Eine der kühnsten Geheimdienstoperationen des Kalten Krieges wird neu erzählt. Mit bislang unveröffentlichten Dokumenten liefert das Buch „Operation Gold“ des Berliner Unterwelten e.V. überraschende Einblicke. Dabei wird deutlich, dass die Geschichte des Tunnels weit mehr war als nur ein Abhörprojekt.

Dietmar Arhold, Vorstand des Vereins Berliner Unterwelten, und Prof. Dr. phil. Helmut Müller-Enbergs, Politikwissenschaftler und Experte für die Geschichte der Nachrichtendienste, stellten am Montag in Berlin das Buch „Operation Gold“ vor. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT / Collage erstellt mit Open AI

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Dietmar Arhold, Vorstand des Vereins Berliner Unterwelten, und Prof. Dr. phil. Helmut Müller-Enbergs, Politikwissenschaftler und Experte für die Geschichte der Nachrichtendienste, stellten am Montag, fast genau 70 Jahre nach der Entdeckung des Spionagetunnels, die Dokumentation im Buch „Operation Gold – der Spionagetunnel in Berlin“ vor.

Vermeintliche Entdeckung des Spionagetunnels in Berlin 1956

Konkret jährt sich am 22. April 2026 die vermeintliche Entdeckung dieses im Berliner Südosten zwischen Rudow und Altglienicke gelegenen Spionagetunnels. Er verlief vom amerikanischen zum sowjetischen Sektor über eine Länge von etwa 430 Metern.

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In der Nacht vom 21. auf den 22. April 1956 hatten sowjetische und ostdeutsche Soldaten mit einem Regenunwetter zu kämpfen, das zu erheblichen Störungen an diversen Telefonleitungen geführt hatte. Dies nahmen sie zum Anlass, den längst von einem Doppelagenten namens George Blake verratenen Tunnel freizulegen.

Operation Gold: Eine der riskantesten Geheimdienstaktionen des Kalten Krieges

Dieser Berliner Spionagetunnel ging als eine der gewagtesten Geheimdienstoperationen im Verlauf des Kalten Krieges in die Geschichte ein. Unter dem Codenamen „Operation Gold“ errichteten der amerikanische Geheimdienst CIA und der britische Secret Intelligence Service in den Jahren 1953 bis 1955 diesen Tunnel.

Ihre Absicht bestand darin, die streng geheimen Telefonleitungen des sowjetischen Oberkommandos in Karlshorst anzuzapfen. Es handelte sich dabei um ein Telefonnetz, das von den Nationalsozialisten Mitte der 1930er-Jahre im Zuge der Kriegsvorbereitungen installiert worden war; technologisch damals weltweit unerreicht.

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Tunnel der CIA war den Sowjets bekannt – und sie nutzten ihn für die Verbreitung von Falschinformationen

Somit sahen sich die Amerikaner und Briten in der Lage, über 400.000 Telefonate der Sowjets abzuhören. Allerdings wussten sie nicht, dass der KGB von Anbeginn an informiert war und das Projekt bewusst laufen ließ.

Die Sowjets erkannten schnell, dass diese Aktion großes Potenzial für die Verbreitung von Falschinformationen bot, und wollten zugleich den Doppelagenten Blake nicht gefährden.

Luftbild (Aufnahme nach dem Mauerbau, etwa um 1963) der mit einer Doppelzaunanlage gesicherten Radarstation, Blickrichtung Osten. Die Zufahrt erfolgte von Süden. Bildnachweis: US-Air Force (Markierungen Uwe Friedrich, Berliner Unterwelten e.V.) / © Foto: Berliner Unterwelten e.V.

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April 1956: Inszenierte Entdeckung und Folgen für die Geheimdienste

Im April 1956 sorgte die vermeintlich zufällige Entdeckung weltweit für großes Aufsehen. Es ist jedoch anzunehmen, dass der Zeitpunkt der Entdeckung bewusst gewählt wurde.

Mit der Verhaftung des Doppelagenten Blake im Jahr 1961 erlangten die westlichen Nachrichtendienste schließlich Klarheit darüber, dass es sich um einen gezielten Verrat gehandelt hatte.

Berliner Spionage-Tunnel: Neue Erkenntnisse durch bislang unveröffentlichte DDR-Dokumente

Eine bislang unbekannte Dokumentation, beauftragt vom damaligen Innenminister der DDR, Karl Maron, lieferte den beiden Autoren Arnold und Müller-Enbergs neue Erkenntnisse, die nun mit dem Buch „Operation Gold“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Das Buch enthält zahlreiche Fotografien und Details zur Funktionsweise des Tunnels. Grundlage für die im Buch veröffentlichte Dokumentation ist die Fleißarbeit und Akribie eines ehemaligen Mitarbeiters der Kripo Ost, der das rund sieben Kilogramm schwere und aufwendig gestaltete Fotoalbum nach dem Fall der Mauer aufbewahrte, vor der Zerstörung bewahrte und schließlich dem Berliner Unterwelten e. V. übergab.

Der Spionage-Tunnel wurde in mehreren Spielfilmen thematisiert

Nach den Erläuterungen zum Buch wurde zudem der Kurzfilm „Die Grabungen von 1997“ von Frieder Salm gezeigt. Übrigens wurde die Geschichte dieses Berliner Spionagetunnels mehrfach verfilmt.

Das Buch „Operation Gold“ ist im März 2026 im BeBra Verlag erschienen und kostet 24 Euro. Herausgegeben wird das Buch vom Berliner Unterwelten e.V.

Ein Bild aus dem September 1997, das den freigelegten Tunnel auf dem ehemaligen Gebiet Ost-Berlins zeigt. / © Foto: Berliner Unterwelten e.V.

Quellen: BeBra Verlag, Berliner Unterwelten e.V.

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One Comment

  1. Löwe 22. April 2026 at 15:46 - Reply

    Würde mich wundern wenn es nicht noch mehr Tunnel gibt, oder gab, aber hier wohl schon sehr brisant mit dem Telefonnetz anzapfen, nur warum ließ man das schon so früh auffliegen?

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