Wo heute mehr als 3.000 Menschen arbeiten, befanden sich einst Mauer, Grenzanlagen und ein Fluchttunnel. Der spektakuläre Axel-Springer-Erweiterungsbau von Rem Koolhaas erzählt deshalb auch die Geschichte der deutschen Teilung.

Rund 300 Millionen Euro kostete der markante Axel-Springer-Neubau in Kreuzberg und Mitte. Bemerkenswert ist jedoch vor allem sein Standort: Das Gebäude steht gleichzeitig auf ehemaligem Ost- und West-Berliner Boden. / © Foto: Axel Springer
© Foto Titelbild: Laurian Ghinitoiu / Axel Springer / OMA
Kaum ein Berliner Bürogebäude ist so eng mit dem früheren Verlauf der Berliner Mauer verbunden wie der Axel-Springer-Neubau in Kreuzberg. Der markante, dunkle Kubus, entworfen vom niederländischen Architekten Rem Koolhaas und seinem Büro OMA, wurde 2020 fertiggestellt; ausgerechnet auf einem Grundstück, das jahrzehntelang von der deutschen Teilung geprägt war.
Bereits das goldfarbene Axel-Springer-Hochhaus gegenüber war bewusst an der Grenze errichtet worden. Als es 1966 eröffnet wurde, stand der 19-geschossige Bau unmittelbar vor der Berliner Mauer. Springer selbst bezeichnete das Gebäude als „Schrei gegen den Wind“.
Axel-Springer-Neubau entstand auf dem ehemaligen Todesstreifen
Noch komplizierter ist die Geschichte des Grundstücks gegenüber. Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte das Areal zum berühmten Berliner Zeitungsviertel, in dem zahlreiche Verlage und Redaktionen ansässig waren. Kriegsschäden, Nachkriegszeit und schließlich der Mauerbau veränderten das Quartier grundlegend.
Nach 1961 verlief die Grenze quer über das spätere Baugrundstück des Springer-Neubaus. Gebäude innerhalb des Grenzbereichs wurden abgerissen, das Gelände wurde Teil der weitgehend unzugänglichen Grenzanlagen. Unter dem Areal verlief zeitweise sogar ein Fluchttunnel, mit dem Menschen versuchten, die DDR unterirdisch zu verlassen.
Rem Koolhaas zeichnet den Mauerverlauf im Gebäude nach
Nach dem Mauerfall blieb eine ungewöhnliche Grundstückssituation zurück: Der heutige Neubau erstreckt sich über Flächen, die einst auf beiden Seiten der Grenze lagen. Damit steht das Gebäude heute buchstäblich auf ehemaligem Ost- und West-Berliner Boden.
2013 schrieb Axel Springer einen internationalen Architekturwettbewerb für das Grundstück aus. Durchsetzen konnte sich OMA unter Leitung von Rem Koolhaas. 2016 begannen die Bauarbeiten, 2020 schließlich wurde das auffällige Gebäude fertiggestellt.

Wo heute mehr als 3.000 Menschen arbeiten, befanden sich einst Mauer, Grenzanlagen und ein Fluchttunnel. Der spektakuläre Axel-Springer-Neubau von Rem Koolhaas erzählt deshalb auch die Geschichte der deutschen Teilung. / © Foto: Axel Springer
Axel-Springer-Neubau: Ein „schwarzer Diamant“ auf der ehemaligen Berliner Grenze
Die historische Situation wurde bewusst Teil des Entwurfs. Eine Diagonale durchschneidet den Bau von Südwesten nach Nordosten und orientiert sich symbolisch am ehemaligen Grenzverlauf.
Entlang dieser Achse öffnet sich das spektakuläre, rund 45 Meter hohe Atrium mit terrassenartig angeordneten Arbeitsbereichen, Brücken und Stegen. Auf rund 52.000 Quadratmetern entstanden Arbeitsplätze für mehr als 3.000 Beschäftigte.
Der Medienkonzern investierte rund 300 Millionen Euro in das Neubauprojekt
Die dunkle Glasfassade brachte dem rund 300 Millionen Euro teuren Gebäude den Beinamen „schwarzer Diamant“ ein. Damit erzählt der Neubau weit mehr als eine Architekturgeschichte.
Wo einst Mauer, Grenzanlagen und Fluchttunnel die Teilung Berlins sichtbar machten, steht heute ein Gebäude, das mit seiner Architektur ganz bewusst versucht, die frühere Grenze zwischen Ost und West zu überspannen.

Der „schwarze Diamant“ gegenüber dem goldenen Springer-Hochhaus ist mehr als ein spektakuläres Bürogebäude. Seine Architektur zeichnet bewusst eine Grenze nach, die Berlin jahrzehntelang teilte. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Das Kunstwerk „Mauerläufer“ erinnert unmittelbar neben dem Axel-Springer-Neubau an die Geschichte des Ortes an der ehemaligen Berliner Mauer. Die Skulptur steht auf einem erhaltenen Mauersegment und bildet einen markanten Kontrast zur modernen Architektur des Mediencampus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Axel Springer, BauNetz, Bauwelt, DGNB, Rem Koolhaas
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