. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Nach einem Riss im Tragwerk wurde die Ringbahnbrücke 2025 abgerissen. Der Ersatzneubau erfolgt gemeinsam mit der benachbarten Westendbrücke, damit beide Bauwerke zeitgleich fertiggestellt werden können. Hierfür erfolgte erst kürzlich der Spatenstich. Die Koordination beider Projekte soll die Verkehrsfreigabe beschleunigen.
Da die S-Bahn direkt unter der Brücke verläuft, werden die Sperrzeiten gebündelt. Dadurch sollen die Einschränkungen für den Bahnverkehr möglichst gering bleiben. Die Planung sieht eine enge Abstimmung zwischen Bund, Bahn und Deges vor. Bis 2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Westendbrücke der A100 in Charlottenburg: Vergabe, Bau an alter Stelle und Synchronisierung

Die neue Westendbrücke wird auf Betonfertigteilen errichtet, die bereits im Werk vorproduziert wurden. So soll die Bauzeit um mehrere Monate verkürzt werden. Der Neubau erhält außerdem zusätzliche Notgehwege für den Pannenfall und eine verbesserte Entwässerung. / © Foto: Wikimedia Commons, Leonhard Lenz, CC0
Nach dem Abriss im Frühjahr 2025 entsteht die Westendbrücke an derselben Stelle neu. Der Auftrag ging an eine Bietergemeinschaft, die rund 50 Millionen Euro für das Projekt veranschlagt.
Die Bauzeit beträgt etwa 22 Monate. Zusammen mit der Ringbahnbrücke soll die Westendbrücke bis Sommer 2027 fertig sein. Der Bezirk fordert zusätzlichen Lärmschutz und eine enge Abstimmung mit der Bahn.
Ersatzneubau der Rudolf-Wissell-Brücke in Charlottenburg und Moabit: Eine der meistbefahrenen Brücke Deutschlands muss ersetzt werden

Die künftige Doppelkonstruktion der Rudolf-Wissell-Brücke wird breiter und höher, um den Verkehr von täglich rund 180.000 Fahrzeugen aufzunehmen. Während der Bauarbeiten bleibt der Verkehr auf provisorischen Rampen erhalten. Das Projekt gilt mit rund 270 Millionen Euro als eines der teuersten in Berlin. / © Foto: Wikimedia Commons, Lukas Beck, CC BY-SA 4.0
Die Rudolf-Wissell-Brücke ist mit 930 Metern das längste Brückenbauwerk Berlins und eines der meistbefahrenen Deutschlands. Wegen gravierender Schäden muss sie vollständig ersetzt werden.
Geplant sind zwei getrennte Brücken, damit der Verkehr während der Arbeiten weiterlaufen kann. Der Neubau rückt näher an Wohnhäuser heran, weshalb transparente Lärmschutzwände vorgesehen sind. Der Abschluss ist frühestens 2031 realistisch.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Der Tagesspiegel, berlin.de, Wikipedia, Bezirksamt Pankow, rbb24, Werner Sobek, DEGES GmbH
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.




Warum die Brücke an der Landsberger Allee im Prenzlauer Berg abgerissen werden soll, kann ich nicht nachvollziehen.
Nur weil der gleiche Stahl wie an der Carola- Brücke verwendet wurde, soll diese Brück aus Fertigbetonteilen abgerissen werden.
Man kann doch eine Spannbetonbrücke, die über einen Fluss führt, nicht mit einer Fertigteilbrücke, die über 4 Bahngleise führt und zudem mittels Pfeilern mehrfach abgestützt wird, vergleichen. Ich kann auch kein Fachwerkhaus aus Holz, Stroh und Lehm mit 100 Etagen bauen, trotzdem kann ein Fachwerkhaus mit 2 Etagen mehr als 200 Jahre alt werden.