In Berlin-Kreuzberg stellt die Gemeinwohlbau derzeit ein 1:1-Modell der nach eigenen Angaben „bezahlbarsten Wohnung Berlins“ aus. Hinter dem Projekt steht eine Initiative, die bezahlbaren Wohnraum über serielle Bauweise, kleine Grundrisse und privates Kapital vieler Kleinanlegerinnen und Kleinanleger schaffen will.

In einem Gründerzeitbau würden rechnerisch etwa 1,5 Fenster auf jedes Apartment entfallen.

Die rot umrahmte Einheit zeigt eine der „Tiny Wohnungen“ mit kompaktem Grundriss. Sie verfügt über ein kleines Bad mit Fenster, eine Schlafebene mit kippbarem Fenster sowie einen belichteten Wohn-, Koch- und Arbeitsbereich. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Aus einer zivilgesellschaftlichen Initiative ist mit der Gemeinwohlbau ein Wohnungsbauunternehmen hervorgegangen, das in Berlin bezahlbare Mietwohnungen schaffen will. Geplant ist, Baulücken und kleinere Restgrundstücke in zentralen Lagen zu bebauen.

Die Gemeinwohlbau ist ein Ergebnis der intensiven Arbeit der Tiny Foundation und geht auf eine Initiative aus dem Jahr 2025 zurück. Hinter dem Vorhaben stehen der Architekt und Kleinstwohnung-Spezialist Van Bo Le-Mentzel sowie der Architekt und Projektentwickler Lukas Sailer.

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Kreuzberg: 1:1-Modell einer seriell gefertigten Kleinstwohnung

Im Kampagnenbüro in der Gneisenaustraße 2 in Kreuzberg wird dieses Konzept nun in Form einer Ausstellung präsentiert. Dort ist ein 1:1-Arbeitsmodell der kleinsten seriellen Wohnung aufgebaut, das veranschaulichen soll, dass auch auf sehr begrenzter Fläche funktionale und zugleich alltagstaugliche Wohnräume entstehen können.

Zu sehen sind ein kompakter Wohnraum mit Schlafebene, ein kleines Bad mit Fenster sowie eine reduzierte, aber vollständig gedachte Grundstruktur. Die Gemeinwohlbau will damit zeigen, dass kleine Wohnungen nicht zwangsläufig als Provisorium verstanden werden müssen, sondern als Teil eines neuen Wohnkonzepts.

Gemeinwohlbau entwickelt neues Wohnmodell, um Berlins Wohnungskrise zu überwinden

Model der „Tiny Wohnungen“

Jede Wohneinheit verfügt über ein eigenes Bad und eine eigene Küchenzeile (hier in einem Modell dargestellt). Durch diese klare Trennung sollen Konflikte im Alltag reduziert und zugleich individuelle Rückzugsräume innerhalb gemeinschaftlicher Wohnstrukturen geschaffen werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Im Zentrum des Projekts steht ein Baukastensystem, das nach Angaben der Initiatoren von Berliner Gründerzeitbauten, DDR-Plattenbauten und Tiny Houses inspiriert ist. Die Grundidee lautet, den Flächenverbrauch pro Person deutlich zu senken und zugleich die Wohnqualität zu sichern.

Als Richtwert nennt die Gemeinwohlbau 20 Quadratmeter pro Person. Entscheidend sei dabei weniger die reine Fläche als vielmehr die räumliche Organisation. Jede Person solle einen eigenen Rückzugsraum haben, ergänzt um gemeinschaftlich nutzbare Bereiche, die soziale Kontakte erleichtern und Vereinsamung verhindern.

Bezahlbarer Wohnraum für Azubis, alleinerziehende Mütter und kinderreiche Familien

Gerade darin unterscheidet sich das Konzept von klassischen Mikroapartments. Vorgesehen sind kleine Einheiten mit eigener Nasszelle, eigener Küche oder Kochmöglichkeit und zusätzlichen gemeinschaftlichen Wohnbereichen.

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Besonders im Blick hat die Initiative Azubis, alleinerziehende Mütter und kinderreiche Familien. Für diese Gruppen wolle man Wohnungen entwickeln, deren Miete sich am jeweiligen Einkommen orientiert. Für Azubis werden Zimmer mit rund 330 bis 350 Euro Warmmiete genannt, für alleinerziehende Haushalte Zweizimmerwohnungen um 500 Euro. Das Modell soll zugleich verhindern, dass Bewohnerinnen und Bewohner in abgeschlossenen Einzimmerstrukturen sozial isoliert leben.

Finanzierung: Genussrechte, erstes Grundstück und ein alternatives Modell für den Wohnungsmarkt

Mietmodel der Gemeinwohlbau

Die Wohnungen richten sich vor allem an Menschen mit geringem Einkommen, etwa Auszubildende, Alleinerziehende oder kinderreiche Familien. Gleichzeitig sind auch gemischte Wohnformen denkbar, bei denen unterschiedliche Haushaltsformen innerhalb eines Hauses kombiniert werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Finanziert werden soll das Vorhaben nicht über einzelne große Investoren, sondern über viele private Beteiligte. Bereits im Februar 2026 wurden nach Angaben der Gemeinwohlbau die ersten 20 Investitionsangebote verschickt, mehr als 311 Menschen hätten Interesse angemeldet.

Kleinanlegerinnen und Kleinanleger können Genussrechte an der Gemeinwohlbau COB01 GmbH erwerben und sich damit am Gewinn beteiligt werden. Ziel ist es, bis Oktober 2026 genügend Kapital für den Kauf des ersten Grundstücks einzuwerben.

Gemeinwohlbau COB01 GmbH grenzt sich ausdrücklich von spekulativen Modellen ab

Damit versteht sich die Gemeinwohlbau nicht nur als architektonisches, sondern auch als gesellschaftliches Projekt. Eigentum an Wohngebäuden und Grundstücken solle wieder stärker in die Hände vieler Berlinerinnen und Berliner gelangen.

Die Initiative grenzt sich ausdrücklich von spekulativen Modellen ab und betont, dass weder Eigentumswohnungen noch Mietspekulation oder Grundstücksverkäufe Teil des Konzepts seien. In Kreuzberg wirbt die Ausstellung nun für genau dieses Modell: für einen Wohnungsbau, der kleiner plant, dichter rechnet und bezahlbar bleiben soll.

Arbeitsbereich der Tiny Wohnung

Eine Wohneinheit in einer Azubi-Wohnung umfasst einen kompakten Wohnraum mit Arbeitsbereich und Hochbett. Das Modell zeigt, wie auf kleiner Fläche eigenständige und zugleich alltagstaugliche Wohnräume organisiert werden können. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

 

Quelle: Gemeinwohlbau COB01 GmbH

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